Das Hotel, in dem die Jazzmusik wohnt

Bern

Seit 150 Jahren steht über dem Aarehang die Innere Enge. Dort, wo Joséphine de Beauharnais, die von Napoleon geschiedene Kaiserin, ein Grand Déjeuner genoss, verkehren heute im Viersternhotel Jazzmusiker, Stadttouristen und Geschäftsleute.

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Stolz zeigt Marianne Gauer die Hotelzimmer in der Inneren Enge. Da gibt es das Oscar-Peterson- und das Louis-Armstrong-Zimmer. Auch nach Lionel Hampton ist ein Raum benannt. Für die ­Innenarchitektin Gauer ist die Zeit, als aus den grossen Sälen der Inneren Enge Hotelzimmer ­wurden, noch sehr präsent. Wie wenn das gestern geschehen wäre, weiss sie Geschichten zu erzählen.

Die neue Zeit der Inneren Enge begann 1991: Hans Zurbrügg und seine Frau Marianne Gauer übernahmen das Haus der Bernburger im Baurecht. Eine glückliche Fügung, denn Marianne Gauer ist eine namhafte Innenarchitektin, die sich auf die Gestaltung von Hotels spezialisiert hat. Hans Zurbrügg ist mit Leib und Seele Hotelier und war Trompeter in der Wolverines-Jazzband. Schnell war klar, dass aus den beiden Sälen im ersten Stock und aus dem alten Dachstock Hotelzimmer werden sollen.

«Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, weil der Denkmalschutz bestimmte Bedingungen stellte.» Marianne Gauer berichtet von der Wendeltreppe in den Dachstock, von der sie zuerst ein paar Stufen draussen im Garten habe ausstellen müssen. «Damit die Feuerwehrleute mit voller Ausrüstung testen konnten, ob die Treppe für einen Einsatz breit genug ist.» Sie war es und wurde eingebaut. 26 Zimmer sind entstanden, 15 von ihnen tragen die Namen von berühmten Jazzmusikern. Das Oscar-Peterson-Zimmer ist das grösste.

«Das konnten wir nicht kleiner machen, weil die drei ­hohen Fenster auf die westliche Gartenseite als Einheit erhalten bleiben mussten», erklärt Ma­rianne Gauer. Darum ist dieses Zimmer ein halber Saal geblieben, mit einem riesigen Himmelbett, einem Ankleideraum und einem Bad, in dem man in der Wanne liegend fernsehen kann. Geschmückt mit Bilder des Fotografen Peterson und Notenpartituren des Jazzkomponisten Peterson.

Vom Keller zum Jazzclub

«Hier kommt die Bühne hin und hier die Bar.» Als Hans Zurbrügg das sagte, stand er 1991 im alten Gewölbekeller der Inneren Enge, der auf der einen Seite mit schwerem Gerät erweitert wurde. So entstand Marians Jazzroom. «Mari» von Marianne und «ans» von Hans ist die Erklärung dieses Namens. Und er wurde gut, der Jazzroom. «Die Bedingungen für die Musiker sind fast optimal. Der Club hat eine sehr gute Akustik, es spiele sich gut hier unten», sagt Hans Zurbrügg. Er muss es wissen, denn hin und wieder bläst er im Marians selber die Trompete.

So zuletzt geschehen am Zibelemäritabend dieses Jahres. Im Marians treten in wöchentlicher Abfolge Jazzformationen auf. «Unser Memberclub hat gegenwärtig rund 1000 Mitglieder», sagt Hans Zurbrügg nicht ohne Stolz. Aber in der Inneren Enge übernachten auch Leute, die überhaupt nichts mit Jazz zu tun haben und nichts davon wissen, was im Keller so alles läuft. «Das ist die Mehrheit unserer Gäste.»

Neues Hotel gegenüber

Unter der Woche sind die beiden in der Gastgeberrolle im Hotel Innere Enge. Für Hans Zurbrügg eine wichtige Rolle, die er in anderen Hotels auch etwa vermisst. «Das Persönliche braucht es einfach», glaubt er. Die Wochenenden verbringt das Paar Marianne Gauer und Hans Zurbrügg in der Regel im Waadtland. Dort besitzen die beiden einen Rebberg. Der Epesse mit dem Namen «Vin de la Capite» wird nur im eigenen Hotel verkauft. Und vielleicht später auch im neuen Hotel auf der anderen Seite der Strasse. Denn das Paar hat Pläne.

Im Rahmen der Überbauung Viererfeld soll ein neues Hotel entstehen. «Wir haben hier einfach zu wenig Zimmer», erklärt Hans Zurbrügg. Und mit hier meint er einerseits die Innere Enge und andererseits die Stadt Bern. «In der Stadt fehlen vor allem Viersternbetten», sagt Hans Zurbrügg.

Das Jubiläum 150 Jahre Innere Enge wird in Etappen gefeiert. «Wir veranstalten in der nächsten Zeit Verschiedenes unter diesem Motto.» Etwas aber zieht sich durch: In einer Jurte im Garten werden zum Jubiläum bodenständige und währschafte Gerichte angeboten.

Berner Zeitung

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