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Der angeklagte «Heiler» ist auf freiem Fuss

Der Mann, der 16 Personen mit dem HI-Virus infiziert haben soll, gibt weiterhin Musikunterricht, als wäre nichts geschehen. Er vermietet in seinem Haus Wohnungen an junge Frauen, die nach kurzer Zeit wieder ausziehen.

Jürg Spori
Hier kam der Fall ins Rollen: Das Inselspital stiess bei Recherchen auf 18 HIV-Infizierte, welche Kontakt mit dem Heiler hatten.
Hier kam der Fall ins Rollen: Das Inselspital stiess bei Recherchen auf 18 HIV-Infizierte, welche Kontakt mit dem Heiler hatten.
Musiklehrer und Esoteriker: Der selbsternannte «Heiler» von Bern.
Musiklehrer und Esoteriker: Der selbsternannte «Heiler» von Bern.
Ein Reservoir: Die HI-Viren der Opfer haben die gleiche Quelle.
Ein Reservoir: Die HI-Viren der Opfer haben die gleiche Quelle.
Die Betroffenen legten sich auf den Bauch – und dann kam es zu einem Stich. Nach diesem Muster soll der «Heiler» bei den Opfern vorgegangen sein. Andere machte er bewusstlos und soll sie dann gestochen haben.
Die Betroffenen legten sich auf den Bauch – und dann kam es zu einem Stich. Nach diesem Muster soll der «Heiler» bei den Opfern vorgegangen sein. Andere machte er bewusstlos und soll sie dann gestochen haben.
Die Blutentnahmen verliefen laut Zeugenaussage vor Gericht immer gleich: Der «Heiler» band ihm den Arm ab und setzte eine Spritze. Einst wurde er als Mittäter verdächtigt, nun belastet er den «Heiler» stark. «Ja, das weiss ich. Aber ich muss die Wahrheit sagen.
Die Blutentnahmen verliefen laut Zeugenaussage vor Gericht immer gleich: Der «Heiler» band ihm den Arm ab und setzte eine Spritze. Einst wurde er als Mittäter verdächtigt, nun belastet er den «Heiler» stark. «Ja, das weiss ich. Aber ich muss die Wahrheit sagen.
Eine Kerze, eine Kugel, eine Nadel: Opfer X.Y. lag  beim «Heiler» auf dem Boden. Er solle sich  auf die Kugel konzentrieren, habe dieser gesagt.
Eine Kerze, eine Kugel, eine Nadel: Opfer X.Y. lag beim «Heiler» auf dem Boden. Er solle sich auf die Kugel konzentrieren, habe dieser gesagt.
Mit einem grossen Medienrummel ging Ende Juni der Heilerprozess zu Ende.
Mit einem grossen Medienrummel ging Ende Juni der Heilerprozess zu Ende.
Der «Heiler von Bern» sei nach dem Urteil «sehr niedergeschlagen», sagte sein Verteidiger Ernst Reber am Freitag vor dem Berner Amthaus.
Der «Heiler von Bern» sei nach dem Urteil «sehr niedergeschlagen», sagte sein Verteidiger Ernst Reber am Freitag vor dem Berner Amthaus.
Staatsanwalt Hermann Fleischhackl beantragte 15 Jahre. Das Gericht blieb bei der Strafzumessung mit 12 Jahren und 9 Monaten allerdings darunter. Er wolle deshalb die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und erst danach über einem allfälligen Weiterzug entscheiden.
Staatsanwalt Hermann Fleischhackl beantragte 15 Jahre. Das Gericht blieb bei der Strafzumessung mit 12 Jahren und 9 Monaten allerdings darunter. Er wolle deshalb die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und erst danach über einem allfälligen Weiterzug entscheiden.
Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den «Heiler» zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten wegen schwerer Körperverletzung und Verbreitens menschlicher Krankheiten.
Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den «Heiler» zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten wegen schwerer Körperverletzung und Verbreitens menschlicher Krankheiten.
Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
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Der angeklagte «Heiler» wohnt in Bümpliz zuoberst in einem dreistöckigen Mehrfamilienhaus. Es öffnet niemand, wenn man die Klingel drückt.

Ein Nachbar* des Angeklagten nimmt die Nachricht vom Abschluss der Untersuchung in seinem Gartenhäuschen sehr gelassen zur Kenntnis. «Der Mann hat mir nichts zuleide getan, trotzdem bin ich froh, dass er jetzt vor Gericht kommt.» Die Frau des Nachbarn kann nicht verstehen, dass der «Heiler» immer noch frei herumläuft. Zu Fuss sei er selten unterwegs – und wenn überhaupt, so senke er den Kopf und grüsse die Leute nicht auf der Strasse. Der Mann mit den langen Haaren und dem Bart überwache mit Kameras nicht nur das Haus, sondern sogar seinen Jeep in der Garage. «Der hat doch einen Verfolgungswahn», sagt sie. Die Nachbarin kann auch nicht verstehen, warum der «Heiler» immer noch Musikunterricht geben darf.

Den Mieterinnen ist es unwohl

«Ich sehe fast jeden Tag, wie junge Frauen und Männer mit Gitarre oder Saxofon ins Haus gehen und wieder herauskommen.» Laut der Nachbarin vermietet der Mann immer wieder die zwei Wohnungen unter ihm an junge Frauen. «In der Regel sind sie nach einigen Monaten wieder weg.» Gerade erst am letzten Samstag sei eine Frau ausgezogen, der es beim «Heiler» offenbar nicht so wohl gewesen sei, will die Nachbarin wissen.

*Namen der Redaktion bekannt.

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