Der alte Bären steht im Weg

Zollikofen

Der historische Gasthof in Zollikofen soll abgerissen werden. Das Parlament hat einer Zonen- und Baureglementsänderung für die Überbauung des Areals rund um den Bären zugestimmt. Es entsteht vor allem zusätzlicher Wohnraum.

Das Areal rund um den Bären befindet sich gegenüber dem Bahnhof Unterzollikofen. Foto: Nicole Philipp

Das Areal rund um den Bären befindet sich gegenüber dem Bahnhof Unterzollikofen. Foto: Nicole Philipp

Pia Scheidegger

Heute ist das Areal rund um den Bären mitten in Zollikofen stark unternutzt. Nebst dem ehemaligen Gasthof befinden sich dort vor allem Parkplätze und einzelne Garagen. «Zusammen mit dem Gebäudevolumen des Bären selbst gibt das eine grosse Fläche, die besser genutzt werden kann», sagt Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP).

Dies soll nun auch passieren: Das Gemeindeparlament hat am Mittwoch das Zonen- und Baureglement für eine Überbauung des Bärenareals einstimmig geändert. «Dieser Entscheid zeigt uns, dass der politische Wille zur Siedlungsentwicklung nach innen da ist», so Bichsel. Damit das Projekt umgesetzt werden kann, muss es jedoch noch vom Kanton genehmigt werden.

Der Bären stand nie leer

Vor zehn Jahren bediente der Bären zum letzten Mal Gäste. Davor wirteten vier Generationen der Familie König über 100 Jahre im Gasthof. Die Wirtin sagte damals, der Grund für die Schliessung sei die Einführung des Rauchverbots. Das Gesetz drohte, einen Grossteil der Kundschaft zu vertreiben. Ausserdem überstiegen die Kosten für eine allfällige Renovation das Budget der Wirtefamilie.

«Dieses Gebäude hat man vorgezeigt, es war eines der prominentesten Bauten von Zollikofen.»Bruno Vanoni, Grüne Freie Liste

Anfänglich wollte Rudolf König die Liegenschaft nicht verkaufen und stellte sie für Zwischennutzungen zur Verfügung. Bis heute werden die Räume des ehemaligen Bären vermietet. Nebst Wohnungen und Lagerräumen, gibt es im Gebäude noch eine Brockenstube. Auch ein Pizzakurier war für einige Jahre im Untergeschoss eingemietet. Leer stand der Gasthof nie. 2016 verkaufte die Erbengemeinschaft der Familie König das Bärenareal an ein Immobilienunternehmen.

Erhalt kaum möglich

An der Sitzung des Gemeindeparlaments zeigte Bruno Vanoni (GFL) alte Postkarten von Zollikofen, auf denen der Bären abgebildet ist. «Dieses Gebäude hat man gerne gezeigt, es war eine der prominentesten Bauten von Zollikofen», so Vanoni. Er wolle nicht nostalgisch sein, aber auf die Bedeutung des Gasthofs hinweisen.

Der Bären wurde 1898 erbaut und wird von der Denkmalpflege als erhaltenswert eingestuft. Auch ein Bauernhaus, das sich auf dem Areal befindet, hat lokalhistorischen Wert. Trotzdem sollen die beiden Gebäude abgerissen werden. «Längerfristig ist ein Erhalt der Bauten aus städtebaulicher und wirtschaftlicher Sicht unverhältnismässig», sagt Bichsel. Eine Sanierung wäre kostspieliger als ein Neubau.

Neues Vorzeigeobjekt?

Die Überbauung soll den Zentrumsbereich Unterzollikofen stärken. Geplant sind neue Wohnungen und Ladenflächen. Das Gebiet befindet sich direkt neben dem Bahnhof Unterzollikofen, deshalb besteht die Möglichkeit zum autofreien Wohnen. «Ich hoffe, dass die Überbauung, wie einst der Bären, ein Vorzeigeobjekt der Gemeinde werden kann», so Bruno Vanoni. Dazu gehöre auch der Einsatz und die Nutzung von erneuerbarer Energie in den neuen Bauten.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt