«Das Tram wird nicht am Bahnhof wenden»

Bern/Ostermundigen

Frühestens in neun Jahren rollt das Tram von Bern nach Ostermundigen. Bernmobil-Direktor René Schmied über die geplante Wendeschlaufe und über den Bahnhof Ostermundigen.

Nach dem Ja zum Tram Bern–Ostermundigen kann Bernmobil-Direktor René Schmied das Projekt endlich wieder in Angriff nehmen.

Am Sonntag sagte der Kanton Bern Ja zum Tram Bern–Ostermundigen. Wie haben Sie an diesem Freudentag gefeiert?René Schmied: Ich war zusammen mit den Trambefürwortern im Rathaus. Als klar war, dass es ein Ja geben wird, war die Freude gross.

Wie geht es nun weiter? Nach dem Nein zum Tram Region Bern vor drei Jahren wurden die Arbeiten weitestgehend sistiert. Nur punktuell führten wir die Planung zum Thema Wendeschleife und Bahnhof Ostermundigen auf Sparflamme weiter. Nach dem Ja vom Sonntag wird die Projektorganisation wieder hochgefahren. Wir werden uns mit den Behörden in Ostermundigen und in der Stadt Bern sowie dem Kanton und den Planungsbüros zusammensetzen. In den nächsten Wochen können wir das Projekt wieder in Angriff nehmen und erste Aufträge koordinieren und verteilen.

Gibt es weitere Buslinien, die man durch ein Tram ersetzen könnte? In den nächsten Monaten erwarten wir Resultate der Zweckmässigkeitsbeurteilung Wyler-Länggasse, da dort Kapazitätsprobleme bestehen. Hier hat der Kanton den Lead. Die Kampagne des Pro-Komitees zum Tram Bern–Ostermundigen hat es gezeigt: Wir wollen den richtigen Verkehrsträger am richtigen Ort. Das muss nicht überall ein Tram sein. Auf der Linie 21 nach Bremgarten sollen in Zukunft Gelenkbusse anstelle von Standardbussen verkehren. Auf anderen Linien können wir den Takt verdichten.

In welchem Perimeter soll das neue 10er-Tram wenden? Es gibt verschiedene Varianten, die in die politische Mitwirkung gehen werden. Dabei sollen auch die direkt betroffenen Leute ihre Wünsche äussern können. Klar ist, dass das Tram mindestens bis zum Coop in Ostermundigen bei der Kreuzung Bernstrasse/Rütistrasse fahren muss. Das ist technisch von den Steigungen her ­ohne weiteres machbar.

Wie wird die Rüti erschlossen? Braucht es einen Shuttlebus? Auch hier wird es mehrere Varianten geben, welche in eine politische Mitwirkung gehen werden. Zur Diskussion stehen zum Beispiel ein Shuttlebus oder ein Ortsbus, der zwischen Ostermundigen und der Rüti verkehrt.

Auch ein Pilotversuch für einen Bus zwischen Breitenrain, Guisanplatz und Ostermundigen steht zur Debatte. Der Kanton Bern wird diese Linie im August als Versuchsbetrieb ausschreiben. Der Bus wird aber nicht auf die Rüti fahren.

Der Bahnhof Ostermundigen soll umgebaut werden. Was ist hier konkret geplant? Dieser Umsteigeknoten ist sicher eines der wichtigsten, aber auch aufwendigsten Teilprojekte. Der Bahnhof soll behindertengerecht und komfortabler werden. Die Tramhaltestelle wird direkt in der Unterführung entstehen. Der Tunnel wird dafür praktisch doppelt so breit sein. Via Aufgänge gelangt man von der Haltestelle direkt auf die Perrons. Wir stehen hier bei der Planung mit den SBB in engem Kontakt.

Was geschieht mit Leuten, die ihr Land nicht abtreten wollen? Aus dem alten Projekt zum Tram Region Bern sind noch Einsprachen hängig. Wir werden nun mit den Einsprechenden zusammensitzen. Es ist unser Ziel, sämtliche Einsprachen einvernehmlich zu bereinigen, damit das Bundesamt für Verkehr das Projekt ohne Behandlung von Einsprachen genehmigen kann. Ausserdem ist es unser Ziel, dass es zu keinen Enteignungen kommen wird.

Wer hat den Lead bei der Projektierung und beim Bau der Tramstrecke? In den letzten Monaten und Jahren war ein Lenkungsausschuss verantwortlich. Bernmobil hat den Lead und arbeitet dabei eng mit den anderen Bauherren, dem Kanton, der Stadt Bern und der Gemeinde Ostermundigen zusammen. Experten unterstützen uns dabei.

Somit wird Bernmobil die Arbeiten ausschreiben? Ja, gemeinsam mit den anderen Bauherren. Wir machen jetzt das Projekt technisch fertig. Danach folgt das Plangenehmigungsverfahren. Im besten Fall liegt in drei bis vier Jahren das bewilligte Projekt vor. Erst dann kommt es zur Ausschreibung der Arbeiten.

Wie setzen sich die Kosten von fast einer Viertelmilliarde zusammen? Müssten wir nur Schienen und Oberleitungen bauen, würde das Projekt nicht so viel kosten. Hinzu kommen aber auch die Sanierung der Werkleitungen und Strassen sowie weitere Arbeiten, etwa die Gestaltung von Plätzen.

Und dann braucht es noch neues Rollmaterial. Neue Trams müssen wir jetzt noch gerade nicht bestellen. Wir werden das Blaue Bähnli und die alten Vevey-Trams bis etwa 2024 ersetzen müssen. Somit machen wir so oder so eine Ausschreibung für neues Rollmaterial. Die grössere Bestellung mit den zusätzlichen Trams für Ostermundigen hat einen positiven Effekt auf die Kosten. Im nächsten Jahr soll die Ausschreibung erfolgen.

Wo wird das 10er-Tram in der Stadt Bern wenden? Im Westen des Bahnhofs ha­ben wir mit dem 3er-Tram ak­­tuell eigentlich einen Tramast zu viel. Dieser wendet momentan beim Bahnhof. In Zukunft können wir also das Ostermundiger Tram mit einem Tram im Westen ver­binden. Mit welchem Ast wir das neue Tram verketten werden, ist noch offen. Das ist ein Teil der Netzstrategie. Das neue Tram wird aber kaum ins Weissenbühl fahren, sondern eher in Richtung Westen. Klar ist heute einzig, dass es nicht am Bahnhof wenden wird, sondern als Durchmesserverbindung weiterfährt.

Wie wird Köniz in Zukunft ­erschlossen? Der Takt wird Ende 2019 im engeren Stadtbereich von 3 Minuten auf 21/2 verdichtet. Mittel- und langfristig gibt es noch keine Lösung, wie Köniz künftig erschlossen wird. Ich gehe davon aus, dass man auf dem politischen Weg eine neue Zweckmässigkeitsbeurteilung machen muss.

Wann könnte das Tram im ­besten Fall rollen? Wenn alles gut läuft, rechnen wir 2022 mit dem Spatenstich. Die Bauzeit beträgt rund fünf Jahre. Den Betrieb könnte man somit 2027 aufnehmen.

Welchen Einfluss hat das neue Tram auf die Buslinie 12? Die Trolleybuslinie 12 wird verlegt. Sie wird nicht mehr durch die Markt- und Spitalgasse fahren, sondern neu anstelle der Buslinie 10 über den Bundesplatz geführt. Da die neuen Trolleybusse Teilstrecken ohne Fahrleitung zurücklegen können, braucht es vor dem Bundeshaus keine baulichen Massnahmen. Der 12er-Bus wird dann nicht mehr in die Länggasse fahren. Geplant sind neue Linienverknüpfungen.

Ist eine zweite Tramachse noch ein Thema? Eine zweite Achse hat mit dem Tram Bern–Ostermundigen nichts zu tun. Für eine zweite Tramachse brauchte es einen politischen Willen, vor allem seitens der Stadt.

Zum Schluss die Frage aller Fragen: Warum fahren Busse und Trams einem eigentlich immer wieder direkt vor der Nase weg? Das ist nur Ihr Eindruck, Sie kommen einfach immer zu spät. (lacht) Im Ernst: Das ist natürlich keine Absicht. Meist ist es einfach so, dass weitere Busse und Trams sogleich folgen. Irgendwann muss man die Türen schliessen. Am Abend, wenn der Takt nicht mehr so dicht ist, haben unsere Fahrerinnen und Fahrer aber eine klare Anweisung: Warten, wenn jemand zum Tram oder zum Bus rennt.

Berner Zeitung

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