Das Quartier bezahlt die Ladenmiete

Das Murifeld hat wieder einen Laden. Auch dank Kaffee und einer Apérokarte hat er das Zeug zum Quartiertreff.

Die Betreiberinnen und Betreiber des neuen «Ladens im Murifeld» um Corina Spaeth (oben, 4. v.l.). Foto: Raphael Moser

Die Betreiberinnen und Betreiber des neuen «Ladens im Murifeld» um Corina Spaeth (oben, 4. v.l.). Foto: Raphael Moser

Christoph Hämmann

Fast zwei Jahre lang stand die ehemalige Ängelibeck-Filiale an der Mindstrasse leer. Doch nun können die Murifeldlerinnen und -feldler wieder im Pyjama frische Gipfeli holen, Butter oder auch nur ein einzelnes Ei. Der «Laden im Murifeld» ist seit letzter Woche geöffnet, und neben Backwaren, Gemüse, Fleisch und anderen Produkten des täglichen Bedarfs führt er auch eine Getränkekarte: Kaffee, Bier oder Wein können draussen neben Olivenbäumchen oder an Tischen im einstigen ­­Bäckereibüro konsumiert werden.

Ursprünglich waren es Corina Spaeth, Bettina Brönnimann und Christina Simpson aus dem Quartier, die Mitte 2017 entschieden, ein Konzept für einen Laden einzureichen. Zuvor hatten die Mieterinnen und Mieter der städtischen Häuser im Murifeld fast einstimmig entschieden, ihren sogenannten Mieterfranken um 7 Franken zu erhöhen. Neu werden sie zusätzlich zur Wohnungsmiete 18 Franken bezahlen: 5 Franken für die Organisation des Kooperationsmodells, 4 für Siedlungsarbeit, 2 für das Kulturatelier – und 7 Franken für die Miete des Ladens. So geht das in einem Quartier, das einst mit der Stadt Bern ein Kooperationsmodell aushandelte und sich teilweise selbst verwaltet.

Zusammen mit der Stadt

«Der Wunsch nach einem Laden und Café war so gross, dass wir das unbedingt aus dem Quartier heraus stemmen wollten», erzählt Corina Spaeth. Inzwischen ist sie Teil eines rund zehnköpfigen Kollektivs, das «viele Tausend Stunden» gratis für das Projekt gearbeitet hat und sich künftig die Ladenschichten und alle anderen Aufgaben teilt.

Ein Laden- und Gastrokonzept hatte noch niemand aus der Gruppe jemals geschrieben, aber alle brachten ihre Fähigkeiten und Netzwerke mit ein, man «professionalisierte» die Beziehungen zu befreundeten Ge­müseproduzenten und Getränkelieferanten, die Kaffeemaschine übernahm man von einem Café, das schliessen musste.

Die Stadt sei erst skeptisch gewesen, sagt Corina ­­Spaeth, «doch dann ist sie schnell auf die Idee eingestiegen und den ganzen Weg mit uns gegangen». Im ständigen Austausch sei das Bau­­gesuch ausgearbeitet und die Baustelle betrieben worden, die Inneneinrichtung und den ersten Wareneinkauf finanzierte das Ladenkollektiv mit Geld, das aus Gesuchen, Spenden und einer Onlinesammelaktion zusammenkam. «Wir sind allen Spendern und dem Quartier dankbar, und natürlich hoffen wir, mit unserem Betrieb etwas zurückgeben zu können.» Der Ort habe viel Potenzial und könne zu einem Treffpunkt werden – weit über das Quartier ­­hinaus, wie die ersten Eindrücke zeigten. (hae)

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