Bern

Das Jagen wird jünger und weiblicher

BernDie Schweizer Jägerin 2018–2020 ist dieses Wochenende an der Messe Fischen Jagen Schiessen als Botschafterin unterwegs.

Schweizer Jägerin 2018–2020 Renate König möchte endlich einen Hirsch schiessen.

Schweizer Jägerin 2018–2020 Renate König möchte endlich einen Hirsch schiessen. Bild: Franziska Rothenbuehler

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Der Jäger geniesst auch heute in der sogenannten modernen Welt kein sehr hohes Ansehen und sieht sich regelmässig mit Klischees konfrontiert: alte Männer in moosgrüner Kleidung, die wahllos auf Tiere schiessen aus Spass am Töten. Voller Freude üben sie ihr blutrünstiges Hobby aus und tarnen es als Sport. – Umso überraschender ist es, wenn einem eine kleine, zierliche, pfiffig gekleidete, attraktive Frau an der Messe Fischen Jagen Schiessen an der Bernexpo entgegenkommt und sich als Botschafterin der Jagdszene vorstellt.

Renate König aus Zweisimmen möchte sich all den ­bösen Vorwürfen stellen. Sie ist die frisch gekürte Schweizer Jägerin 2018–2020 und quasi ein Aushängeschild der Schweizer Jagd an der Messe. Sie zeigt mit ihrer Erscheinung auf, wohin der Trend der Jagdszene geht. Immer mehr junge Leute und vor allem auch immer mehr Frauen interessieren sich für den Jagdsport. Sie wollen «zurück zu den Wurzeln», wissen, woher das Fleisch kommt, dass sie gerade auf dem Teller haben. «Biologischer geht es gar nicht», sagt die 36-jährige König und lacht.

Ihren Titel verdankt sie der Zeitschrift «Schweizer Jäger», der diesen Trend der Weiblichkeit bei der Jagd auch erkannt hat. «Zwanzig Prozent der Jäger in Graubünden sind mittlerweile Frauen. Im Kanton Bern sieht es ähnlich aus», sagt Kurt Gansner, Chefredaktor der Zeitschrift «Schweizer Jäger». Es sei jedoch wichtig, zu betonen, dass die Wahl zur Schweizer Jägerin kein Schönheitswettbewerb ist.

Es geht um Jägerinnen, die diese Passion leben und diese in der Öffentlichkeit vertreten. «Wir haben nie nach einer blonden und blauäugigen Schönheit gesucht», so Gansner. Es haben sich auch über 70 Jahre alte Frauen für den Wettbewerb gemeldet. Mittels Onlinevoting und fachkundiger Jury wurde dann die Siegerin gekürt. «Renate überzeugte durch ihre Bodenständigkeit und die Verbundenheit zur Natur», sagt Gansner.

Ein enormes Glücksgefühl

König geht bereits seit ihrer Kindheit mit ihren Eltern auf die Jagd. «Ich bin damit aufgewachsen, und es war für mich immer klar, dass ich den Jagdschein ­irgendwann machen werde», sagt die Pflegefachfrau. Mittlerweile ist sie seit vier Jahren aktive Jägerin, nachdem sie eine einjährige Schulung dazu in Theorie und Praxis mit anschliessender Prüfung absolviert hat.

«Das Gefühl als ich meinen ersten Rehbock geschossen habe, war unbeschreiblich», verrät König. 1000 Dinge gehen einem durch den Kopf: Fragen wie «Habe ich alles richtig gemacht?», «Ist das Tier wirklich tot?» werden gemischt mit einem enormen Glücks­gefühl.

«Es ist ein idealer Ausgleich zum stressigen Alltag mit Terminen und Verpflichtungen», findet König. Bei der Hochjagd auf Gämsen und Hirsche muss man lange verharren und die innere Ruhe finden. Man müsse voll und ganz bei der Sache sein, wenn ein Tier auftaucht. Denn innerhalb von Sekunden muss man die richtige Entscheidung treffen, weil sonst das Tier bereits wieder verschwunden ist.

«Das Erlegen macht vielleicht nur zwei Prozent des ganzen Jagdprozesses aus», so König. Es gehe nicht ums Töten, sondern um das Einssein mit der Natur. Oder auch darum, die Verantwortung zu übernehmen für jegliche Handlungen und deren Konsequenzen. «Wenn der Moment nicht stimmt, lasse ich das Tier auch gehen. Es muss passen», sagt sie weiter. Das sei für «Nichtjäger» schwer zu verstehen.

Ganz anders sei es bei der Niederjagd mit Jagdhunden, die sie regelmässig mit ihren Eltern ausübt. «Die Rehjagd machen wir mit Laufhunden. Nach dem Trieb kommt man zusammen, bespricht das weitere Vorgehen oder sitzt gemütlich am Lagerfeuer, isst etwas und tauscht seine Jagderlebnisse aus», zählt König auf.

Keine Diskriminierung erlebt

Die Jagd sei zwar nach wie vor eine Männerdomäne. Diskriminiert wurde König jedoch nie: «Es kam nie ein negativer Kommentar von einem Jäger», sagt sie. Es gehe allein um die gleiche Leidenschaft, egal ob Mann oder Frau. Gemeinsam regulieren sie den Wildbestand. «Wenn wir es nicht täten, dann täte es der Staat», so König. In ihrem Haus im Landhausstil in Zweisimmen besteht die Dekoration aus Jagdtrophäen. «Alles vom Tier wird verwendet und nichts verschwendet», versichert sie.

Fleisch kaufe sie nicht mehr in Läden, sondern ernähre sich vom Wildfleisch, das sie selber erlegt hat. «Mein Mann ist kein ­Jäger, dafür aber ein ausgezeichneter Koch», schmunzelt sie. Ihr grösster Wunsch ist es, in der nächsten Jagdsaison endlich einen Hirsch zu erlegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2018, 12:34 Uhr

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Noch am Samstag bis 18 Uhr und am Sonntag bis 17 Uhr dauert die vier­tägige Fachmesse Fischen Jagen Schiessen in der Bernexpo. Rund 200 nationale und internationale Aussteller präsentieren bereits zum 13. Mal das Neuste vom Neuen rund um die drei Themen. Auf einer Fläche grösser als drei Fussballfelder dürfen mehrere Tausend Besucher eine Showküche, Kettensägenshows, Sonderschauen zum Fischereihandwerk, Bogenschiessen oder verschiedne Wildtiere im Gehege erleben. Wegen der bunten Vielfalt der Angebote ist dieser Event nicht nur etwas für fachkundige Besucherinnen und Besucher, sondern un­terhaltsam für die ganze Familie. Ein besonderes Highlight findet heute um 14 Uhr statt: der erste öffentliche Auftritt der Schweizer Jägerin 2018–2020 Renate König aus Zweisimmen. tin

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