Das grosse Feilschen um Parkplätze

Schwarzenburg

Gemäss Gesetz müssten die Parkplätze an der Ruchmühle und im Sodbach aufgehoben und renaturiert werden. Der Gemeinderat hofft auf einen Kompromiss.

Abgesperrt. Geht es nach den Naturschützern, müssen die Parkplätze bei der Ruchmühle und im Sodbach aufgehoben werden.

Abgesperrt. Geht es nach den Naturschützern, müssen die Parkplätze bei der Ruchmühle und im Sodbach aufgehoben werden.

(Bild: Stefan Anderegg)

Die Parkplätze an der Sense bei der Ruchmühle und bei der Sodbachbrücke befinden sich auf Boden der Gemeinde Schwarzenburg und sind im Besitz der Armasuisse. Weil die Armee im Sensegraben aber schon lange keine Schiessübungen mehr durchführt, benötigt sie die Plätze nicht mehr. «Gemäss Gesetz müssten sie renaturiert werden. Wir möchten aber am liebsten, dass die Plätze so bleiben, wie sie sind», sagt Martin Haller, Gemeindepräsident von Schwarzenburg (SVP).

Der Natur zurückgeben?

Dass der Sensegraben gemäss des Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzepts seit letztem Herbst als «Erholungsgebiet» bezeichnet werden darf, erachtet Haller als irrelevant. Ein Naturschutzgebiet sei unantastbar, wie es auch immer genannt werde. Deshalb ist infrage gestellt, dass die Bevölkerung im Sensegraben weiterhin parkieren kann.

Seit letztem Sommer sind die Parkplätze bei der Ruchmühle und beim Sodbach teilweise mit Baumstämmen blockiert. Wie damals Franziska von Lerber, kantonale Leiterin Fachbereich Arten und Lebensräume, sagte, geschah dies aus Gründen des Natur- und Artenschutzes.

Bei Blockaden wird es nicht ­belassen: Damit an der Sense die natürliche Gewässer- und Auendynamik wieder hergestellt wird, sollen die Plätze mittelfristig renaturiert werden. Gegen solche Massnahmen wehrt sich der Schwarzenburger Gemeinderat. Er hat bei Regierungsstatthalter Christoph Ammann (SP) interveniert, dieser versprach, sich der Angelegenheit anzunehmen.

Der Wille des Gemeinderates ist das eine, das andere ist die Gesetzgebung von Bund und Kanton. Diese verlange, dass Orte, die von der Armee nicht mehr benötigt würden, der Natur zurückgegeben würden, erklärt Martin Haller. Trotzdem hofft er auf einen Kompromiss.

Verhandlungen vorgesehen

Vorläufig bleiben die Parkplätze in der Ruchmühle und beim Sodbach erhalten. «In diesem Sommer sind noch keine baulichen Massnahmen vorgesehen», sagt Niklaus Bernhard, Mediensprecher der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion. Die Chancen, dass die Parkplätze rückgebaut und Teil des Naturschutzgebiets Sensegraben werden, sind jedoch gross.

«Wir hoffen, dass alles so bleibt, wie es ist.»Martin Haller, Gemeindepräsident

«Einige Plätze würden aber wohl bleiben», sagt Martin Haller. Nächste Woche findet ein Treffen von Vertretern der Gemeinde und kantonalen Naturschützern statt. Haller hofft, dass Lösungen gefunden werden.

Zu Fuss in den Graben

Die Badesaison steht vor der Tür. Bald werden wieder Hunderte von Menschen im Sensegraben grillieren und baden. Parkieren sie an der Strasse, büsst sie die Polizei. Das ist schon heute so. Gibt es keine Parkplätze mehr, wird die Situation eskalieren.

Was rät Gemeindepräsident ­Haller den Erholungssuchern? «Wenn alle Stricke reissen, bleibt wohl nichts anderes übrig, als bei der Pöschenanlage zu parkieren und zu Fuss an die Sense hinunterzugehen», sagt er. «Aber wir hoffen, dass alles so bleibt, wie es ist.»

Berner Zeitung

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