Das Kunstmuseum und seine Erweiterungsposse

Bern

Mäzen Hansjörg Wyss will «an_gebaut» finanzieren – ein Bauprojekt des Kunst­museums Bern von 2006, das am Anfang einer Kette von ­gescheiterten Erweiterungen steht.

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Stefanie Christ@steffiinthesky

«an_gebaut» hört sich bekannt an? Kein Wunder: Das ambitionierte Bauprojekt ging 2006 als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervor. Damals stellte Mäzen Hansjörg Wyss dem Kunstmuseum 12 Millionen Franken für einen Erweiterungsbau und weitere 8 Millionen für Ausstellungsprojekte im Bereich der Gegenwartskunst zur Verfügung. Das Projekt «an_gebaut» des Basler Architekten Cédric Bachelard sah einen grosszügigen Betonkubus an der Rückseite des Museums vor.

Kaum hatte die Institution voller Zuversicht die Pläne für den Betonbau publiziert, trat die Denkmalpflege auf den Plan. Die Sandsteinfassade verbauen? Undenkbar! Notabene eine Fassade, die einzig von der Lorrainebrücke aus einigermassen erkennbar ist und dies auch nur in den Monaten, in denen die vorgestellten Bäume kein Laub tragen.

Als sich abzeichnete, dass «an_gebaut» nicht nur teurer als gedacht ausfallen, sondern auch zur denkmalpflegerischen Knacknuss werden würde, krebste die ­Museumsleitung zurück. Statt «an_gebaut» nahm sie nun das zweitplatzierte Wettbewerbsprojekt «Scala» in Angriff.

Dieses umfasste einen Glaskubus, der die Sicht auf die Fassade frei lassen und hinunter zu neuen Ausstellungsräumen im Aarehang führen sollte. Ein architektonisches Konstrukt, das die neuen und alten Räume über umständliche Treppen miteinander verbunden hätte (Stichwort: Barrierefreiheit!). Weil sich die geologische Beschaffenheit des Aarehangs ­wenig eignet für ein solches Bauprojekt – wie erst im Nachhinein abgeklärt wurde –, sprengte auch «Scala» bald den Kostenrahmen. Doch nicht nur die Kosten gerieten in die Schlagzeilen: Es kam zum Knatsch mit Wyss, dieser zog in der Folge das Geld für einen Anbau zurück. Warum?

Der damalige Museumspräsident Christoph Schäublin hatte das Heu nicht auf derselben Bühne wie Wyss. Erst wollte Schäublin Wyss gar nicht erst in der Jury des Architekturwettbewerbs wissen, und dann versäumte es der Ex-Rektor der Universität Bern auch noch, den Mäzen rechtzeitig darüber zu informieren, dass «an_gebaut» – Wyss’ Herzblutprojekt – zugunsten von «Scala» aufgegeben wurde. Zahlen, aber nicht mitreden: Dieses Spielchen machte Wyss nicht mit.

Was folgte, ist eine bis heute andauernde Erweiterungs­posse. Das jüngste Kapitel wurde erst diesen Sommer hinzugefügt: Eine interne Erweiterung scheiterte, weil es der Stiftungsrat des Museums – heute unter der Leitung von Ex-Post-Chef Jürg Bucher – unterlassen hatte, die Projektierungsarbeiten auszuschreiben. Stattdessen vergab er den Auftrag direkt ans Berner Architekturbüro Jordi + Partner. Dies rief die Berner Architektenszene auf den Plan. Mit Einsprachen beim Kanton, dem Hauptsubventionsgeber des Museums, wendeten sie das ­Gesamtsanierungsprojekt ab.

Berner Zeitung

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