Das Kunstjahr startet mit Downsyndrom-Ausstellung

Bern

Down­syndrom als Ausstellungs­thema, ein frischer Blick auf Ferdinand Hodler und mehr von Gurlitt: Das Ausstellungsjahr 2018 in Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee verspricht neue Einsichten.

Das Plakat zur Downsyndrom-Ausstellung «Touchdown» zeigt die deutsche Autorin Johanna von Schönfeld.

Das Plakat zur Downsyndrom-Ausstellung «Touchdown» zeigt die deutsche Autorin Johanna von Schönfeld.

(Bild: ZPK)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Aufbruchstimmung in Kunst­museum Bern und Zentrum Paul Klee (ZPK). Oder eher: Ausbruchstimmung. Im kommenden Jahr wollen die Partnerinstitutionen traditionelle Museumsmuster sprengen. Nichts gesprengt wird vorerst an der Architektur. Wie Dachstiftungspräsident Jürg Bucher an der Jahresmedienkonferenz bestätigte, haben erste Gespräche mit Hansjörg Wyss stattgefunden. Der Berner Milliardär will dem Museum 20 Millionen Franken für einen Anbau zur Verfügung stellen, wie er in dieser Zeitung publik machte. Übereilen will die Institution nach mittlerweile drei gescheiterten Erweiterungsprojekten allerdings nichts – und hält vorerst an einer nötigen Teilsanierung fest.

Downsyndrom und Fluxus

Noch unter dem Einfluss der Gurlitt-Euphorie (siehe Kasten) präsentierten die Chefkuratorinnen der beiden kooperierenden Museen am Dienstag das Programm 2018. Bereits Ende Januar steht ein erster Höhepunkt an. Mit «Touchdown» thematisiert das ZPK die Geschichte des Downsyndroms. In einer «humangenetischen Performance» können Besucher etwa Chromosomen untersuchen. Betroffene haben die Ausstellung mitgestaltet – auf kuratorischer wie auch auf künstlerischer Ebene.

Für die Schweiz ergänzt das ZPK die Schau der Bundeskunsthalle Bonn mit Werken von Schweizer Kunstschaffenden, die vom Downsyndrom betroffen sind. Ausserdem wird das Kindermuseum Creaviva, das sich bereits in der Vergangenheit des Themas angenommen hat, Arbeitsstationen einrichten und Führungen organisieren. Niederschwelligkeit wird grossgeschrieben: Alle Texte werden in einfacher Sprache verfasst.

Den Kunstbetrieb neu denken will auch das Kunstmuseum. «République géniale» beschäftigt sich mit dem Fluxuskünstler Robert Filliou. Die interdisziplinäre Schau stellt ab 17. August Künstlerkollektive vor, etwa Forensic Architecture: In der britischen Gruppe arbeiten Künstler, Architekten, aber auch Forensiker, Journalisten und Juristen zusammen. Die Schau entsteht in Zusammenarbeit mit der Dampfzentrale Bern.

Hodler und Adnan

Auf den ersten Blick klassisch wirkt der Programmpunkt Ferdinand-Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum. Doch Direktorin Nina Zimmer verspricht zum 100. Todestags keine x-te Retrospektive. Vielmehr will sie unter dem Titel «Parallelismus» ab dem 14. September Hodlers bis anhin wenig thematisierte Weltordnung untersuchen, die sich nicht nur in ästhetischer Hinsicht an Symmetrien orientierte.

Nicht an Symmetrien, aber an Paul Klee orientiert sich Etel Adnan. Die bedeutende libanesische Künstlerin wird ab Juni im ZPK mit einer Einzelschau geehrt. Es ist das erste Gesamtprogramm, das unter der Leitung von Museumsdirektorin Nina Zimmer entstanden ist. Im vergangenen Jahr hat Zimmer noch Projekte ihres Vorgängers übernommen.

Massgeblich geprägt ist das Programm zudem von der Gegenwartskuratorin Kathleen Bühler und der neuen Sammlungschefin des ZPK, Fabienne Eggelhöfer. Sie denken den Ausstellungsbetrieb weiter – im richtigen Moment, nun, da die Kunstwelt nach Bern blickt.

Berner Zeitung

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