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Cupfinal-Krawalle beschäftigen die Justiz

Ein Zürcher Fan wehrt sich in Bern vor Gericht gegen seine Verurteilung. Er kritisiert berittene Polizisten.

Im Rahmen des Cupfinals kam es 2014 in Bern zu Ausschreitungen.
Im Rahmen des Cupfinals kam es 2014 in Bern zu Ausschreitungen.
Keystone

Nach diesem Tag hatte Bern endgültig genug. 2014 spielte der FC Basel gegen den FC Zürich in Bern, sportlich gesehen sowieso schon ein Frust für die Ein­heimischen. Dazu kamen die Ausschreitungen. Zum wiederholten Mal bei einem Cupfinal. Die Fans des FC Basel hielten sich einigermassen an die Abmachungen mit den Sicherheitsbehörden. Die Anhänger des FC Zürich nicht.

Auf dem Weg durch die Innenstadt zerstörten Vermummte zahlreiche Schaufenster.Vor dem Stade de Suisse ging es weiter mit dem Ungemach. Zürcher Anhänger versuchten, einen Eingang zu stürmen, Sicherheitskräfte drängten sie mit Pfefferspray zurück. Danach begannen die Zürcher, Gegenstände zu werfen. Anscheinend derart rabiat, dass sich die Sicherheitskräfte zurückziehen mussten. Seither wird der Cupfinal nicht mehr in der Bundesstadt ausgetragen.

Beschuldigter kritisiert Polizei

Wie so oft bei derlei Ausschreitungen kam das Gros der Raufbolde ungeschoren davon. Wer erwischt wurde, dem flatterte ein Strafbefehl des Staatsanwaltes ins Haus. Einem dieser sogenannten Fans, ein Zürcher Mitvierziger, passte dies aber überhaupt nicht.

Der Mann erhob Einsprache und musste nun am Donnerstag in Bern vor dem Regional­gericht erscheinen. Ihm wird Landfriedensbruch, Hinderung einer Amtshandlung und eine Widerhandlung gegen die Verkehrsordnung vorgeworfen.

Der Staatsanwalt wirft ihm vor, sich in diesem gewaltbereiten Haufen aufgehalten zu haben. Anschliessend sei er über den Schermenweg vor der berittenen Polizei geflüchtet. Diese habe ihm «Stopp! Polizei!» zugerufen, der Mann sei aber ohne anzuhalten weitergerannt, hoch in das Wäldchen bei der Allmend. Dort jedoch wurde er von den berittenen Polizisten eingeholt und ­festgenommen.

Der Beschuldigte sieht die ­Sache naturgemäss anders. Jeder der Anklagepunkte sei falsch: «Ich war nicht im Pulk drin. Ich stand abseits, auf der anderen Strassenseite.» Auf den Polizeivideos sei er nirgends identifizierbar. Als er die Reiter gesehen und gehört habe, habe er sofort angehalten.

Er sei in keiner Fangruppe dabei. Auf die Frage, warum er dann eine Sturmhaube mit ­Totenkopfsymbol dabeigehabt habe, gab der Mann eine komische Antwort: «Als Andenken an den Tag.» Er habe sich das Ding wie früher die Motto­shirts im Fanzug gekauft. Sogar der Richter musste schmunzeln.

Mit Anzeige gedroht

Danach machte der Mann eine Aussage, die weniger komisch war: Ein Polizist zu Pferde habe ihm mehrmals auf den Kopf ­geschlagen. Er habe danach mit einer Anzeige gedroht, diese ­später aber nicht eingereicht. Die beiden beteiligten Polizisten ­hätten aber zu dem Zeitpunkt mit einer Anzeige gegen sie rechnen müssen und hätten darum bewusst falsche Angaben zu seinem Nachteil gemacht.

Starker Tobak: Tatsache ist, der Mann ist auf den Polizeivideos nirgends drauf. Es steht darum Aussage gegen Aussage. Der ­Gerichtspräsident hat nun keine andere Wahl, als nachträglich einen der Polizisten zu befragen. Erst danach gibts das Urteil. Das leidige Kapitel Cupfinalkrawalle dauert noch an.

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