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Das Forum verschwindet

Vor wenigen Jahren war das Forum die drittstärkste Kraft im Ostermundiger Parlament. Jetzt löst sich die Vereinigung der Parteilosen auf – aus Personalmangel.

Präsident Michael Meienhofer sah das Ende schon nach den letzten Wahlen kommen.
Präsident Michael Meienhofer sah das Ende schon nach den letzten Wahlen kommen.
Andreas Blatter

Das Ende kommt nicht aus heiterem Himmel. Bei den Gemeindewahlen vor zwei Jahren fand das Forum Ostermundigen nur noch zwei Kandidaten für das Parlament. Einer wurde gewählt, der andere nicht. Und für Parteipräsident Michael Meienhofer war schon damals klar: «Wenn wir in nächster Zeit keine frischen Kräfte finden, ist das Forum ein Auslaufmodell.»

Mittlerweile ist Meienhofer 77-jährig. Eigentlich wollte er schon länger als Präsident zurücktreten, machte dann aber weiter, damit mehr Zeit bleiben würde, einen Nachfolger zu suchen. Ein solcher fand sich nicht, weder unter den Aktiv- noch unter den Passivmitgliedern.

Alles in allem zählt das Forum heute noch rund dreissig Mitglieder und Sympathisanten, die meisten sind pensioniert. «Das ist einfach eine zu schmale Basis», sagt Meienhofer. Also hat die ausserordentliche Hauptversammlung beschlossen, das Forum Ende Jahr aufzulösen.

Von 12 auf 2 Prozent

Michael Meienhofer sieht die Sache pragmatisch. «In der Politik ist es wie im Leben: Die einen Parteien werden geboren, die andern sterben», sagt er. Geboren wurden insbesondere die GLP und die BDP, die in Ostermundigen stark zugelegt haben. «Sie haben junge Leute und neue Ideen», sagt Meienhofer. «Das ist grundsätzlich auch gut so.»

Das Forum wurde vor achtzehn Jahren als Nachfolgeorganisation des Landesrings der Unabhängigen (LdU) gegründet. Bei den Gemeindewahlen 2008 erlebte es seinen Höhepunkt, schaffte einen Wähleranteil von über 12 Prozent und errang fünf Parlamentssitze.

Damit avancierte das Forum hinter SP und SVP zur drittstärksten Kraft im vierzigköpfigen Parlament. Wie der LdU war auch das Forum in Ostermundigen oft das Zünglein an der Waage. Erfolgreich kämpfte man für die Busverbindung auf die Rüti, für mehr Lärmschutz entlang der Bahngleise und gegen die ursprünglich geplante Linienführung des Trams.

Im Sog von Walter Bruderer

Lange war Walter Bruderer der Motor des Forums: Er gründete es, engagierte sich im Parlament, schrieb politische Beiträge in der Lokalzeitung. 2012 zog sich «WB» aus Altersgründen aus der Politik zurück, und es gelang nicht, die Lücke zu schliessen. In der Folge sank der Stimmenanteil bei den Wahlen 2012 auf 7,5 Prozent, 2016 sogar auf 2,2 Prozent. Weniger Stimmen machte nur die Piratenpartei.

Für Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) ist die Auflösung des Forums «ein Zeichen der Zeit». Die Fluktuation in der Politik sei so hoch wie selten zuvor: In der laufenden Legislatur, die erst zwei Jahre alt ist, wurde schon über ein Drittel des Ortsparlaments ausgewechselt. Oder in den Worten von Michael Meienhofer: «Die Politik hat heute eine ganz andere Dynamik als noch vor zwanzig Jahren.»

Jetzt halt parteilos

Ein halbes Dutzend Forum-Mitglieder sind heute noch im Parlament, in Kommissionen und im Abstimmungsausschuss aktiv. Sie werden als Parteilose weitermachen. «Natürlich war es schön, eine Partei im Rücken zu haben», sagt Roland Rüfli, der letzte Vertreter im Parlament. Aber das politische Leben gehe weiter. Noch zwei Jahre. «Danach höre ich sowieso auf.»

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