«D Seisler hiis böös»

Die Sensler haben es als sprachliche Minderheit und mit ihrem speziellen Dialekt nicht immer leicht. In seinem neuen Buch gibt Christian Schmutz nicht ganz ernst gemeinte Lösungsvorschläge.

Christian Schmutz stellte am Mittwoch an der Vernissage in Tafers sein neuestes Buch vor.

Christian Schmutz stellte am Mittwoch an der Vernissage in Tafers sein neuestes Buch vor. Bild: Aldo Ellena / FN

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«Aazyigschraft» – wer beim Lesen dieses Wortes kein einziges Mal gestolpert ist, der hat es geschafft und kann sich bei Christian Schmutz ein Zertifikat als ausgewiesener Sensler-Dialekt-Leser abholen. «Aazyigschraft» – in Schriftdeutsch «Anziehungskraft» – heisst ein Kapitel im neuen Buch von Christian Schmutz.

Der Titel «D Seisler hiis böös» bezieht sich nicht etwa auf die Schwierigkeiten, die selbst Sensler haben, ihren Dialekt zu lesen. Vielmehr greift der Autor und Dialektologe in seiner Erzählung das Schattendasein der Senslerinnen und Sensler auf. Sie müssen sich immer wieder aufs Neue behaupten: im eigenen Kanton als sprachliche Minderheit und ausserhalb für den urchigen Dialekt, der entweder nicht ver­standen oder mit dem Walliserdeutsch verwechselt wird.

Der Sensler hat deshalb Praktiken dazu entwickelt, sich trotzdem zu behaupten und verständlich zu machen: Er passt sich an, stellt seine Eigenheiten hintenan und bleibt im Hintergrund.

Nun stellt Christian Schmutz in seinem Buch eine Alternativ­lösung aus dem Dilemma vor: eine Sensler Hotline. Berater Toni Schöpfer erklärt den Anrufern die Sensler Welt, entschlüsselt unverständliche Begriffe, verteilt Tipps im Umgang mit Senslern oder antwortet dem Anrufer – wenn er keine Ahnung hat – mit einem träfen Spruch.

Mit der Zeit merkt er, dass er nur ein kleines Rädchen in einer grösseren Geschichte ist und dass es um nichts Geringeres geht als um die Rettung des Sensebezirks vor einer schweizweiten Verschwörung.

Gags und Besonderheiten

«Ich hatte schon seit längerem die Idee, ein Kabarettprogramm rund um eine Sensler Hotline zu machen», erklärt Christian Schmutz. Darin wollte er kleine Gags und witzige Besonderheiten rund um das Senslerdeutsch verpacken.

Diese Idee war noch nicht ausgereift, als ihn der Zytglogge-Verlag im Sommer 2015 anfragte, ein Mundartbuch herauszugeben. «Ich habe ihnen gesagt, dass ich nur Senslerdeutsch kann, und bezweifelte ein wenig, ob ein Buch in dieser Sprache auf ein breites Interesse stösst.»

Der Verlag räumte seine Bedenken aus und stellte einzig die Bedingung, dass es eine zusammenhängende Geschichte sein soll. Nach und nach hat Christian Schmutz die beiden Elemente miteinander verbunden und die Erzählung rund um die Sensler Hotline zu Papier gebracht.

Gut anderthalb Jahre hat Schmutz am Buch gearbeitet. Er hat immer wieder an einzelnen Passagen gefeilt und die Kapitel überarbeitet. «Ich wollte, dass die Geschichte ‹verhäbt›, und habe dafür ‹gekrüppelt› wie noch nie. (Freiburger Nachrichten)

Erstellt: 23.03.2017, 10:16 Uhr

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