Dählhölzli gesperrt – Vermisster Wolf aufgetaucht

Bern

Nach dem Orkan ist das Dählhölzli-Areal aus Sicherheitsgründen gesperrt. Alle Tiere sind wohlauf, müssen aber in Provisorien verweilen, bis alles instand gestellt ist.

Seit dem Sturm Burglind vom Mittwoch wird Tierpark Dälhölzli einer der sechs Wölfe vermisst. Tierpark-Direktor Bernd Schildger nimmt Stellung.
Claudia Salzmann@C_L_A

Einen Tag nach dem Burglind-Sturm steht Direktor Bernd Schildger mit Forstarbeitern im Dählhölzliwald und mustert skeptisch einige Bäume. Die Lage im Wald war am Donnerstag unsicher, sodass das Dählhölzli-Areal gesperrt wurde. Und der Zoo, damit die Tiere zur Ruhe kommen.

Am Mittwoch wurden Gehege des Tierparks von umstürzenden Bäumen beschädigt: Der Wildschweinestall ist defekt, beim Wisentgehege sind mehrere Meter Zaun defekt wie auch die Brüstung des Stegs. Der Aussenzaun des Tierparks weist ebenfalls Schäden von umgestürzten Bäumen auf.

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Zehn Laufmeter am Bärengehege seien «wie Zigarettenpapier zusammengeknüllt» worden, erzählt Schildger. Die Wolf­anlage sei auch beschädigt, und die Tiere befänden sich in Pro­visorien. «Die Arbeiten dauern rund einen Monat», so Schildger. Die Schäden am Tierpark seien nach Burglind höher als nach dem Sturm Lothar 1999.

Fehlender Wolf?

Während die Bären und Wisente vollzählig waren, fehlte bei den Wölfen zunächst ein Tier. Am Donnerstagmorgen habe man fünf der sechs Wölfe entdeckt. «Als wir sie zu sehr aufregten, haben wir die Suche abgebrochen», sagt Schildger.

Man ging davon aus, dass das fehlende Tier auch im Gehege sei, da Wölfe im Rudel blieben, wenn eine Störung von aussen komme. Am späteren Nachmittag wurde die Bärenanlage «wolfssicher» gemacht und danach die Wölfe rübergetrieben. Um 17 Uhr war klar: Das Wolfsrudel war komplett, wie der Tierpark auf Twitter verlauten liess.

Falsche Baumsorten?

Der Dählhölzliwald gehört der Burgergemeinde Bern. Deren Forstmeister, Stefan Flückiger, sagt zu den umgestürzten 26 Buchen: «Diese sehen zwar aussen gesund aus, aber ein Baum besteht aus mehr als Stamm und Ästen.» Manche Bäume seien durch Umwelteinflüsse an den Wurzeln derart geschädigt, dass ein solcher Sturm sie fälle. «Alte und ­dicke Bäume sind gestresst, und weil der Boden von Stickstoff versauert ist, verlieren sie Wurzeln», weiss er.

Zahlreiche umgestürzte Bäume: Im Dählhölzliwald laufen die Aufräumarbeiten nach Burglind. Video: Claudia Salzmann

Dass die Schäden auf falsche Baumsorten, die gesät worden wären, zurückzuführen sein könnten, dementiert Flückiger: «Im Dählhölzliwald pflanzen wir aktuell gar nichts. Die Bäume sind alle standortgerecht.»

Zu bedenken gibt er, dass Buchen und Fichten sowieso nicht klimatauglich seien, und man versuche andere Arten, die mit trockenem und saurem Boden umgehen können, zu pflanzen. «Wir haben 120-jährige Douglasien, die bisher kein Sturm fällen konnte», so Flückiger.

Waldmenschen wohlauf?

Nicht nur im Dählhölzli kam es zu Schäden, auch im Bremgartenwald, der ebenfalls der Burger­gemeinde gehört. Dort lebt eine Gruppe von Menschen, denen es wohl gut gehen dürfte, wie Flückiger meint. «Sie leben in einem jungen Waldstück, wo ein geringes Umsturzrisiko besteht», so Flückiger. Über ihr Befinden mutmasst er nur, da man nicht in Kontakt stehe.

Der Gesamtschaden am Wald sei sicher kleiner als damals bei Lothar, weiss Flückiger. «Burglind ist im Vergleich ein moderater Sturm für unsere Wälder. Ausserdem kam er nicht über­raschend: Alle zehn Jahre gibt es einen solchen Sturm.»

Die Aufräumarbeiten werden priorisiert, zuerst würden die ­Zugänge zu den sogenannten Wohlfahrtswäldern wieder hergestellt.

Wie hoch sich die Schadensumme beläuft, wird man Mitte der nächsten Woche bestimmen können. Ab Montag seien die dafür nötigen Mitarbeiter aus den Ferien zurück und würden das Team von derzeit vier Personen auf sieben vergrössern.

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Berner Zeitung

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