Das Gurtenfestival machts längst vor

Köniz

Viele Städte kennen sie, doch in Köniz lässt die Pflicht zu Mehrweggeschirr an Anlässen auf sich warten. Jetzt macht die SP Druck. Schon längst auf das Konzept setzt das Gurtenfestival – freiwillig.

Schon seit über 10 Jahren?hält das Publikum am Gurtenfestival Mehrweggeschirr in den Händen – die Veranstalter führten dieses von sich aus ein.

Schon seit über 10 Jahren?hält das Publikum am Gurtenfestival Mehrweggeschirr in den Händen – die Veranstalter führten dieses von sich aus ein.

(Bild: Keystone)

Lucia Probst

Wo sich Menschen treffen, etwas essen und trinken – da entsteht Abfall. Mehr oder weniger.Die Könizer SP möchte, dass es weniger ist. Sie fordert, dass «bei Anlässen auf öffentlichem Grund» in der Gemeinde künftig Pfand- und Mehrweggeschirr verwendet werden muss. In andern Städten wie Bern, Thun oder seit kurzem auch Burgdorf ist das bereits Pflicht. Neu ist die Idee auch in Köniz nicht, sie ist ein zentraler Punkt der Abfallstrategie 2013 bis 2022. Nur: Bis jetzt ist dieser Punkt nicht umgesetzt.

«Es geht uns zu langsam», begründet SP-Fraktionspräsidentin Annemarie Berlinger den Vorstoss ihrer Partei, den das Parlament Ende April behandeln wird. «Zumal es ja nichts Kompliziertes ist.» Es sei «höchste Zeit», dass Köniz mit den andern Städten mitziehe. Noch maximal zwei Jahre will die SP dem Gemeinderat für die Umsetzung Zeit lassen.

Noch kein Konzept

Sie verstehe, dass die SP Druck mache, sagt Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne). «Wir möchten die Mehrweggeschirr-Pflicht auch.» Allerdings: Ein Konzept dafür fehlt bis jetzt. «Es ist eine Frage der Ressourcen», begründet Haudenschild dies. Ihre Leute seien sehr mit der Planung der neuen unterirdischen Abfallsammelstellen in den ­städtischen Könizer Ortsteilen beschäftigt. «Das ist weit komplizierter, als wir dachten.»

Weil diese Planung oft an weitere bauliche Projekte geknüpft sei, habe sie Priorität. Einige Eckpunkte zur Mehrweggeschirr-Pflicht hat der Gemeinderat aber bereits andiskutiert. So insbesondere die Frage, welche Anlässe darunter fallen sollen. «Wir wollen eine pragmatische Lösung», sagt Haudenschild. «Kleinere Anlässe wie Quartierfeste möchten wir ausklammern.» Es müsse eine Lösung sein, die auch von der Bevölkerung mitgetragen werde. Sicher werde man auch mit den Vereinen Rücksprache nehmen.

Ein weiterer Punkt: Der Kontrollaufwand dürfe nicht zu gross sein. «Es ist sicher nicht das Ziel, dass wir zusätzliches Personal für Kontrollen brauchen», so Haudenschild. So sei es eine Variante, die Pflicht für jene Anlässe einzuführen, die auch eine Gastro­bewilligung brauchten. «Die müssen wir sowieso kontrol­lieren.»

Einen Zeitplan für die Einführung der Mehrweggeschirr-Pflicht gibt es bei der Gemeinde nicht. Der Druck sei nicht so hoch, weil es in Köniz wenig wirklich grosse Anlässe gebe, findet Haudenschild. Es wären wohl vor allem Events auf dem Schlossareal und im Liebefeld-Park betroffen, ebenso der Wangental-Märit oder das jährliche Kürbisfest am Neuhausplatz. Bewillige man solche Veranstaltungen, brauche es schon heute zumindest ein Abfallkonzept.

Freiwillig eingeführt

Die Veranstalter des alljährlich grössten Anlasses auf Könizer Boden kümmert die ganze Debatte nicht: Sie setzen am Gurtenfestival bereits seit 2004 auf Mehrweggeschirr. Und das freiwillig, wie Festivalsprecher Simon Haldemann ausführt. «Wir waren damals das erste so grosse Festival in Europa, das von sich aus Mehrweggeschirr eingeführt hat.» Der Aufwand dafür sei kein Problem gewesen. Weit schwieriger sei es gewesen, das Festivalpublikum vom Konzept zu überzeugen. «Der Widerstand war am Anfang gross.» Rasch seien aber auch positive Rückmeldungen gekommen: «Die Leute merkten, dass das Gelände so viel sauberer war.» Der Abfallberg liess sich so auf Anhieb um die Hälfte redu­zieren.

Auch der Gemeinderat verweist darauf: Mehrweggeschirr ist ökologisch klar die beste Lösung. Bis man auch an Könizer Anlässen den Mehrwegbecher zwingend in den Händen hält, dürfte es trotzdem noch eine Weile dauern.

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