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«Das Sortenkarussell dreht sich heute immer schneller»

Der Obstexperte Jürg Maurer beschäftigt sich mit der Sortenerhaltung im Kanton Bern. Er erzählt von den beliebtesten Apfelsorten und von solchen für Allergiker.

Jürg Maurer vom Inforama Oeschberg ist ein Apfelspezialist.
Jürg Maurer vom Inforama Oeschberg ist ein Apfelspezialist.
Christian Pfander

Herr Maurer, in der Schweiz gibt es um die tausend Apfelsorten. Warum finden wir bei den Grossverteilern höchstens fünf davon?

Jürg Maurer: Es ist wohl auch ein Platzproblem, denn in den Läden liegen ja auch Birnen, Zwetschgen, Beeren und all die exotischen Früchte wie Mangos und Bananen. Der Apfel ist ein Produkt unter vielen. Zudem ist der Apfelkonsum eher rückläufig.

Gibt es bei den Äpfeln auch Trends?

Ja, es gibt einen Trend zu sogenannten Clubsorten wie Jazz, Pink Lady und Diva.

Was ist eine Clubsorte?

Das ist eine Sortenzüchtung, für die die Produzenten eine Exklusivlizenz benötigen. Die Inhaber einer solchen Lizenz sind dann verpflichtet, die ganze Ernte über einen bestimmten Kanal zu vermarkten. Durch den Marketingaufwand und die Exklusivität werden solche Clubsorten teurer angeboten als Standardsorten.

Clubsorten kommen auf den Markt, alte Sorten verschwinden. Warum ist das so?

Das ist ein Verdrängungswettbewerb. Neue Sorten haben Eigenschaften, die sich vorteilhaft auf den Verkauf und die Produktion auswirken. Einige alte Sorten findet man nach wie vor im Detailhandel. Aber sie werden mit der Züchtung laufend weiterentwickelt, so sind sie resistenter gegen Krankheiten und/oder können besser gelagert werden.

Wie entstehen neue Sorten?

Auf Grundlage der erwünschten Eigenschaften wählt der Züchter zwei Elternbäume aus. Blüten der Sorte A, werden im Frühling per Pinsel mit der Sorte B bestäubt. Von diesen Früchten nimmt man dann Kerne und sät diese aus. Ob die erwünschten Eigenschaften übernommen wurden, sieht man erst später. Beispielsweise Ladina ist eine neuere gelungene Schweizer Züchtung.

Könnten dabei allergene Stoffe verschwinden? Immer mehr Menschen leiden an Apfelallergie.

Für Allergien ist ein Protein verantwortlich. Es scheint, dass gewisse ältere Sorten weniger Allergene enthalten oder dass diese durch andere Inhaltsstoffe neutralisiert werden.

Was empfehlen Sie Allergikern, bis diese Sorten hier erhältlich sind?

Dass sie Birnen essen sollen oder es mit alten Sorten versuchen. In Deutschland wurden vom Bayrischen Obstzentrum Sorten entwickelt, die auch Allergiker geniessen können: Gräfin Goldach und Sonnenglanz etwa. Diese werden auch schon in der Schweiz angebaut. Sie werden schon nächstes Jahr im Handel sein.

Gala steht ja auf der Beliebtheitsskala zuoberst, gefolgt von den Golden.

Die Beliebtheit von Gala nimmt derzeit eher ab. Zudem gibt es regionale Unterschiede und auch bei den Generationen. Junge Leute lieben knackige, säuerliche Äpfel; ältere eher süsse, weichfleischige.

Aber in den Läden sind meistens nur die beliebtesten Äpfel vorhanden. Alle reden von den guten alten Sorten. Werbung dafür gibt es nicht, und sie sind auch schwer erhältlich.

Tatsache ist, dass sich das Sortenkarussell heute schneller dreht. Marketing wird vor allem für die Clubsorten betrieben, deshalb sind sie ja auch teurer als andere Äpfel. Aber der Schweizer Obstverband hat eine neue Werbekampagne für CH-Obst in Vorbereitung.

Jürg Maurer (59) ist im Inforama Oeschberg in Koppigen für den Fachbereich Spezialkulturen zuständig. Er ist Experte für Obst, Beeren und Rebbau.

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