Denkmalpflege wirft ein Auge auf den Gymer Neufeld

Im Bauinventar sind die schützens- und erhaltenswerten Bauten der Stadt aufgelistet. Nun überarbeitet die Denkmalpflege dieses Werk. Neue Bauten werden aufgenommen, andere zurückgestuft.

Das Inventar bezeichnet diejenigen Bauten, die bei Umbau- oder Sanierungsarbeiten von der Denkmalpflege begleitet werden müssen. Im Bild ein renoviertes Haus im Breitenrain.

Das Inventar bezeichnet diejenigen Bauten, die bei Umbau- oder Sanierungsarbeiten von der Denkmalpflege begleitet werden müssen. Im Bild ein renoviertes Haus im Breitenrain.

(Bild: zvg)

«Manchmal muss man erst Touristen aus den USA oder China über unsere Stadt schwärmen hören, damit einem wieder bewusst wird, dass ein solches Stadtbild ohne die Denkmalpflege nicht möglich wäre.» Das sagte gestern Stadtpräsident Alexander Tschäppät an der Jahresmedienkonferenz der Denkmalpflege. Deren wichtigstes Arbeitsinstrument ist das Bauinventar, das Bern als eine der ersten Gemeinden in der Schweiz vor 30 Jahren gemeinsam mit dem Kanton erstellte. Darin aufgeführt sind die schützens- und erhaltenswerten Bauten. Sanierungen oder Umbauten dieser Gebäude müssen von der Denkmalpflege begleitet werden.

Diese Grundlage wird nun überarbeitet. Das Stadtparlament hat für die Aktualisierung 1,1 Millionen Franken bewilligt (wir berichteten). Projektleiter Roland Flückiger sichtet gemeinsam mit zwei Architekturhistorikern die aufgelisteten Bauwerke. Selbstverständlich werde man auch in den Berner Quartieren unterwegs sein, sagt Flückiger. «Die Bauten werden aber nicht nach unserem Geschmack ausgewählt, sondern nach rein fachlichen Kriterien.»

Wankdorfstadion fällt weg

Bei dieser Aktualisierung werden gewisse Bauwerke aus dem Inventar ausgeschlossen. So zum Beispiel das alte Wankdorfstadion, was wohl für alle nachvollziehbar ist, da es ja für den Neubau längstens abgebrochen worden ist. Dieses Beispiel zeige schön auf, dass auch bei Bauten aus dem Inventar stets eine Güterabwägung stattfinde und gar ein Abbruch oder Neubau möglich sei, sagte Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross.

Ins Inventar sollen auch neue Bauten aus der Zeit zwischen 1960 und 1990 aufgenommen werden. So etwa das Gymnasium Neufeld, das Projektleiter Flückiger als «grosses Werk der 1960er-Jahre» bezeichnet. Insgesamt dürften nach der Aktualisierung «tendenziell» weniger Bauten im Inventar stehen als heute, nimmt Gross an. Das überarbeitete Inventar wird publiziert. Quartierorganisationen und Hauseigentümer haben zwar die Möglichkeit, ihre Sicht mit einer Eingabe kundzutun, Einsprache gegen die Aufnahme ins Inventar erheben können sie aber nicht. In den 12 Jahren seiner Tätigkeit sei es aber bei der Einstufung noch nie zu einem Streitfall gekommen, betont Roland Flückiger.

Berner Zeitung

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