Das Gurnigelbad auf 300 Seiten

Riggisberg

Seit fast 50 Jahren ist der Rentner Christian Raaflaub fasziniert von der Geschichte des Gurnigelbads. Nach intensiver Recherche hat er nun ein 300-seitiges Buch dazu zusammengetragen.

Zufrieden: Der ehemalige Heimleiter Christian Raaflaub aus Riggisberg hat sein Buch über das Gurnigelbad nach zwei Jahren endlich fertig.

Zufrieden: Der ehemalige Heimleiter Christian Raaflaub aus Riggisberg hat sein Buch über das Gurnigelbad nach zwei Jahren endlich fertig.

(Bild: Christian Pfander)

Ein prunkvolles 240 Meter langes palastartiges Gebäude auf dem Hügel mitten im Wald. Zu seiner besten Zeit besucht von 700 Gästen im Empfangssaal aus mehr als 20 verschiedenen Ländern. Prinzessinen aus Spanien, Belgien und England treffen sich hier vor über einem Jahrhundert zum Nachmittagstee oder zu einer Runde Tennis auf einem der zwei Tennisfelder.

Andere Sportsfreunde ziehen ihre Skier die ­Piste hinauf, denn einen Skilift suchen sie vergebens. Macht nichts, an Gesundheit und Vitalität fehlt es nicht, denn die schwefelhaltige Heilquelle des «Stockbrünneli» oder die kohlensäurehaltige Eisenquelle versprechen einschlägige Kuren.

Essen auf Schienen erreicht die Hungrigen aus der Küche im Speisesaal. Der Orientexpress führt ab 1913 direkte Eisenbahnwagen zum Gurnigel, mit Halt in Thurnen und dann weiter mit der Postkutsche bis hinauf zum Kurhotel Gurnigelbad – ein Highlight der damaligen Zeit in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Faszination Gurnigelbad: Sie beschäftigt die Leute aus der Region heute noch.

Ein Buch im Hochglanzformat

So auch Christian Raaflaub aus Riggisberg. Angefangen hat alles 1969, als er mit seiner Frau und seinen drei Kindern von Saanen im Berner Oberland nach Riggisberg gezogen ist. Mittlerweile hat er ein ganzes Buch mit 300 Sei­ten über das Bad geschrieben, das demnächst in den Verkauf kommt.

«Die Erstauflage liegt beim Verlag auf. Ich hoffe auf ­interessierte Sponsoren aus der Region», erzählt der pensionierte Raaflaub. Bis jetzt hat der 79-Jährige Zusagen von den Gemeinden Riggisberg, Rüeggisberg, Rümligen und Rüschegg bekommen. Auch der Naturpark Gantrisch, in dem das Gebiet liegt, hat seine ­finanzielle Zusage erteilt.

«In der Arbeit steckt mein Herzblut.»Christian Raaflaub, Rentner

Der Gurnigel mit seiner Geschichte ist ein Interessenpunkt von vielen Parteien. Raaflaub möchte nicht für seine Arbeit bezahlt werden, sondern mit der Hilfe den Druck finanzieren. «In der Arbeit steckt mein Herzblut. Das ist unbezahlbar», sagt der ehemalige Heimleiter. Geplant ist ein Buch im A4-Hochglanzformat mit rund 300 Bildern.

Mit seiner Aussicht auf den Gurnigel konnte er nicht anders, als sich mit dem Thema rund um den Hügelzug zu befassen. «Ich habe darüber gelesen und mir seit Jahren Notizen gemacht», so Raaflaub.

Nebst seiner damaligen Arbeit als Heimleiter im Seniorenzentrum Emme in Kirchberg und im Domicil Kompetenzzentrum Demenz Oberried Belp hatte er selten Zeit, sich intensiv um das Buch zu kümmern. «Geplant hatte ich Vorträge zum Thema Gurnigelbad. Ein Freund brachte mich auf die Idee mit dem Buch», erinnert sich Raaflaub.

Postkarten aus Amerika

An seinem Werk hat er die letzten zwei Jahre intensiv gearbeitet: «Ich habe in verschiedenen Museen und Bibliotheken recherchiert», so Raaflaub. Ausserdem habe er an Auktionen Überbleibsel der Gurnigelbad-Ära ersteigert.

«Ich habe Postkarten und alte Briefe von Besuchern aus ganz Europa ergattert. Einige Postkarten stammen sogar aus Amerika», sagt Raaflaub stolz. Darunter seien beispielsweise Briefe des Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert Jeremias Gotthelf aus Lützelflüh: «Darin schreibt er seiner Frau, dass er keine Lust auf die Spaziergänge während seiner Kur hat», verrät der verwitwete Raaflaub.

Nebst Briefen und Bildern enthält das Buch Erläuterungen zu medizinischen Erfolgen der Heilquellen, Essen und Trinken, Musik, Naturpark sowie Anekdoten der damaligen Zeit. Oder: Wie das Gurnigelbad schlussendlich von der Armee in die Luft gejagt wurde.

«Das Buch ist nicht nur für Leser aus der Region gedacht. Wer historische Themen mag, wird auch auf seine Kosten kommen», ist sich Raaflaub sicher.

Vor einigen Tagen war er auf dem Gurnigel zum Essen: «Es war unglaublich, wie viele Touristen auf dem Hügel waren. Ich überlege mir, mein Buch dort im Berghaus aufzulegen.» Rund 60 Bücher sind bereits vorreserviert.

Berner Zeitung

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