Das Präsidium bleibt in bürgerlicher Hand

Zollikofen

Mit Daniel Bichsel wird nicht nur der SVPler, sondern auch der Einheimische neuer vollamtlicher Gemeindepräsident. In seinem Windschatten errang die Partei in der Exekutive auch gleich einen dritten Sitz.

Der Gewinner und die Verliererin strahlen um die Wette: «Ich darf dich doch auch weiterhin duzen, Herr Gemeindepräsident in spe?», witzelte Mirjam Veglio (SP) an die Adresse von Daniel Bichsel (SVP).

Der Gewinner und die Verliererin strahlen um die Wette: «Ich darf dich doch auch weiterhin duzen, Herr Gemeindepräsident in spe?», witzelte Mirjam Veglio (SP) an die Adresse von Daniel Bichsel (SVP).

(Bild: Susanne Keller)

«In der Niederlage zeigt sich die wahre Grösse»: SP-Frau Mirjam Veglio wirkte gefasst, als sie gestern Nachmittag kurz vor zwei Uhr das Gemeindehaus Zollikofen betrat. Eben war bekannt geworden, dass sie den Kampf ums vollamtliche Gemeindepräsidium verloren hatte. Gegen Daniel Bichsel von der SVP, der schon länger im Foyer der Verwaltung stand und bereits das erste Interview als Wahlsieger gab – schnurstracks ging sie auf ihn zu und gratulierte.

«Ich habe sehr gut geschlafen, nur am Samstagmorgen war ich plötzlich für kurze Zeit nervös», sagte Bichsel später zu Veglio, als die zwei vor der Verwaltung für die Fotografen posierten. Worauf sie witzelte: «Ich darf dich doch weiterhin duzen, Herr Gemeindepräsident in spe?»

Präsidium: Grosser Abstand

Nicht so sehr die Tatsache, dass der bürgerliche Finanzverwalter die linke Gemeinderätin geschlagen hatte, sorgte bei den Umstehenden für Überraschung. Sondern vielmehr die Klarheit, mit der das passiert war: Auf Bichsel entfielen 1949 Stimmen, auf Veglio 1137 Stimmen, es stand also 63 gegen 37 Prozent.

«Wir haben uns klar mehr erhofft», gab SP-Präsident Hans-Jörg Rhyn unumwunden zu Protokoll und rechnete vor, dass Veglios Anteil nur gerade der bisherigen Stärke der links-grünen Parteien entspreche. «Uns ist es nicht gelungen, Wähler über unser Spektrum hinaus zu gewinnen.» Umso erfreuter stellte auf der Gegenseite SVP-Wahlleiter Hans Peter Baumann fest, dass die Bürgerlichen genau dies geschafft hätten. «SVP und FDP legten für Bichsels Wahl zwar die Basis, ohne die Stimmen aus der Mitte hätte es zu diesem Erfolg aber nicht gereicht.»

Bichsel seinerseits bekräftigte einmal mehr, dass er den bürgerlichen Kurs von Vorgänger Stefan Funk (FDP) «kontinuierlich weiterführen» wolle. Derweil Veglio, die gebürtige Stadtbernerin, festhielt: Der Bonus des Einheimischen sei bei Bichsel wohl stärker ins Gewicht gefallen, als sie sich habe eingestehen wollen.

Gemeinderat: SVP gewinnt...

Spannend blieb bis am frühen Abend, wie sich Bichsels Wahl auf die Zusammensetzung im Gemeinderat auswirken würde. Immerhin wollten es auf der SVP-Liste die Bisherigen Joseph Crettenand und Kurt Jörg nochmals wissen. Gross war deshalb die Gefahr, dass einer der beiden dem neuen Präsidenten würde weichen müssen – es sei denn, der SVP gelänge das Kunststück, einen dritten Sitz zu machen.

Und tatsächlich schaffte sie dies, wie gut drei Stunden später feststand. Darüber war selbst Wahlleiter Baumann überrascht, zumal Bichsel ja auf der Gemeinderatsliste gar nicht angetreten war und demzufolge auch gar nicht als Stimmensammler funktionieren konnte. Dass die Präsidiumswahl dennoch ihre Wirkung entfalten konnte, mochte er aber nicht gänzlich abstreiten. Weil sie SVP-Wähler mobilisieren konnte, die, wenn sie schon zur Urne gingen, dort gleich auch die Liste für den Gemeinderat deponierten.

...zulasten der FDP

Einen Sitz verloren hat dafür die FDP, die neu nur noch mit Sabine Huber im Gemeinderat vertreten ist. Die Einbusse sei «nicht ganz überraschend» gekommen, reagierte darauf FDP-Präsident Urs Huber. Aus zwei Gründen: Zum einen habe die Partei schon vor vier Jahren den zweiten Sitz nur knapp halten können, zum andern sei heuer das bewährte Zugpferd Funk nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Keine Veränderungen gab es auf der links-grünen Seite. Die SP hielt mit der Bisherigen Mirjam Veglio und dem Neuen Peter Traber ihre Sitze, wobei Veglio mit dem zweitbesten Resultat für das verlorene Präsidium entschädigt wurde. Edi Westphale verteidigte den Sitz der GFL und erzielte annährend so viele Stimmen wie FDPlerin Huber.

Resultate Gemeindepräsident:Gewählt: Daniel Bichsel (SVP, neu, 1949 Stimmen). Nicht gewählt: Mirjam Veglio (SP, 1137 Stimmen).

Gemeinderat:SVP, gewählt:Joseph Crettenand, (bisher, 1893 Stimmen), Kurt Jörg (bisher, 1659). Ersatz: Hans Peter Baumann (849), Peter Bähler (829), Markus Burren (823).

SP, gewählt: Mirjam Veglio (bisher, 1728), Peter Traber (neu, 1221). Ersatz: Petra Spichiger (709), Philip Steiner (624), Marc Niklaus (598).

FDP, gewählt: Sabine Huber (bisher, 898). Ersatz: Markus Lötscher (486), Stefan Stock (400), Michael Krähenbühl (344), Christine Das Neves (296).

GFL plus, gewählt: Edi Westphale (bisher, 837). Ersatz: Anne-Lise Greber (387), Bruno Vanoni (387), Marceline Stettler (344), Donia Rosat (273), Patrick Lachenmeier (261).

EVP, nicht gewählt: Roland Stucki (527). CVP, nicht gewählt: Thomas Ackermann (293), Susanne Meierhans (231), Heidy Pfyl (205), Beat Waldmeier (148), Denise Mellert (130). FdU, nicht gewählt: Toni Oesch (336), Romana Wolfsberger (272).

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