Das leere Depot bleibt länger leer

Bern

Statt bald mit der Überbauung des alten Tramdepots Burgernziel zu beginnen, muss die Stadt Bern die Abgabe des Areals im Baurecht erst dem Volk vorlegen. Das ganze Projekt verzögert sich mindestens um ein Jahr.

Das alte Tramdepot kann auch nach der Schang-Hutter-Ausstellung von letztem Herbst bis auf weiteres zwischengenutzt werden.

Das alte Tramdepot kann auch nach der Schang-Hutter-Ausstellung von letztem Herbst bis auf weiteres zwischengenutzt werden.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Lange ging man davon aus, der Sommer 2014 sei der letzte des Restaurants Punto beim alten Tramdepot Burgernziel. Im Frühling 2015 begännen die Arbeiten für die Neuüberbauung mit 100 Wohnungen und grosszügigem Gewerberaum, hiess es vor zwei Jahren bei der Stadt.

Bald wurde aber klar, dass der Quartierbeiz und dem urbanen Garten auf dem gleichen Areal ein weiterer Sommer gegönnt sind. Und nun zeigen Recherchen: Es könnte sogar noch zwei Sommer dauern, ehe beim Burgernziel gebaut wird.

Denn: Erst muss das Geschäft vors Volk. Zwar will die Stadt das Land im Baurecht abgeben – weil es um ein Grundstück mit einem Verkehrswert von über 10 Millionen Franken geht, fällt das Geschäft aber in die Kompetenz des Volkes. «Es ist möglich, dass diese Volksabstimmung im Juni erfolgen kann», heisst es dazu bei Immobilien Stadt Bern (ISB).

Investoren werden nach der Abstimmung bestimmt

Die «sportliche» Planung von ISB sieht so aus: Nach der Abstimmung im Juni startet die Suche nach Anlegern, Ende Jahr werden Verträge abgeschlossen, Anfang 2016 beginnt der Abbruch der alten Gebäude. Allerdings, räumt ISB ein, basiert diese Planung auf der Hoffnung, dass es bei keinem involvierten Organ zu Verzögerungen kommt.

Kurz: Wer nicht in Superlativen denkt, muss davon ausgehen, dass sich diese Planung nicht aufrechterhalten lässt. Erster Stresstest ist der Abstimmungstermin im Juni. Während die Stadtkanzlei einige Geschäfte auflistet, über die dann abgestimmt werden soll, läuft das Burgernziel noch unter «Pipeline». Weil am Wochenende der nationalen Wahlen in der Regel nicht über städtische Geschäfte abgestimmt wird, könnte die Vorlage allenfalls erst im November vors Volk kommen.

Dass mit der Mobiliar bereits eine Investorin feststehe, wie dies das Onlineportal Journal B vermeldete, dementiert ISB. Nach der Abstimmung werde das Projekt «öffentlich ausgeschrieben und nach noch zu bestimmenden Kriterien vergeben». Es gebe aber bereits Interessenten. Zu diesen gehört die Mobiliar, bestätigt Markus Wyss, Leiter Immobilien bei der bernischen Versicherungsgesellschaft. Das Burgernziel sei ein interessanter Standort, so Wyss, doch respektiere man selbstverständlich den von der Stadt bestimmten Prozess.

Gemeinderat wollte keine fixe Quote für Genossenschaften

Wer auch immer beim Burgernziel wird bauen dürfen: Ein Drittel des Wohnraums muss gemeinnützig erstellt werden, im Gewerbeteil sind für Kleinunternehmen und Quartiernutzungen «tragbare» Quadratmeterpreise vorgegeben. Im August 2012 überwies der Stadtrat gegen den Antrag des Gemeinderats eine SP-Motion, die den Planern diese Auflagen aufs Auge drückte.

Einer der Motionäre, Rithy Chheng, reagierte am Dienstag überrascht auf die Neuigkeit, dass das Burgernziel noch einmal vors Volk kommt. Einerseits bedaure er die Verzögerung, andererseits sei er froh, dass es vorwärtsgehe, so Chheng. «Mit einem Schnellschuss ist niemandem gedient», sagt er. «Die Stadt hat eine grosse Verantwortung für eine hohe soziale Durchmischung und muss dafür sorgen, dass es beim Burgernziel auch Wohnungen gibt, die für mittlere und tiefere Einkommen erschwinglich sind.»

Auch für den Teil des Areals, der an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben wird, stehen laut ISB Interessenten bereit. Eine rollende Planung gewohnt sind die Betreiber des Restaurants Punto. «Wir bleiben bis zum unausweichlichen Ende», sagt Martin Waeber, Co-Geschäftsführer und Küchenchef. «Unser Vertrag läuft bis Ende Juni, doch nach aktuellem Informationsstand sind wir zuversichtlich, bis Ende Jahr bleiben zu können.» Vielleicht liegt sogar noch der Sommer 2016 drin.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt