Das Streiken in der Frauenklinik ist eine Herausforderung

In der Frauenklinik des Inselspitals arbeiten 218 Pflegefachpersonen und Hebammen. 217 davon sind Frauen.

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Michael Bucher@MichuBucher

Der Fall ist klar: Würden sie alle heute streiken, wäre ein Funktionieren der Patientinnenbetreuung undenkbar. Es gibt wohl kein anderes Berufsfeld, bei dem die Abwesenheit von Frauen dermassen verheerend wäre, wie in der Pflege. Neben dem hohen Frauenanteil geht es hier schliesslich um die Gesundheit von Patientinnen.

“Die Leitung der Insel Gruppe und die Klinikleitung unterstützen die Anliegen der Gleichstellung aktiv”, schreibt die Kommunikationsabteilung. Auf dem Campus des Inselspitals seien deshalb diverse Aktionen bewilligt worden. Diese sind am Freitagmittag gut sichtbar.

Vor dem Haupteingang schenken Pflegefachfrauen und Hebammen einen “Streik-Sirup” aus und in den Gängen der Klinik sind Frauenstreik-Plakate aufgehängt. Auch hier dominiert die Farbe Violett. Die meisten Mitarbeiterinnen tragen ein violettes T-Shirt, auf dessen Rückseite die bestechende Botschaft steht: “Ohne Frauen, keine Klinik”.

Aber eben, streiken ist hier schwierig. “Das Wohl der Patientinnen kommt immer an erster Stelle” hört man unisono bei den Mitarbeiterinnen. “Man kann bei uns nicht von einem eigentlichen Streik reden, viel mehr geht es uns darum, dass wir ein Zeichen setzen”, sagt Edith Gabriel. Sie ist die Leiterin des Pflegedienstes der Frauenklinik.

“Bezüglich Gleichstellung hat unsere Gesellschaft aber auch die Insel Gruppe noch einiges zu tun”, hält sie fest, um jedoch anzufügen, dass das Thema auf strategischer Ebene der Insel Gruppe bereits angekommen sei. Wichtig sei, dass das Thema Hand in Hand mit der Unternehmensleitung angegangen werde. “Auch wir Frauen sind in der Pflicht.”

Zumindest bis 15.30 Uhr herrscht in der Klinik “courant normal”. Danach werden Sprechstunden eingestellt und ein Teil der Mitarbeiterinnen marschiert los Richtung Bundesplatz, um am Streik teilzunehmen. Sie tun dies ausserhalb der Arbeitszeit. Der stationäre Betrieb läuft indes ganz normal in Vollbesetzung weiter. “Während einer Geburt etwa läuft sicher niemand davon”, sagt Edith Gabriel.

Die Pflegefachfrau Susanne Boog wird zwar um 16 Uhr mit ihren Kolleginnen Richtung Bundesplatz marschieren, bis dahin ist es für sie jedoch ein Arbeitstag wie jeder andere. “Speziell ist einzig, dass wir häufig von Patientinnen zum Thema angesprochen werden”, sagt sie, die heute ein violettes Halstuch und ein Frauenstreik-Sticker trägt.

“Wir wollen auch auf die Situation unserer Patientinnen aufmerksam machen”, sagt Beatrice Mosimann. Sie ist leitende Ärztin in der Frauenklinik. Ihr persönlich wichtig sind Themen wie gemeinsame Elternzeit, längerer Vaterschaftsurlaub, Schwangerschaften, die Frauen beruflich “ausbremsen” würden - aber auch Gewalt an Frauen. Deshalb findet auch sie sich um 16 Uhr vor dem Eingang ein, um mitzulaufen.

Berner Zeitung

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