Denkmalpfleger ist gegen Abbruch der Siedlung Meienegg

Bern

Selbst der teilweise Abbruch der Siedlung Meienegg sei keine Option, sagt der städtische Denkmalpfleger. Die Quartierkommission warnt vor negativen Folgen aufgrund unterschiedlicher Interessen.

Abbruch, Teilabbruch oder Erhalt? Die Zukunft der Siedlung Meienegg wird wohl noch viel zu reden geben.

Abbruch, Teilabbruch oder Erhalt? Die Zukunft der Siedlung Meienegg wird wohl noch viel zu reden geben.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christoph Hämmann

Die Siedlung Meienegg im ­­Westen Berns ist in den 1940er-Jahren gebaut worden, und schon damals waren ihre Wohnungen kleiner als üblich. Umso günstiger sind sie heute, doch natürlich sind ihre Grundrisse inzwischen erst recht nicht mehr zeitgemäss. Deshalb soll die ­­sanierungsbedürftige Siedlung entwickelt und verdichtet werden.

Eckwerte dazu gaben die Fambau-Genossenschaft als Eigentümerin und die Stadt Bern, zuständig für die zonenrechtlichen Grundlagen, Mitte Mai bekannt. Zum Leid­­wesen der Fambau, nach deren Ansicht die Häuser nicht mehr sinnvoll saniert werden können, hatte der Gemeinderat zuvor entschieden, ein Viertel bis ein Drittel der Siedlung zu erhalten.

Die Krux daran: Was Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) als Kompromiss zwischen den Interessen der Stadtentwicklung und jenen der Denkmalpflege verkaufte, macht höchstens alle Beteiligten gleichermassen unfroh. Die Fambau ebenso wie jene, die das Potenzial zur Siedlungsentwicklung nach innen voll ausnutzen möchten – aber auch die Denkmalpflege, laut der die Siedlung als Ganzes schützenswert ist. «Ein Abbruch oder Teilabbruch der Siedlung ist aus denkmalpflegerischer Sicht keine Option», sagt Jean-Daniel Gross, der städtische Denkmalpfleger.

Es wartet der Rechtsweg

Wer aufgrund von Dokumenten mehr darüber erfahren möchte, wie der Kompromiss innerhalb der Stadtverwaltung und des ­­Gemeinderats zustande gekommen ist, wird mit vagen Ausführungen abgespeist – und erhält keine Dokumente. Es gebe kein Protokoll dazu, auf welcher Grundlage vier Architekturteams eingeladen wurden, an der städtebaulichen Studie zur Meienegg mitzumachen. Das Gleiche gelte für den Beitrag der städtischen Denkmalpflege zur Diskussion über die Zukunft der Siedlung sowie zum Entscheid, einen Teil zu erhalten.

Aus den Antworten der Stadt geht aber immerhin Folgendes hervor: Stadt und Fambau luden – in gegenseitiger Absprache – je zwei Teams zur Studie ein. Bezahlt werden diese ebenfalls je zur Hälfte von den beiden Auftraggebern. Wer eine vollständige Arbeit einreichte, erhielt 40000 Franken.

«Es ist davon auszugehen, dass der Entscheid letztlich auf demRechtsweg erwirktwerden muss.»Jean-Daniel GrossDenkmalpfleger Stadt Bern 

Und: Die städtische Denkmalpflege wird sich bei der Beurteilung von Planungen und Bauvorhaben in der Meienegg an das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege halten, das die Siedlung als schützenswertes Baudenkmal einstuft. Konkret heisst das laut Denkmalpfleger Gross, dass sein Amt «einen ablehnenden Amtsbericht zum Abbruch oder Teilabbruch der Meienegg schreiben wird». Es sei in jedem Fall – bei einer Baubewilligung wie bei einem Bauabschlag – mit Einsprachen zu rechnen. Der Entscheid über die Zukunft der Siedlung müsse deshalb voraussichtlich «auf dem Rechtsweg erwirkt werden».

Mit dem Denkmalschutz befasste sich auch die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), die diese Woche ihre Stellungnahme zu den Meienegg-Plänen einstimmig verabschiedet hat. Darin begrüsst sie «aus Gründen der Sozial- und Quartierverträglichkeit», dass der Teilersatz der Siedlung in zwei bis drei Etappen erfolgen soll. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass «die unterschiedliche Haltung der Eigentümerin und der Stadt zu Missverständnissen führen kann, welche die Qualität der einzelnen Etappenzustände beeinträchtigen können».

Jury will «ein Stück Stadt»

Die QBB würdigt die städtebauliche Studie zur Meienegg grundsätzlich wohl­­wollend. Gleichzeitig macht sie auf verschiedene weitere Punkte aufmerksam, welche Stadt und Fambau bedenken mögen. So verlangt sie etwa, dass die Schulraumplanung in Bethlehem «unmittelbar an die Hand genommen» werde, da künftig in der Meienegg, aber auch in Weyermannshaus West mehr Kinder wohnen würden. Weil im Quartier verhältnis­mässig viele Personen lebten, die über Nacht ein Firmenauto heimnähmen, begrüsst die QBB den geplanten Bau einer Einstellhalle und verlangt «ein griffiges Mobilitätsmanagement».

Die Gefahr von Missver­ständnissen birgt laut QBB auch die Forderung der Jury des Studienauftrags, wonach in der Meien­­egg «ein Stück Stadt» gebaut werden solle. Das funktioniere nur mit entsprechenden Erd­­geschossnutzungen und erfordere ein Bekenntnis derFambau zum Konzept. Aus­drücklich begrüsst wird der Anspruch der Fambau, dass die Wohnungen in der Meienegg auch in Zukunft sehr günstig sein sollen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt