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Das dunkle Schicksal der «Sitzenden Frau»

Bei der «Sitzenden Frau» von Henri Matisse handelt es sich um Raubkunst. Als erstes Werk aus Gurlitts Sammlung hätte das Millionengemälde jüngst an die rechtmässigen Besitzer zurückkehren sollen.

Stefanie Christ
Denkbar ist, dass die gefundenen Kunstwerke von Gurlitts österreichischem Haus in seine Münchner Wohnung gebracht wurden: Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an seinem Haus in Salzburg.
Denkbar ist, dass die gefundenen Kunstwerke von Gurlitts österreichischem Haus in seine Münchner Wohnung gebracht wurden: Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an seinem Haus in Salzburg.
dpa
Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen: Cornelius Gurlitt im November 2013.
Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen: Cornelius Gurlitt im November 2013.
Babirad Picture
Hatte den Führer höchstpersönlich mit Kunst versorgt: Hildebrand Gurlitt, Vater von Cornelius Gurlitt.
Hatte den Führer höchstpersönlich mit Kunst versorgt: Hildebrand Gurlitt, Vater von Cornelius Gurlitt.
«Das alles ist eine grosse Büberei!», rief er den Fotografen laut der «Süddeutschen Zeitung» nach: Cornelius Gurlitt beim Verlassen seines Wohnhauses in München am 12. November 2013. (Screenshot Bild.de)
«Das alles ist eine grosse Büberei!», rief er den Fotografen laut der «Süddeutschen Zeitung» nach: Cornelius Gurlitt beim Verlassen seines Wohnhauses in München am 12. November 2013. (Screenshot Bild.de)
Dukas
Reporter der französischen Peple-Presse spürten den scheuen Einzelgänger zuerst auf: Gurlitt in einem Einkaufszentrum in München Schwabing am 8. November 2013. (Screenshot «Paris Match»)
Reporter der französischen Peple-Presse spürten den scheuen Einzelgänger zuerst auf: Gurlitt in einem Einkaufszentrum in München Schwabing am 8. November 2013. (Screenshot «Paris Match»)
Dukas
Henri Matisse: Dieses Gemälde einer sitzenden Frau ist nicht im Werkverzeichnis enthalten. Das Bild dürfte Mitte der 1920er-Jahre entstanden sein. Es wurde 1942 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in einem Banktresor im französischen Libourne beschlagnahmt. Am 11. Juni 2014 wurde bestätigt, dass es sich dabei um Raubkunst aus dem Besitz des Kunsthändlers Paul Rosenberg handelt.
Henri Matisse: Dieses Gemälde einer sitzenden Frau ist nicht im Werkverzeichnis enthalten. Das Bild dürfte Mitte der 1920er-Jahre entstanden sein. Es wurde 1942 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in einem Banktresor im französischen Libourne beschlagnahmt. Am 11. Juni 2014 wurde bestätigt, dass es sich dabei um Raubkunst aus dem Besitz des Kunsthändlers Paul Rosenberg handelt.
2014 ProLitteris, Zürich
Bernhard Kretschmar, «Strassenbahn», undatiertes Aquarell
Bernhard Kretschmar, «Strassenbahn», undatiertes Aquarell
Keystone
Christoph Voll, «Sprengmeister Hantsch», Zeichnung 1922
Christoph Voll, «Sprengmeister Hantsch», Zeichnung 1922
Keystone
Christoph Voll, «Mönch», Aquarell 1921
Christoph Voll, «Mönch», Aquarell 1921
Keystone
Théodore Rousseau, «Vue de la vallée de la Seine», undatierte Zeichnung
Théodore Rousseau, «Vue de la vallée de la Seine», undatierte Zeichnung
Keystone
Otto Griebel, «Die Verschleierte», Aquarell 1926
Otto Griebel, «Die Verschleierte», Aquarell 1926
Keystone
Wilhelm Lachnit, «Mann und Frau am Fenster», Aquarell 1923
Wilhelm Lachnit, «Mann und Frau am Fenster», Aquarell 1923
Keystone
Wilhelm Lachnit, «Mädchen am Tisch», Aquarell 1923
Wilhelm Lachnit, «Mädchen am Tisch», Aquarell 1923
Keystone
Auguste Rodin, «Etude de femme nue debout, les bras relevés, les mains croisées au-dessus de la tête», undatierte Zeichnung
Auguste Rodin, «Etude de femme nue debout, les bras relevés, les mains croisées au-dessus de la tête», undatierte Zeichnung
Keystone
Conrad Felixmüller, «Paar in Landschaft», Aquarell 1924
Conrad Felixmüller, «Paar in Landschaft», Aquarell 1924
2014 ProLitteris, Zürich, Keystone
Fritz Maskos, «Sinnende Frau», Druckgrafik 1922
Fritz Maskos, «Sinnende Frau», Druckgrafik 1922
Keystone
Erich Fraass, «Mutter und Kind», Aquarell 1922
Erich Fraass, «Mutter und Kind», Aquarell 1922
Keystone
Bonaventura Genelli, «Männlicher Akt», undatierte Zeichnung
Bonaventura Genelli, «Männlicher Akt», undatierte Zeichnung
Keystone
Hans Christoph, «Paar», Aquarell 1924
Hans Christoph, «Paar», Aquarell 1924
Keystone
Ludwig Godenschweg, «Weiblicher Akt», undatierte Druckgrafik
Ludwig Godenschweg, «Weiblicher Akt», undatierte Druckgrafik
Keystone
Ludwig Godenschweg, «Männliches Bildnis», undatierte Druckgrafik
Ludwig Godenschweg, «Männliches Bildnis», undatierte Druckgrafik
Keystone
Otto Dix, «Dompteuse», Aquarell 1922
Otto Dix, «Dompteuse», Aquarell 1922
2014 ProLitteris, Zürich, Keystone
Otto Dix, «Dame in der Loge», Aquarell, 1922
Otto Dix, «Dame in der Loge», Aquarell, 1922
2014 ProLitteris, Zürich, Keystone
Carl Spitzweg, «Das Klavierspiel,» Zeichnung, um 1840
Carl Spitzweg, «Das Klavierspiel,» Zeichnung, um 1840
Keystone
Honoré Damuier, «Don Quichote und Sancho Panza», Gemälde, um 1865
Honoré Damuier, «Don Quichote und Sancho Panza», Gemälde, um 1865
Keystone
Befindet sich auf der im Internet veröffentlichten Liste: Das «Kind am Tisch» von Otto Griebels.
Befindet sich auf der im Internet veröffentlichten Liste: Das «Kind am Tisch» von Otto Griebels.
Keystone
Grosser Fund: Das bis anhin unbekannte Selbstporträt von Otto Dix wird an der Pressekonferenz den Medien präsentiert.
Grosser Fund: Das bis anhin unbekannte Selbstporträt von Otto Dix wird an der Pressekonferenz den Medien präsentiert.
2014 ProLitteris, Zürich, AFP
Von Gustave Courbets Bild «Mädchen mit Ziege» gibt es zwei Versionen, die beide im Werkverzeichnis deklariert sind. Das beschlagnahmte Bild wurde laut der Kunsthistorikerin Meike Hoffmann erst 1949 auf einer Auktion versteigert. Das Bild geriet also erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sammlung Gurlitt.
Von Gustave Courbets Bild «Mädchen mit Ziege» gibt es zwei Versionen, die beide im Werkverzeichnis deklariert sind. Das beschlagnahmte Bild wurde laut der Kunsthistorikerin Meike Hoffmann erst 1949 auf einer Auktion versteigert. Das Bild geriet also erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sammlung Gurlitt.
Eine Zeichnung von Carl Spitzweg: «Das musizierende Paar» ist eine Vorzeichnung zu einem Gemälde, das im Werkverzeichnis erfasst ist.
Eine Zeichnung von Carl Spitzweg: «Das musizierende Paar» ist eine Vorzeichnung zu einem Gemälde, das im Werkverzeichnis erfasst ist.
Marc Chagall: Gouache einer allegorischen Szene, nicht im Werkverzeichnis enthalten. Die Herkunft ist nicht eindeutig bestimmt.
Marc Chagall: Gouache einer allegorischen Szene, nicht im Werkverzeichnis enthalten. Die Herkunft ist nicht eindeutig bestimmt.
2014 ProLitteris, Zürich, AFP
Max Liebermann: Neben dem Gemälde «Zwei Reiter am Strand» wurden weitere Zeichnungen und Skizzen Liebermanns gefunden.
Max Liebermann: Neben dem Gemälde «Zwei Reiter am Strand» wurden weitere Zeichnungen und Skizzen Liebermanns gefunden.
Franz Marc: Gouache, «Landschaft mit Pferden», Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg.
Franz Marc: Gouache, «Landschaft mit Pferden», Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg.
Christoph Stache, AFP
Diese Radierung Canalettos zeigt eine Ansicht von Padua. Die Herkunft ist nicht geklärt.
Diese Radierung Canalettos zeigt eine Ansicht von Padua. Die Herkunft ist nicht geklärt.
Christoph Stache, AFP
Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens: In dieser Farbigkeit war die Druckgrafik Kirchners bisher nicht bekannt.
Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens: In dieser Farbigkeit war die Druckgrafik Kirchners bisher nicht bekannt.
Christoph Stache, AFP
Kunsthistorikerin Meike Hoffmann an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Kunsthistorikerin Meike Hoffmann an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Reuters
Meike Hoffmann vor einer Projektion eines der gefundenen Bilder.
Meike Hoffmann vor einer Projektion eines der gefundenen Bilder.
Reuters
Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz (M.), an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz (M.), an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Reuters
Über 100 Journalisten fanden sich zur Medienkonferenz ein.
Über 100 Journalisten fanden sich zur Medienkonferenz ein.
Screenshot NTV
Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Marc Müller, Keystone
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Lennart Press/Getty Images
Cornelius Gurlitt – hier das Wohnhaus von aussen – ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der die Werke in den 30er- und 40er-Jahren aufgekauft hatte.
Cornelius Gurlitt – hier das Wohnhaus von aussen – ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der die Werke in den 30er- und 40er-Jahren aufgekauft hatte.
Marc Müller, Keystone
Handelte mit «entarteter Kunst»: Hildebrand Gurlitt. Ausriss aus dem Magazin «Focus» vom 4. November 2013.
Handelte mit «entarteter Kunst»: Hildebrand Gurlitt. Ausriss aus dem Magazin «Focus» vom 4. November 2013.
Der Berner Galerist Eberhard Kornfeld hat in der Vergangenheit mit Cornelius Gurlitt Geschäfte gemacht. (Archiv)
Der Berner Galerist Eberhard Kornfeld hat in der Vergangenheit mit Cornelius Gurlitt Geschäfte gemacht. (Archiv)
Alessandro della Valle, Keystone
Bei den gefundenen Bildern handelt es sich um Werke von bekannten Künstlern: Der Maler Pablo Picasso.
Bei den gefundenen Bildern handelt es sich um Werke von bekannten Künstlern: Der Maler Pablo Picasso.
2014 ProLitteris, Zürich, Keystone
Aufgetaucht: «Die grossen blauen Pferde» von Franz Marc aus dem Jahr 1911.
Aufgetaucht: «Die grossen blauen Pferde» von Franz Marc aus dem Jahr 1911.
AKG
Max Beckmanns «Der Löwenbändiger» galt seit Jahrzehnten als verschollen.
Max Beckmanns «Der Löwenbändiger» galt seit Jahrzehnten als verschollen.
2013, ProLitteris, Zürich
Das Kölner Auktionshaus Lempertz bestätigt, den «Löwenbändiger» in eine Auktion aufgenommen zu haben. (3. November 2013)
Das Kölner Auktionshaus Lempertz bestätigt, den «Löwenbändiger» in eine Auktion aufgenommen zu haben. (3. November 2013)
Wolfgang Rattay, Reuters
Auch Kunstwerke von Henri Matisse, ...
Auch Kunstwerke von Henri Matisse, ...
2014 ProLitteris, Zürich, Keystone
...von Otto Dix...
...von Otto Dix...
Keystone
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56 × 47 Zentimeter misst sie, die «Sitzende Frau», gemalt im Jahr 1923. Ernst schaut sie aus ihrer geblümten Bluse auf die Betrachter. Ernst ist auch die Geschichte des Porträts. Denn das Gemälde von Henri Matisse (1869–1954) hängt nicht etwa in einem Museum, es lagert mit in einem Münchner Depot – zusammen mit rund 1300 weiteren Werken aus der berühmt-berüchtigten Sammlung des verstorbenen Cornelius Gurlitt. Dieser vermachte die Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Dass die «Sitzende Frau» dereinst in Bern ausgestellt wird, ist aber unwahrscheinlich. Es handelt sich um eines jener Werke, die im Verdacht der Nazi-Raubkunst stehen.

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