Dauerthema Nachtverkauf

In Bern gab es in letzter Zeit einige Mitternachtsverkäufe. Dennoch bleibt die Volkswirtschaftsdirektion bei ihrer Aussage, mit der sie Anfang Woche das Verkaufsverbot für die Bäckerei Aegerter begründet hat.

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Stephan Künzi

Mitternachtsverkauf und Bern: Wer diese beiden Stichworte bei Google eingibt, schaut verwundert auf. Nicht eine, sondern gleich mehrere Veranstaltungen spuckt die Internet-Suchmaschine für die jüngere Vergangenheit aus. Den CD-Verkauf in einem Stadtberner Szenegeschäft. Den Handyverkauf in der Statberner Filiale einer Kette für Mobiltelefonie. Den Harry-Potter-Verkauf in diversen Buchhandlungen im ganzen Kanton.

Wie das zusammengeht mit dem strikten Verbot, mit dem im gleichen Kanton die Bäckerei Aegerter belegt worden ist? Die Heimkehrer vom Gurtenfestival haben es am Donnerstagmorgen erstmals zu spüren bekommen: Auf Geheiss des Kantons blieb der Laden in Wabern zwischen 2 und 6 Uhr in der Früh geschlossen. Anders als in den drei Jahren zuvor .

Kaum Bewilligungen

Die kantonale Volkswirtschaftdirektion bleibt bei den Aussagen, mit denen sie schon Anfang Woche das Verbot begründet hat. Das Gesetz lasse grundsätzlich keinen Nachtverkauf zu. Ausnahmen seien zwar möglich, würden aber restriktiv und in der Regel nur einmalig gewährt. Der Grund könnten besondere Ereignisse wie ein Firmenjubiläum sein. Oder äussere Einflüsse, die wie bei der Bäckerei Aegerter massive Einbussen zur Folge hätten.

Warum es in dieser Situation zum mitternächtlichen CD- und Handyverkauf kommen konnte, muss die Volkswirtschaftsdirektion offen lassen. Entsprechende Bewilligungen seien in den letzten zehn Jahren nie ausgestellt worden. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass es Aufgabe der Gemeinden sei, die Geschäftszeiten zu überwachen und allfällige Verstösse festzustellen. Sie seien ja viel näher am Ort des Geschehens.

Offziell abgesegnet habe die Verwaltung neben Aegerters bisherigen drei Festivalverkäufen übrigens nur noch die Harry-Potter-Aktion.

In einem Graubereich

Die Bäckereibranche, in der Nacht für Nacht produziert und damit ohnehin gearbeitet wird, gerät immer wieder in Konflikt mit der gesetzlich so vorgegeben Ladenöffnung. Für Schlagzeilen sorgte Anfang 2001 die Bäckerei Felber in Langenthal.

Über Jahre hinweg hatte sie die Nachtschwärmer mit frischer Ware direkt aus der Backstube versorgt – bis die Lärmklagen aus der Nachbarschaft überhand nahmen. Die Gemeinde schritt ein und setzte der Tradition, die vielen lieb geworden war, ein abruptes Ende.

So werde dem Gesetz Genüge getan, sagten die Behörden zum Verbot. Gleichzeitig machten sie damit indirekt auch klar: Mit dem Verkauf über die Gasse hatte sich die Bäckerei Felber juristisch mehr als in einem Graubereich bewegt.

Im aktuellen Fall machte die Bäckerei Aegerter bereits mehrfach klar, dass sie den Kampf für den diesjährigen vierten Festivalverkauf mit der Unterstützung ihres Branchenverbandes führt. Sie tat dies nicht zuletzt mit Blick darauf, dass sie das Nein des Kantons wohl noch vor Verwaltungsgericht anfechten wird. Dessen Urteil wird für das diesjährige Festival zwar zu spät kommen, kann dafür aber wegweisend für die Zukunft sein.

Der Verband selber will sich allerdings im Moment nicht festlegen, ob er dann tatsächlich noch dabeisein und so einen juristischen Präzendenzfall schaffen will.

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