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Dem Historischen Museum bleiben die Besucher fern

Der chinesische Kaiser Qin war vor vier Jahren der Publikumsrenner im Historischen Museum. Ein ähnlicher Blockbuster ist nicht in Sicht. Stattdessen muss sich das Haus auf die Betreuung der Sammlung konzentrieren.

Urs Wüthrich
Für Museumsdirektor Jakob Messerli sind Besucherzahlen nicht das einzige Kriterium.
Für Museumsdirektor Jakob Messerli sind Besucherzahlen nicht das einzige Kriterium.
Beat Mathys

2013 war das Rekordjahr. 343'118 Besucherinnen und Besucher strömten damals ins Bernische Historische Museum. Es war die Ausstellung über den chinesischen Kaiser Qin Shihuangdi und seine Terrakottakrieger, die dem Haus den Ansturm beschert hatte. Weder vorher noch nachher verzeichnete das 1894 eröffnete Museum nur annähernd so viele Eintritte.

Ein Jahr nach Qin – 2014 war die Wechselausstellung über die Pfahlbauer – kamen noch 71'934 Besucher. Ganz mager fiel dann 2015 mit 55'235 Eintritten aus. Aus finanziellen Gründen, wie Museumsdirektor Jakob Messerli sagt, konnte mit «In 80 Minuten um die Welt» nur eine kleine Ausstellung ausschliesslich mit Objekten aus dem Museumsfundus präsentiert werden. In diesem Jahrhundert war nur das Jahr 2000 mit 54'000 Eintritten noch schlechter.

2016 fanden immerhin 73'000 Menschen den Weg ins Historische Museum. Aber auch die Ausstellung «Söldner, Bilderstürmer, Totentänzer – mit Niklaus Ma­nuel durch die Zeit der Reformation» war nicht wirklich der grosse Heuler.

Die finanziellen Mittel fehlen

«Wir können nicht alle Jahre einen Blockbuster produzieren», sagt Jakob Messerli. Dazu würden schlicht die finanziellen Mittel fehlen. «Niklaus Manuel ist sicher ein weniger populäres Thema als Qin, aber deswegen nicht weniger wichtig.» Ein Museum müsse auch solchen Themen eine Plattform bieten und könne nicht nur dem Mainstream folgen.

«Wir können nicht alle Jahre einen Blockbuster produzieren.»

Jakob Messerli, Direktor Historisches Museum

Als Direktor habe man natürlich gern viele Besucher, «aber hohe Besucherzahlen sind nicht das einzige Erfolgskriterium». Das vergangene Jahr beispielsweise bewege sich punkto Besucheraufkommen im langjährigen Durchschnitt. Messerli sagt: «Noch kaum je waren die Besucherreaktionen so durchgehend positiv wie bei der Manuel-Ausstellung.»

Defizite bei der Erschliessung

In den Nullerjahren habe das Museum fast sämtliche Ressourcen in grosse Ausstellungen gesteckt und damit grosse Publikumserfolge erzielt. «Als ich 2010 ins Museum kam, bekam ich den Auftrag der Stiftungsträger, alle Museumsaufgaben gleichberechtigt zu erfüllen», erklärt Direktor Messerli. Dazu gehöre auch, sich um die Sammlung zu kümmern und die Vermittlungsaufgaben wahrzunehmen. «Bei der Erschliessung und konservatorischen Betreuung der Sammlung bestehen beträchtliche Defizite.»

Dies führe zu wenig effizientem Arbeiten, wenn Objekte lange gesucht werden müssten. Seit 2010 seien finanzielle Mittel in die Konservierung und Restaurierung sowie in die Bildung und Vermittlung umgeleitet worden. «Ein Museum ist ein Eisberg. Man muss auch den Teil unter der Wasseroberfläche pflegen, auch wenn der sichtbare Teil auf den ersten Blick attraktiver scheint.» Nur so könne sichergestellt werden, dass auch in Zukunft attraktive Ausstellungen mit eigenen Sammlungsbeständen möglich sind.

5,1 Millionen Franken

Für die Erschliessung der Sammlung hat das Museum kürzlich von Kanton, Stadt und Burger­gemeinde Bern einen einmaligen Beitrag von insgesamt 5,1 Millionen Franken erhalten. Messerli: «Ziel dieses Projektes ist es, dass alle 500'000 Objekte der Sammlung registriert und minimal erschlossen sind und ihr Standort verzeichnet ist.» Daran werde das Museum in den nächsten vier bis fünf Jahren arbeiten.

Die musealen Schätze sind derzeit unter zum Teil suboptimalen Bedingungen auf sieben Standorte in Bern und Umgebung verteilt. Das soll sich laut Messerli ändern. «Wir arbeiten zusammen mit unseren Trägern an einem Projekt für ein Zentraldepot, wo die Kulturgüter langfristig erhalten werden können, mit entsprechenden baulichen und klimatischen Standards.»

Keine Euro-08-Ausstellung

Apropos Sammlung: 2008 (vor der Ära Messerli) sammelte das Historische Museum Erinnerungsstücke der Fussball-Euro 08. Angesagt wurde eine Euro-08-Ausstellung in zehn Jahren, also 2018. Das Museum nahm damals eine Reihe von Objekten zur Euro 08 in seine Sammlungen auf: einen Fussball, Souvenirartikel, ein oranges T-Shirt sowie die Handschuhe des Schweizer Torhüters Diego Benaglio.

Es gibt aber nächstes Jahr keine Euro-Ausstellung, Messerli will davon nichts wissen. «Ich finde es wichtig, dass dieses Grossereignis für die Schweiz und für Bern in unserer Sammlung dokumentiert ist, sehe aber derzeit in der Euro 08 kein Thema für eine Ausstellung.» Dafür kündigt er die Ausstellung «1968 Schweiz» an (siehe Kasten).

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