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Den Schweinen geht es saugut

Als Tierarzt sorgt Beat Berchtold an der BEA für das Wohl der Tiere. Ob es diesen an der Messe gut geht, wird unter anderem auch vom Schweizer Tierschutzbeurteilt. Dieser gibt der BEA grundsätzlich eine gute Note.

Ein positives Beispiel ist für Sandra Schaefler (links) und Sabine Müller die Gruppentierhaltung der Schweine.
Ein positives Beispiel ist für Sandra Schaefler (links) und Sabine Müller die Gruppentierhaltung der Schweine.
Urs Baumann

Beat Berchtold steht mit verschränkten Armen neben der grossen Arena der BEA (Halle15) und sieht dabei zu, wie die Ferkel zwischen ihren Müttern umherrennen. Während die Besucher sich an den Tieren erfreuen, ist Berchtolds Blick ein professioneller. «Eines der Ferkelist ein wenig lahm», schliesst er nach einigen Minuten, «das muss ich mir heute Abend mal anschauen.»

Zum dritten Mal ist Berchtold heuer als Tierarzt an der BEA tätig. Er spricht sich mit dem Stallpersonal ab, beobachtet die Tiere und greift bei einem Krankheitsfall ein. Bisher passierte an der BEA aber nur wenig – am Mittwoch kollabierte ein Kalb, und der Eber hat sich leicht am Knöchel verletzt. «Deshalb ist er bei der Rassevorführung in der Arena auch nicht dabei», erklärt Berchtold.

Auch an diesem Tag ist es ruhig an der BEA. Beat Berchtold läuft umher, spricht hier und da mit dem Stallpersonal oder den Züchtern und bleibt immer wieder stehen, um die Besucher und die Tiere zu beobachten. «Präsenz zeigen ist wichtig», erklärt er in seiner gelassenen Art.

Grundsätzlich eine gute Note

Einige Stunden später bei der Kleintierzucht (Halle 16). Sandra Schaefler und ihre Kollegin Sabine Müller stehen vor dem Aussengehege der Schweinegruppenhaltung, in welches die Muttertiere und ihre Ferkel mittlerweile zurückgekehrt sind. Die beiden Frauen kommen ins Schwärmen: «Das Gehege ist schön gross, die Tiere können sich gut zurückziehen, und auch das Wasserbad wurde dieses Jahr wieder integriert.» Ein schönes Schweineleben, finden die beiden Mitarbeiterinnen des Schweizer Tierschutzes (STS).

Seit mehreren Jahren beurteilt der STS die BEA sowie viele andere Messen und Tierschauen in der Schweiz. Dann mischen sich die Frauen mit Notizblock und Kamera unter die Besucher und begutachten die Gehege mit kritischem Blick. Haben die Tiere genug Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten? Werden die Regeln in den Streichelzoos eingehalten? Wirken die Tiere übermässig gestresst oder eher ruhig?

«Grundsätzlich kann man der BEA eine gute Note geben», erklären Schaefler und Müller am Ende ihres Rundgangs. Verbesserungspotenzial sei dennoch vorhanden: Beispielsweise dürften die Ruhebereiche der Streichelzootiere besser ausgestattet sein, und es bräuchte dringend Personal, das den Streichelzoo überwacht und den Kindern zeigt, wie man mit den Tieren umgeht.

Im Vergleich zu anderen Messen schneide die BEA aber gut ab. Positive Beispiele wie das Gehege der Schweinegruppenhaltung können die Frauen gleich mehrere nennen. Aber auch negative Dinge gebe es an der BEA zu entdecken.

Ein Dorn im Auge

Ein Dauerthema unter den Negativbeispielen findet sich nur wenige Meter entfernt vom grosszügigen Schweinegehege; dort liegt ein Mutterschwein auf engstem Raum, säugt liegend seine Ferkel und wird von Besucherinnen und Besuchern umringt, welche immer wieder nach den Ferkeln greifen. «Dieses Exponieren der Muttersau mit ihren Jungen ist uns schon seit Jahren ein Dorn im Auge», erklärt Sandra Schaefler.

Auch dieses Jahr wird der STS seine Beobachtungen wieder in einem ausführlichen Bericht festhalten. Dieser landet unter anderem auch in Beat Berchtolds Händen. «Wir versuchen viel umzusetzen, was vom STS bemängelt wird», sagt er. So werden dieses Jahr etwa die Ferkel in der Grossen Arena nicht mehr rumgereicht, weil dies sowohl für ihre Mütter als auch für die Kleinen mit viel Stress verbunden ist.

Letztlich liege es in der Verantwortung der Aussteller, wie sie ihre Gehege ausrüsten würden, erklärt Berchtold. Erfüllen müssen sie dabei zwar die grundlegenden Vorgaben des kantonalen Veterinäramts – dies sei aber nur das absolute Minimum und garantiert kein Tierwohl, so die Meinung der STS-Frauen.

Findet er eine Tierhaltung nicht vertretbar oder hält er ein Tier für zu schwach, kann Beat Berchtold ein Veto verteilen. «Manchmal ist es das Beste, die Tiere nach Hause zu schicken», sagt er. Könnte man ein solches Veto nicht auch im Fall der exponierten Muttersau aussprechen? Berchtold schüttelt den Kopf: «Das ist nun mal die Realität. Und es ist wichtig, dass die Konsumenten die Wahrheit darüber erfahren, wie die einheimische Schweinehaltung aussieht.»

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