Dem Duo von Graffenried/Nause fehlt es an Siegeswillen

Fight um Cupfinal

Stefan Schnyder, Leiter Ressort Stadt Bern, zur Taktik der Berner Stadtregierung bei der Vergabe des Cupfinals vom 27. Mai.

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Ausmarchung bei der Vergabe des Cupfinals 2018 kommt in ­ihre Schlussphase. Die Akteure lassen sich derzeit nicht in ihre Karten ­blicken. Die Städte Bern, Zürich, Genf und Basel haben ihr Interesse angemeldet. Der Entscheid liegt beim Schweizerischen Fussballverband.

Es ist erfreulich, dass die Stadt Bern bei der Vergabe des wichtigsten Fussballspiels der Schweiz mitmacht. Das ist einer Initiative des Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried zu verdanken, der im vergangenen Sommer die Ansprüche der Stadt Bern klarmachte: «Der Cupfinal gehört nach Bern», sagte er damals.

Von Graffenried bezog sich mit seiner Aussage auf den besonderen Anspruch einer Hauptstadt auf den Cupfinal. In England wäre es undenkbar, dass der Cupfinal an einem anderen Ort als im Wembley-Stadion in London stattfindet. Oder in Frankreich ist es gott­gegeben, dass der Cupfinal in Paris durchgeführt wird. Und in Spanien in Madrid. Und in Italien in Rom.

Bei der Vergabe des Cupfinals steht also Bern von Anfang in der Poleposition. Doch seit den schlimmen Ausschreitungen rund um den Cupfinal von 2014 hatte die Stadt Bern die Lust an der Durchführung des Cupfinals verloren. Verständlicherweise. Nun ist aber die Zeit gekommen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Das hat Stadtpräsident Alec von Graffenried richtig erkannt.

Doch gute Ausgangs­lagen können schnell verspielt werden. Das weiss jeder Fussballspieler. Und ­irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass die Berner Stadtregierung derzeit nicht mit voller Energie und geeint auf dieses Ziel hinarbeitet.

Stadtpräsident Alec von Graffenried scheint den Cupfinal nach wie vor nach Bern holen zu wollen. Gelingt das Unterfangen, könnte er einen schönen Erfolg verbuchen. Sollte am Ende YB im Final stehen und diesen gar noch gewinnen, wäre er erst recht der Held.

Allerdings scheint ihn in den letzten Wochen der eigene Mut verlassen zu haben. Er will sich in der Sache nicht mehr öffentlich äussern und überlässt die Führung des Dossiers Sicherheitsdirektor Reto Nause.

Doch Nause geht eher lustlos ans Werk. Er betont vor ­allem die Risiken, welche mit der Durchführung des Cupfinals verbunden wären. Und macht ­darauf aufmerksam, dass die Berner ­Innenstadt mit ihren verwinkelten ­Gassen ein besonders schwieriges ­Terrain für die Polizei ist. Zudem weist er darauf hin, dass sich die FCZ-Fans in der laufenden Saison als risikoreiche Fangruppe unrühmlich hervorgetan haben.

Schliesslich ist es erstaunlich, dass er der Pflege der Beziehung zum Fussballverband kein besonderes Gewicht beizumessen scheint. Dessen Präsident Peter Gilliéron liess kürzlich verlauten, dass er mit Reto Nause seit 2014 praktisch ­keinen Kontakt mehr gehabt habe. Eine erstaunliche Aussage. Ihre Büros liegen nur gerade vier Kilometer von­einander entfernt.

Nause ist ein gewiefter Taktiker. Er weiss genau: Gelingt es, den Cupfinal in Bern ohne grössere Ausschreitungen durchzuführen, wird sich Stadtpräsident Alec von Graffenried die Lorbeeren abholen.

Kommt es aber zu Ausschreitungen, wird in erster Linie Nause dafür in die Kritik geraten. Mit den Hinweisen auf die Schwierigkeiten wappnet sich dieser bereits für diesen Fall: Er wird dann darauf hinweisen können, dass er immer auf die Gefahren aufmerksam gemacht habe.

Eines ist aber Nause zu attestieren: Er ist mit ein paar berechtigten Forderungen in die Verhandlungen gestiegen. So ist es richtig, wenn er verlangt, dass der Fussballverband einen Grossteil der Kosten für das Polizeiaufgebot trägt. Denn die Verbandsoberen machen es sich etwas einfach. Sie wollen die Einnahmen aus dem Endspiel kassieren und die Kosten der Allgemeinheit überlassen. Das geht nicht.

Das Berner Stürmerduo Alec von Graffenried und Reto Nause geht mit der richtigen Zielsetzung und taktisch richtigen Ansätzen in die Verhandlungen. Doch jetzt ist es an der Zeit, dass Captain Alec von Graffenried den Ball von Reto Nause zurückfordert.

stefan.schnyder@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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