Das Rennen zwischen Bern und Zürich geht auf die Zielgerade

Bern

Nächste Woche fällt der Entscheid, ob Bern oder Zürich die Rad-WM 2024 austragen darf. Derweil kursieren Gerüchte, dass Bern keine Chance habe. Der Geschäftsführer von Swiss Cycling kann dies nicht bestätigen.

2024 könnten wieder Radstars nach Bern kommen.<p class='credit'>(Bild: Franziska Rothenbühler)</p>

2024 könnten wieder Radstars nach Bern kommen.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christoph Hämmann

Tour de Suisse, Radquer-Weltcup, Tour de France: In den letzten Jahren schaute die Radsportwelt regelmässig nach Bern. Die Dimension der Rad-WM 2024 aber – ein achttägiger Event mit 1000 Fahrerinnen und Fahrern, 700 Medienschaffenden und rund 700000 Zuschauern – würde alles Bisherige toppen. Hotels hoffen auf 160000 Logiernächte, die Brutto-Wertschöpfung für die Region soll bis zu 30 Millionen Franken betragen.

Die Kandidatur der Stadt Bern hat bloss noch eine Hürde zu meistern: Zürich bewirbt sich ebenfalls. Die Entscheidung zwischen den beiden Städten fällt am nächsten Mittwoch an einer Sitzung des Vorstands von Swiss Cycling. Kommuniziert wird am Morgen darauf, am Mittag findet eine ­­Medienkonferenz statt, zu der kurzfristig – je nach Entscheid – nach Bern oder nach Zürich eingeladen wird.

Das Stadtparlament hat im vergangenen Herbst einem Kredit von 3,6 Millionen Franken für den Anlass zugestimmt, wobei die Hälfte des Betrags Gebührenbefreiungen betrifft. Voraussichtlich heute berät der Grosse Rat über einen Beitrag des Kantons von 3,5 Millionen – und dürfte ihm zustimmen. Vom Bund rechnen die Organisatoren mit der gleichen Summe. Auch die Stadt Zürich wäre auf Bundeshilfe angewiesen, wie der Gemeinderat im Herbst festhielt.

Sponsoren sollen mehrere Millionen an das Budget der Rad-WM beisteuern. Sollte Bern den Zuschlag erhalten, muss nach heutigem Planungsstand aber bei budgetierten Ausgaben von 22,7 Millionen noch ein Defizit von rund 3,4 Millionen Franken ausgemerzt werden.

Gerüchte ohne Grundlage

Markus Pfisterer, Geschäfts­­führer beim Schweizer Radsportverband Swiss Cycling, hat mit seinem Team beide Städte bei der Erarbeitung ihrer Dossiers begleitet. Natürlich darf er die beiden Kandidaturen nicht gegeneinander ausspielen, doch Pfisterer wirkt glaubwürdig, wenn er wortreich beteuert, dass beide Städte mit ihren jeweiligen Organisationskomitees tolle Arbeit geleistet hätten.

«Es ist schade, dass eine Kandidatur verlieren muss», sagt Pfisterer. «Wir sind überzeugt, dass beide Städte einen tollen Event bieten würden, der acht Tage lang dem Velo eine Bühne gibt und rundherum für Feststimmung sorgt.» Beim Beginn der Kampagne für die WM 2024 vor rund fünf Jahren habe Swiss Cycling noch nicht wissen können, dass am Ende «zwei so prominente Kandidaturen» gegeneinander antreten würden. «Es war schön, mitzuerleben, wie in beiden Städten die Begeisterung stetig wuchs.»

Wichtig sei dem Verband, dass der Prozess fair, transparent und nachvollziehbar ablaufe. So werde auch der Verlierer den Entscheid akzeptieren können, hofft Pfisterer. Dass in Bern Gerüchte kursieren, wonach die Bundesstadt im Rennen gegen Zürich von vornherein keine Chance habe, nimmt Pfisterer irritiert zur Kenntnis. «Ich habe letzte Woche auch davon gehört, doch fehlt meines Erachtens dafür jede Grundlage.»

Die definitiven Dossiers seien bei Swiss Cycling erst diese Woche eingegangen, entsprechend könnte noch niemand seriöse Aussagen dazu machen. Die Bilder der letzten Jahre, als sowohl die Tour de Suisse als auch die weltweit beachtete Tour de France in Bern haltgemacht hätten, sprächen für sich: «Bern hat mehrfach bewiesen, dass die Stadt schöne Radfeste veranstalten kann.»

«Kandidatur des Herzens»

Und was ist mit Gemeinderat Reto Nauses (CVP) Aussage im Stadtrat, dass Zürich klotze, Bern dagegen «die Kandidatur des Herzens» sei? Das Budget der Zürcher Kandidatur sei ein bisschen höher, weil in einer fast viermal grösseren Stadt die ganze Rennorganisation naturgemäss teurer würde, sagt Pfisterer. Ansonsten würden sich die Kandidaturen finanziell nicht gross unterscheiden, zumal Swiss Cycling erst auf Sponsorensuche gehe, sobald der Veranstaltungsort feststehe.

Bern und Zürich scheinen also auf gleicher Höhe auf die Ziel­­gerade einzubiegen. Und wer weiss, vielleicht wird sich auch für den Verlierer – den «zweiten Gewinner», sagt Pfisterer – eine Perspektive ergeben. «Wir fänden es schade, wenn eines der Dossiers ungenutzt in der Schublade verschwände», so der Geschäftsführer von Swiss Cycling.

Berner Zeitung

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