Das Tonstudio im Kino ist bedroht

Ostermundigen

Im ehemaligen Kinogebäude neben dem Gasthof Bären in Ostermundigen vertont Felix Bussmann Kinofilme. Das schweizweit grösste Tonstudio muss weichen, wenn das Areal überbaut wird. «Meine Existenz ist bedroht», sagt Bussmann.

Felix Bussmann in seinem Studio im früheren Kinosaal: Hier wurden schon viele Schweizer Filme vertont.

Felix Bussmann in seinem Studio im früheren Kinosaal: Hier wurden schon viele Schweizer Filme vertont.

(Bild: Urs Baumann)

Es ist dunkel im Saal. Auf der Leinwand erscheint ein Blumenladen, durch die offene Tür tritt Matthias Gnädinger. Er kauft einen Blumenstrauss. Alles bleibt stumm. Erst als Tonmeister Felix Bussmann auf eine Taste drückt, wird der Ton hörbar:

keine Worte, nur Schritte, Rascheln des Blumenpapiers, Strassengeräusche, ein Vogel pfeift, eine Veloklingel ertönt.Genau das entsteht hier. In den Sound-Design-Studios wird die Tonspur von Kinofilmen produziert.

Vor kurzem hat Bussmann den Streifen «Der letzte Sommer» vertont, der nächstes Jahr ins Kino kommt. Es ist der letzte Film mit Matthias Gnädinger.

Auch George Lucas war da

Das Studio steht in Ostermundigen. Am Schermenweg 194 war schon fast alles zu Gast, was in der Filmwelt Rang und Namen hat, Regisseure wie Fredi M. Murer oder Markus Imhoof, Schauspieler, Produzenten. Sogar der grosse George Lucas machte schon die Aufwartung, um das Tonsystem zu inspizieren.

Der barackenähnliche Bau hinter dem Gasthof Bären war einst das Kino Sonor. «Filmhaus» hiess das Gebäude auch, weil es lange Zeit Sitz der Schwarz Film AG war. Das Filmlabor war spezialisiert auf die Entwicklung von Kinofilmen, Negativschnitt und Positivherstellung. 2011 machte der Betrieb aus finanziellen Gründen dicht, nicht zuletzt wegen der Digitalisierung des Kinofilms.

Es war die Chance für Felix Bussmann. Der frühere Angestellte übernahm das Studio, brachte es technisch auf den neusten Stand und arbeitete an Kinofilmvertonungen. «Die Schweizermacher», «Mein Name ist Eugen» und «Vitus» waren schon dort bearbeitet worden, später folgten weitere, zum Beispiel «Dr Goalie bin ig».

Doch die Zukunft für Bussmanns Tonstudio ist ungewiss. «Es wird immer nur über den Bären gesprochen», ärgert er sich. Dabei sei das Tonstudio genauso betroffen. Das in die Jahre gekommene Gebäude soll wie der Bären abgerissen werden. «Sobald auf dem Areal gebaut wird, kann ich vergessen, hier zu arbeiten», sagt er.

Vom Hochhaus bedrängt

Als Bussmann Anfang 2011 die Räume übernahm und einen technischen Umbau vornahm, seien die Pläne fürs Bären-Areal noch nicht bekannt gewesen. «Wir nahmen an, dass es noch Jahre dauern würde, bis gebaut wird.»

Doch nun wird das Zentrum Bären mit dem Hochhaus aktuell. Er wisse nicht, was er tun werde, wenn die Baumaschinen aufführen, sagt der Tonmeister. «Ich müsste einen grossen Raum finden wie hier, um dieselbe Qualität produzieren zu können.»

Am Schermenweg belegt er nicht nur den ehemaligen Kinosaal, sondern auch zwei kleinere Studioräume, eine Sprecherkabine und einen Technikraum. Vor dem sechs Meter breiten Mischpult stehen zudem Geräte und Einrichtungen zur Tonproduktion.

Ein alter Kühlschrank wird fürs Geräusch von Autotüren benützt, eine Autotüre für Blechgeräusche. Und im Boden gibt es Abteile mit Kies, Sand und Steinplatten, wo Schritte aufgenommen werden.

Der ganze Raum, 150 Quadratmeter Fläche, «schwebt» sozusagen im Gebäude, weil er auf Federn gebaut ist. So dringen keine Erschütterungen von draussen hinein. Für die schallschluckende Einrichtung hat Bussmann eine halbe Million Franken investiert.

Aus diesen Gründen hat Bussmann Einsprache gegen die Planung des Bären-Areals gemacht. «Meine Existenz ist bedroht. Ich kann nicht einfach irgendwo anders hinziehen», sagt der 45-jährige Familienvater.

Es bleibt ihm nur, die Abstimmung zur angepassten Überbauungsordnung abzuwarten. Und die Hoffnung, dass es danach noch länger dauert, bis das Bären-Areal überbaut wird.

Berner Zeitung

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