Das Warmbächli zieht Genossenschaften an

Bern

Die 250 Wohnungen, die am Berner Warmbächliweg entstehen sollen, müssen zur Hälfte von gemeinnützigen Wohnbauträgern gebaut werden. Geht es nach den interessierten Genossenschaften, werden es noch mehr.

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Christoph Hämmann

Die Überbauung auf den Trümmern der alten Kehrichverbrennungsanlage (KVA) am Warmbächliweg ist ein Meilenstein für Berns Wohnbaupolitik. Dies sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) im Juni 2012, nachdem das Stimmvolk dem Zonenplan Warmbächliweg-Güterstrasse mit 85 Prozent zugestimmt hatte.

Damit war der Weg frei für den Bau einer Siedlung mit 250 Wohnungen sowie Arbeits- und Freizeitnutzungen, die auch das ehemalige Lichtspiel an der Bahnstrasse 21 und den Industriebau an der Güterstrasse 8 umfasst. Drei Monate später stimmte die Bevölkerung dem Erwerb des KVA-Areals für 15,9 Millionen Franken durch die Stadt zu, nachdem es Energie Wasser Bern von Altlasten befreit und zurückgebaut haben wird (siehe auch Box Rückbau).

«Wir sind in der Pole-Position und wollen dies nutzen»

Der Gemeinderat gab dem Projekt die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft vor, und das Stadtparlament setzte auch bei den Projektpartnern einen Meilenstein: Die Hälfte der Wohnfläche soll an gemeinnützige Wohnbauträger gehen. Wenn es nach den Wohnbaugenossenschaften ginge, die sich für einen Teil des Warmbächlis interessieren, liesse sich sogar eine Quote von 100 Prozent erreichen, wie Jürg Sollberger bestätigt, der Präsident des Regionalverbands Wohnbaugenossenschaften.

«Die Chance, endlich wieder einmal auf einem städtischen Terrain gemeinnützigen Wohnraum realisieren zu können, hat eine grosse Dynamik ausgelöst», sagt er. Neben den bekannten gemeinnützigen Wohnbauträgern sei mit der Wohnbaugenossenschaft Warmbächli eine grosse und engagierte Partnerin dazugekommen, die sich für die Überbauung Warmbächli neu gebildet hat.

Derzeit liefen «sehr gute Verhandlungen mit der Stadt», sagt Sollberger. Die Stadt sei offen für einen Anteil gemeinnütziger Wohnbauträger, der 50 Prozent übersteigt – wenn es diese schafften, die finanziellen Vorgaben zu stemmen. «Derzeit klärt die Stadt die Höhe der Infrastrukturkosten ab», sagt Sollberger, danach werde für diese ein Verteilschlüssel ausgehandelt. Dann erst können die interessierten Genossenschaften sagen, ob ihre Rechnung aufgeht und wie viele Baufelder sie übernehmen können.

«Es ist klar, dass wir bei einem solchen Leuchtturmprojekt preisgünstige Wohnungen bauen wollen und müssen deshalb genau auf die Landbelastung schauen», sagt Sollberger. Vorderhand freut er sich, dass die Stadt noch keine Baufelder ausgeschrieben hat, weil sie den Genossenschaften in den Verhandlungen ein Vorrecht einräume. «Damit sind wir in der Pole-Position und versuchen alles, diese Chance zu nutzen.»

«Die Ausgangslage ist klar: Der Fonds will 1 Million»

Die Stadt zeigt sich tatsächlich offen für einen höheren Genossenschaftsanteil als vorgegeben. «Die Verhandlungen könnten durchaus in die Richtung gehen, dass mehr als 50 Prozent an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben werden», sagt Fernand Raval, Leiter Immobilien Bern. Die Ausgangslage sei klar, ergänzt er: «Der Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik erwartet, einen Baurechtszinsertrag von 1 bis 1,3 Millionen Franken jährlich.»

Laut Raval ist das Vergabeverfahren «bereits weit fortgeschritten». Ein Abschluss mit gemeinnützigen Wohnbauträgern solle bis zu den Sommerferien erfolgen. Falls diese nicht die gesamte Überbauung tragen können, müsste die Stadt wohl nicht lange nach profitorientierten Bauträgern suchen. «Das Interesse der Investoren ist gross», bestätigt Raval. Eine Zuteilung könne aber erst nach Abschluss der Verhandlungen mit den gemeinnützigen Wohnbauträgern erfolgen.

Alle Bauträger müssen Wettbewerbe durchführen

Grundsätzlich sei das Projekt Warmbächli auf Kurs und im Zeitplan, heisst es bei der Stadt. Ende 2012 wurde ein städtebauliches Konzept ausgezeichnet, das der Überbauung gestalterische Leitplanken setzt. Nach Vorliegen des Entwicklungsplans solle das «qualitätssichernde Wettbewerbsverfahren» konzipiert werden, das die künftigen Bauträger nach Abschluss der Reservationsvereinbarung mit der Stadt durchzuführen haben.

Der nächste Meilenstein für Berns Wohnbaupolitik steht im Mai an. Dann stimmt Bern über eine Initiative ab, die fordert, dass bei Um- und Neueinzonungen ein Drittel des neu erstellten Wohnraums von gemeinnützigen Bauträgern erstellt oder nach preisgünstigen Kriterien erstellt und in Kostenmiete vermietet wird.

Berner Zeitung

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