Den Jura-Konflikt gibt es offiziell nicht mehr

Die Interjurassische Versammlung ist aufgelöst. Damit gilt der Jura-Konflikt offiziell als beendet. Noch stehen aber pikante Verhandlungen zwischen den Kantonen Bern und Jura an.

Die Interjurassische Versammlung wird nach 24 Jahren aufgelöst. Was ihre Aufgabe war, sehen Sie im Video.
Philippe Müller

Der politische Entscheid wurde bereits im Sommer gefällt, am Freitag besiegelte ein symbolischer Akt das offizielle Ende des langwierigen Jura-Konflikts. Nach dem Entscheid der Stadt Moutier vom 18. Juni, von Bern in den Kanton Jura zu wechseln, war die Interjurassische Versammlung überflüssig geworden. Am Freitag löste sie sich anlässlich einer ­Zeremonie im bernjurassischen Städtchen feierlich auf. Pro­minenter Gast war Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Der Bund hatte die Interjurassische Versammlung 1994 ein­berufen, nachdem sich im Jahr zuvor der militante Separatist Christophe Bader am Nydegg­stalden in der Berner Altstadt in die Luft gesprengt hatte. Bader hatte offenbar einen Anschlag auf das Portal des Berner Rat­hauses geplant. Die Interjurassische Versammlung mit Vertretern aus den Kantonen Bern und Jura unter der Leitung eines neutralen Moderators hatte die Aufgabe, die Wogen zu glätten. Dem Gremium wird allenthalben attestiert, die emotionale Dis­kussion mit viel Sachlichkeit angegangen zu sein.

Berns Forderungen

Auch wenn die Jura-Frage nun offiziell gelöst ist, so gibt es doch noch einiges zu klären. Denn die Kantone Bern und Jura müssen die Rahmenbedingungen zum Kantonswechsel von Moutier in womöglich zähen Verhandlungen noch definieren und in einem Vertrag festhalten. Letzte Woche liess der Berner Regierungsrat in einer Antwort auf einen Vorstoss aus dem Grossen Rat durchblicken, welche Erwartungen man an die jurassische Regierung hat. Ganz konkret verlangt Bern als Voraussetzung für erfolg­reiche Verhandlungen, dass der Jura zwei Artikel aus seiner Kantonsverfassung löscht.

Artikel 138 der jurassischen Verfassung beinhaltet das Recht, dass der Kanton Jura «jeden Teil des von der Volksabstimmung vom 23. Juni 1974 unmittelbar betroffenen jurassischen Gebiets aufnimmt (...)». Auch Artikel 139 hat die territoriale Erweiterung des Kantons Jura in Richtung Berner Jura zum Inhalt. Die Berner Regierung stellt sich auf den Standpunkt, dass die Jura-Frage erst dann als beendet gelten kann, wenn der Kanton Jura diese Erweiterungsabsichten aus seiner Verfassung streicht.

Berner Zeitung

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