Münsingen

Das Freizythuus kostet die Gemeinde zu viel Geld

MünsingenDas Freizythuus bringt der Gemeinde Münsingen ein jährliches Defizit von rund 250'000 Franken. Der Gemeinderat möchte deshalb das Betriebskonzept ändern.

Das Freizythuus (links) gehört dem Altersheim Schlossgut und steht auf dem Areal des Schlosses Münsingen.

Das Freizythuus (links) gehört dem Altersheim Schlossgut und steht auf dem Areal des Schlosses Münsingen. Bild: Caroline Marti

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Im Budget 2019 der Gemeinde Münsingen sind 266'000 Franken als Defizitbeitrag für das Freizythuus eingestellt. «Bei 3850 Besuchern pro Jahr sind das rund 65 Franken Defizit pro Person, die vom Steuerzahler bezahlt werden», erklärt die grüne Gemeinderätin Vera Wenger und weist darauf hin, dass die Gemeinde beispielsweise pro Schwimmbadbesucher nur gerade 2.80 Franken Defizit übernehmen muss. Kurzum: Der Betrieb der Münsinger Freizeitwerkstätte kostet zu viel.

Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Freizythuus mit verschiedenen Massnahmen zu verbessern. Wenger betont: «Das Angebot soll weiterhin kostengünstig und niederschwellig sein, aber neue Aktivitäten bieten, um andere Besucher anzusprechen und mehr Einnahmen zu generieren.» Die Gemeinderätin stellt sich Kurse und Ateliers vor, die bei grösseren Teilen der Bevölkerung auf Interesse stossen könnten, vor allem bei den Einheimischen, denn 45 Prozent der Besucher sind Auswärtige. 

Die Angebote im Freizythuus sind seit 1967 gleich. Sie beschränken sich auf Nähen, Basteln, Schreinern und Töpfern. Erwachsene, welche die Infrastruktur nutzen, bezahlen 9 Franken, Kinder die Hälfte. Für die Nutzung von Näh- und Schreinereimaschinen muss zusätzlich ein kleiner Betrag pro Stunde entrichtet werden. Trotzdem stagniert die Besucherzahl. «Die Bedürfnisse haben sich geändert», sagt Vera Wenger.

Neue Trägerschaft 

Das Freizythuus gehört dem Altersheim Schlossgut. «Hinter der Gründung stand die Idee, dass die Bewohner des Altersheims mit ihren Enkeln dort basteln könnten», sagt Wenger. Aber das Altersheim wurde zu einer Pflegeinstitution. Keiner der Bewohner bastelt mehr im Freizythuus. Für den Gemeinderat ist es an der Zeit, am Konzept etwas Grundsätzliches zu verändern. Er könnte sich vorstellen, mittelfristig die Liegenschaft zu erwerben und auf einer neuen Basis weiterzuführen, dies für ein integratives und generationenübergreifendes kulturelles Zentrum mit einer neuen Trägerschaft. Deshalb soll nun eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die bis 2020 die Zukunft des Freizythuus klärt. «Wir wollen aber nichts überstürzen. Für 2019 bleibt alles wie bis anhin», erklärt Wenger. Die bestehenden 300 Stellenprozente sollen bis auf weiteres erhalten bleiben. 

Unterschriftensammlung

Als bekannt wurde, dass der Gemeinderat über die Zukunft des Freizythuus entscheiden wolle, kam im Dorf Unruhe auf. Einige Münsingerinnen und Münsinger waren alarmiert und tobten sich auf Facebook mit angriffigen Kommentaren aus. Sie befürchteten, dass der Gemeinderat das Freizythuus klammheimlich schliessen und damit eine bedeutende Freizeitinstitution im Aaretal ausradieren wolle. Ein Komitee lancierte eine Unterschriftensammlung, um zu erreichen, dass das Freizythuus im gleichen Stil und im gleichen Umfang wie bis anhin weitergeführt und von der Gemeinde unterstützt werde. Vera Wenger suchte das Gespräch mit den Motionären und hatte Erfolg. «Wir konnten uns verständigen. Die Initianten sehen jetzt ein, dass das nicht möglich ist. Wir haben uns gefunden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2018, 08:15 Uhr

Das Freizeitverhalten hat sich geändert

In der Region Bern gibt es nicht mehr viele Freizeitwerkstätten, eine der wenigen ist in Burgdorf. Geführt wird sie von einem Verein. Die Besucherzahlen gehen aber auch hier zurück. Dank der finanziellen Unterstützung von Stadt, Institutionen und Firmen kann der Betrieb aber weiter aufrechterhalten werden.

In der Stadt Bern existieren mehrere Freizeitwerkstätten, diejenige im Tscharnergut ist Teil des Quartierzentrums. Wegen rückläufiger Nachfrage dachten die Stadtbehörden vor fünf Jahren über eine Schliessung nach, sahen aber davon ab. Marianne Mendez vom Verein Tscharnergut sagt: «In der Politik merkte man, dass Quartierzentren wichtig sind. Zudem haben wir seit längerem zwei weitere Standbeine.» Die Werkstätte ist mit Arbeitsplätzen für Lernende gekoppelt, die eine Vorlehre machen. «Deshalb haben wir vermutlich Unterstützung», sagt Mendez. Ein weiteres Standbein sei das Ausführen bezahlter Aufträge wie etwa Schlosser-, Schreiner- oder Malerarbeiten. 

Eine weitere kleine Freizeitwerkstätte existiert seit Jahren in der Siedlung Strassweid in Mittelhäusern. Sie wird durch Mitgliederbeiträge finanziert und bietet nebst einer Werkstatt mit verschiedenen Maschinen auch Bastelkurse für Kinder an. (lfc)

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