«Das Grounding kostete viel Geld»

Am Mittwochmorgen hoben die ersten Skywork-Flieger wieder ab. Am Nachmittag erklärte der Chef Martin Inäbnit erstmals seit Beginn der Krise, wie er die Airline auf Kurs bringen will.

Skywork-CEO Martin Inäbnit zur gegenwärtigen Lage der Airline.
Video: Christian Häderli

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Die letzten Tage waren sehr turbulent, wie viel haben Sie überhaupt noch schlafen können?
Martin Inäbnit: Mir geht es gut, ich schlafe sowieso immer wenig. Ich bin nun dreieinhalb Jahre hier und versuche von jeher alles zu geben. Angenommen, wir wären zu Boden gegangen, hätte ich mit einem geraden Rücken hier rausgehen können. Ich hätte mir keine Vorwürfe machen müssen.

Haben Sie am Samstagabend nach dem Grounding noch an eine Rettung geglaubt?
Ich lasse nicht so schnell los, ich bin eine Kämpfernatur. Aber es gibt auch eine juristische Seite. Solange ich als Unternehmer eine realistische Chance sehe, muss ich dafür kämpfen, sonst ver­nichte ich Werte, die den Aktionären gehören. Wenn aber wirklich keine Chance mehr besteht, dann muss ich das Unterneh­men schliessen, sonst begehe ich womöglich Insolvenzverschleppung. Das ist eine ganz schmale Gratwanderung. Die einen halten das aus, andere nicht.

Wieso war es nicht möglich, den Kredit ein paar Tage früher zu ­erhalten, damit die Flieger nicht hätten unten bleiben müssen?
Wir suchen ja schon lange nach neuen Geldern. Vielleicht hat der Unterbruch zuerst passieren müssen. Das hat einen Aufschrei ausgelöst. Aber keiner hier vom Skywork-Team hat den Kopf hängen lassen. Das hat mir geholfen.

Wie viel Geld hat Skywork erhalten und von wem?
Diese Frage kommt immer, und immer ist meine Antwort gleich. Wir haben noch nie über unser Aktionariat gesprochen. Ich sage auch jetzt nicht, woher das Geld kommt, ob von einer Bank, einer Privatperson oder einem Konglomerat. Punkt, over and out.

Sind es die bisherigen Investoren aus der Region Bern?
Kein Kommentar, over and out.

War die Lösung, die Sie nun unter Dach und Fach bringen konnten, jene, die Sie schon vor dem Grounding anstrebten?
Ich kann Ihnen sagen, dass wir einen Betriebskredit erhalten ­haben. Das war unsere Absicht. Mehr möchte ich nicht sagen.

Warum die Geheimniskrämerei?
Sie müssen davon ausgehen, dass wir Stillschweigen vereinbart ­haben.

Was hat Sie das dreitägige Grounding gekostet?
Das hat uns einen Haufen Geld gekostet. Wir mussten etliche Leute umbuchen oder Ticketkosten zurückerstatten. Ich glaube aber, dass unser Ruf nicht extrem gelitten hat. Als das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Betriebsbewilligung befristet hatte, rechneten wir mit einem Shitstorm. ­Eingetreten ist aber das Gegenteil. Wir haben Hunderte von ­aufmunternden Mails erhalten. Auch das Personal hat von Kunden sehr viel Zuspruch erhalten.

Wie wollen Sie das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen?
Wir haben Kunden verärgert, die nicht fliegen konnten. Das tut mir sehr leid. Wir wollen Sie zurückholen mit einem stabilen Flugprogramm. Und wir haben etliche Massnahmen in die Wege geleitet, gute Programme und spezielle Rabattaktionen.

Was sind jetzt die dringendsten Probleme?
Unsere Herausforderungen sind unverändert. Der Markt Bern ist einfach zu klein. Wir haben aber Lösungsansätze dafür.

Welche Flughäfen haben Sie im Visier als zweite Basis? Basel?
Wir wollen uns nicht nur auf ­Basel fokussieren. Für uns kommt angesichts unserer Flotte ein Umkreis von eineinhalb bis zwei Stunden Flugzeit infrage. Gesucht sind Flughäfen, wo es keine grossen Platzhirsche hat, und Strecken, auf denen die Auslastung während des ganzen Jahres ausreichend ist. Dabei gehen wir von Flugzeugen mit höchstens 100 Sitzplätzen aus. Sonst sind wir sofort im Haifisch­becken der Billigflieger.

Bern wird aber an Gewicht verlieren, auch an Personal?
Wir fliegen jetzt von Bern nach Wien, von Wien nach Basel und das Ganze zurück. Es gäbe noch andere solche Möglichkeiten, sodass unsere Flugzeuge am Abend wieder in Bern sind. So werden unsere Crews möglichst in Bern stationiert bleiben.

Wo sehen Sie denn Wachstumspotenzial für Skywork?
Wir müssen unser Netz ausbauen. Das Beste, was jetzt ­passieren kann, ist, dass wir ­beispielsweise Strecken der zusammengebrochenen Air Berlin übernehmen können, die frei werden. Für die Lufthansa-Tochter Eurowings, die Teile von Air Berlin übernimmt, ist das Nachfragepotenzial auf gewissen Verbindungen einfach zu klein.

Sind Zürich oder Genf als neue Hubs ein Thema?
Leider sind kaum attraktive Slots verfügbar und auch relativ wenig für uns passende Strecken.

Für grosses Erstaunen sorgte, dass Adria Airways am Sonntag angekündigt hat, ab Bern ­Flüge anzubieten. Bestanden Kontakte zwischen Skywork und Adria Airways?
Natürlich bestanden Kontakte. Aber ich will jetzt keine dreckige Wäsche waschen.

Kannten Sie die Pläne von Adria Airways?
Natürlich.

Wurden Sie von Adria Airways darüber informiert?
Nein.

Sie scheinen bei diesem Thema nicht so gesprächig zu sein.
Ich möchte nicht mehr dazusagen.

Der neue Betriebskredit dient auch dazu, eine Expansions­strategie zu finanzieren. Werden Sie neue Flugzeuge kaufen?
Die letzte Dornier-Maschine mit 30 Plätzen nehmen wir im nächsten Frühling ausser Betrieb. Auf den Sommerflugplan wird eine vierte Saab 2000 mit 50 Plätzen hinzukommen. Aber auch danach muss hier einiges gehen.

Sie brauchen also neue Ma­schinen. Welche Anforderungen ­haben Sie an diese?
Wir suchen ein Flugzeug mit 70 bis 100 Plätzen. Es ist immer ein Kompromiss. Ein Flugzeug, das sich je nach Passagieraufkommen vergrössern und verkleinern lässt, ist noch nicht erfunden.

Die Arbeit bei Skywork hat Sie immer stark gefordert. Woraus schöpfen Sie Ihre Motivation, aus der Liebe zum Fliegen oder weil Sie einen Beitrag zum Wirtschaftsstandort leisten wollen?
Natürlich bin ich mit der Region verbunden. Aber primär reizt mich die Intensität meines Jobs. Ich bin ein Vollblutunternehmer.

Sie brauchen diesen Kick?
Langweilige Arbeit oder einfache Jobs habe ich nicht gerne. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.11.2017, 19:43 Uhr

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