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«Der Ansturm ist Courant normal»

In einem Alter, in dem ­andere kürzertreten, eröffneten Heidi und Heinrich Struch in Lyss eine Bijouterie. Nach 20 Jahren ist nun Schluss: Die beiden 79-Jährigen trennen sich Ende Jahr von ihrem Laden.

Heinrich und Heidi Struch schliessen ihren Uhrenladen in Lyss Ende Jahr.
Heinrich und Heidi Struch schliessen ihren Uhrenladen in Lyss Ende Jahr.
Frank Nordmann/BT

Wie aus der Zeit gefallen wirkt der kleine Laden an der Hauptstrasse 14 in Lyss. Ein Anbau am bestehenden Gebäude, zwei Schaufenster, schmale Tür. «H. Struch Uhren Bijouterie» steht da geschrieben, und das H. passt praktischerweise sowohl für Heinrich als auch für Heidi Struch. Ein Besuch bei den beiden ist ein Erlebnis. Allerdings nicht mehr lange.

Das Interieur des Ladens dominieren Uhren aller Art. Wanduhren, Armbanduhren, Pendulen und riesige Standuhren. Nicht ­alle zeigen dieselbe Zeit, und so schlägt es mal halb zwei, mal Viertel vor vier. Heidi Struch hat am Tresen kaum eine ruhige Minute. Kunden gehen stetig ein und aus. Eine Kundin will den reparierten Wecker abholen, ein Mann kauft sich eine Taschenuhr für seinen Sohn, und eine Seniorin muss eine Woche vertröstet werden, weil die Reparatur ihrer Armbanduhr komplizierter ist als gedacht.

«Wir sind nur noch bis Ende Jahr da», gibt Heidi Struch allen mit auf den Weg. Denn langsam hat es sie nun doch eingeholt, das Alter. Heidi und Heinrich Struch sind beide 79 Jahre alt. Und arbeiten immer noch an drei Tagen die Woche vom Morgen bis zum Abend in ihrem Geschäft.

Mit 59 Jahren neu begonnen

Es ist meist Heidi Struch, die ­erzählt. Die gelernte Krankenschwester hat sich von ihrem Mann ins Uhrengeschäft einführen lassen. Nun kümmert sie sich nicht nur um den Verkauf, sondern repariert auch Uhren. Zumindest die Quarzuhren. «Man muss ja schliesslich etwas tun», sagt sie. Die komplizierteren Fälle überlässt sie ihrem Mann.

Zu Beginn des Gesprächs ist von Heinrich Struch nichts zu sehen. Bloss gelegentlich ist ein Geräusch aus der Werkstatt zu vernehmen. Doch plötzlich steht er da, reisst Witze und wirkt ebenso schalkhaft wie seine Frau.

Bei der Buren Watch Company hat er einst Uhrmacher gelernt, vor rund 30 Jahren machte er sich selbstständig. «Da war für mich klar, dass ich ihn dabei unterstütze», sagt Heidi Struch. Erst führten sie ein Geschäft im Oberland, und 1998 folgte ein Neuanfang in Lyss. Dass sie mit 59 Jahren nochmals von vorne begonnen hätten, habe wirtschaftliche Gründe gehabt.

Blickdichte Räumung

Der Ansturm auf den kleinen Laden ist enorm. «Das ist Courant normal», sagt Heidi Struch, die gern ab und an französische Ausdrücke verwendet – eine Folge davon, dass sie und ihr Mann eine Zeit lang in der Romandie gelebt haben. Es komme vor, dass die Kunden regelrecht Schlange stünden.

Was nach dem Rückzug von Struchs ins Privatleben mit dem Laden passiert, ist noch nicht klar. Nach der Schliessung des Geschäfts geben sich Struchs einen Monat lang Zeit, um das Lokal zu räumen. «Dabei werden wir uns aber blickdicht verbarrikadieren», sagt Heidi Struch. Denn als sie einst Inventur gemacht und die Schaufenster mit Tüchern verhängt habe, habe prompt ein gross gewachsener Herr über die Tücher hindurch erspäht, dass jemand im Laden ist, und angeklopft. «Mais bon», sagt sie lachend, «so ist das halt mit den grossen Herren.»

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