Der Altmeister kocht jetzt in Bowil

Bowil

Die Cateringfirma Iss-Was bewirtet Bundesräte und auch VIP-Gäste an der Tour de Suisse. Nun erweitert das Unternehmen sein Angebot mit Produkten der Kochlegende Erwin Stocker.

Erwin Léo Stocker übergibt seine Gourmetlinie der Iss-Was GmbH aus Bowil.

Erwin Léo Stocker übergibt seine Gourmetlinie der Iss-Was GmbH aus Bowil.

(Bild: Urs Baumann)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Ein grosser Koch verabschiedet sich langsam und eine kleine Firma wächst schnell. Die Kochlegende Erwin Stocker übergibt seine Degusta-Linie der jungen Cateringfirma Iss-Was in Bowil. Doch bis der «Altmeister der Küche» wirklich loslässt, kann es noch etwas dauern. Die Iss-Was-Geschäftsführer Daniel und Renato Wittwer lassen sich aber gerne Zeit, denn für beide ist Stocker nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Idol.

lss-Was für Bundesräte

In Richtung Langnau, kurz nach der Ortseinfahrt in Bowil scharf rechts einbiegen. Danach nochmals scharf rechts um die Autogarage, et voilà, da ist der Eingang der Iss-Was GmbH. Dass die Firma so versteckt ist, tut dem Erfolg keinen Abbruch. Das Cateringunternehmen gibt es seit 2010.

Die grossen Aufträge kamen umgehend. So etwa das Greenfield und das Trucker-Festival. Heute bewirten die Caterer Grossanlässe wie den Ski World Cup in Adelboden und die Tour de Suisse.

Daneben führt die Iss-Was GmbH die Küche der Kulturfabrik in Biglen. Ebenfalls zu den fixen Auftraggebern gehört das Schloss Wyl, wo auch schon der Bundesrat sein Weihnachtsessen veranstaltete. 2010 war Daniel Wittwer der einzige Angestellte, heute sind es gut sieben. Je nach Anlass werden bis zu 30 Aushilfen aufgeboten. Bundesräte zu bewirten, ist eine Gemeinsamkeit sowohl der jungen Caterer aus Bowil wie auch des Altmeisters aus Interlaken.

Ein Weltmeister

Im Berner Oberland ist Erwin Léo Stocker eine Legende, in der Gastroszene eine Koryphäe und für seine Frau ein unermüdliches Arbeitstier. Seit über sechzig Jahren steht der gebürtige Walliser in der Küche. Er kochte nicht nur für Schweizer Politiker, sondern auch für Prinzen und Scheichs. Er arbeitete in der Karibik, in Kuwait, in London. 1976 gewann er mit der Kochnationalmannschaft den Nationenpreis. Zehn Jahre lang war Erwin Stocker Küchenchef im Hotel Metropole in Interlaken, danach nochmals dreizehn Jahre im Viktoria Jungfrau.

1997 machte er sich selbstständig und gründete die Firma Stockers Degusta. Das Unternehmen ist eine Art Partyservice mit Gourmetprodukten. Zu den Spezialitäten gehören Pasteten und Terrinen mit Pilzen, Fasan, Hummer, Stör oder auch Tofu, allerlei Saucen und Gewürze, Dips und Pasten. «Die Idee ist, den Menschen, welche Gäste zu Hause bewirten, das Kochen zu erleichtern,» erklärt Stocker.

Heute ist er 78 Jahre alt und arbeitet noch immer. «Hat man einmal einen Rhythmus, darf man den nicht unterbrechen, sonst sieht man die Kartoffeln bald von unten», sagt er, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Übergabe

Langsam aber sicher scheint sich der Ruhestand dennoch anzubahnen. Eigentlich wollte er die Degusta-Firma seinem Sohn vermachen, doch dieser ist selber Küchenchef in Norwegen und lehnte ab. Nach zweijähriger Suche ist Stocker nun in Bowil fündig geworden. «Wir hatten denselben Buchhalter», erklärt Daniel Wittwer. «Dieser hat uns gefragt, und weil wir den Patron kennen und bewundern, zögerten wir nicht.»

Seit Monaten arbeitet Stocker nun in den Räumlichkeiten der Firma Iss-Was. An drei Tagen pro Woche fährt er von Interlaken nach Bowil, bereitet dort seine Produkte zu und schult seine Nachfolger. 3335 Rezepte habe er in petto, sagt er. Ins Programm der Iss-Was GmbH sind momentan 47 Stocker-Artikel aufgenommen. «Wir unterscheiden aber klar, was Degusta ist und was nicht», so Daniel Wittwer. Stockers Linie werde als eigenständige Produktreihe beibehalten.

Wann Stocker seine Produkte den Brüdern Wittwer vollständig überlässt, ist nicht klar. Seine Frau Erika rollt die Augen und ergänzt: «Höchstens zwei Jahre, hat er gesagt.»

Berner Zeitung

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