Bern

Aus Industrieabwasser wird Biogas

BernDie ARA Bern gewinnt neu Biogas aus dem vielen Abwasser der Biopharmafirma CSL Behring.

Für das Biogasprojekt wurde im Sempachpark neben dem Sitz von CSL Behring im Wankdorf ein unterirdisches Auffangbecken gebaut.

Für das Biogasprojekt wurde im Sempachpark neben dem Sitz von CSL Behring im Wankdorf ein unterirdisches Auffangbecken gebaut. Bild: zvg

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CSL Behring ist einer der grössten Wasserverbraucher in der Stadt Bern. Das Unternehmen stellt Medikamente aus Blutplasma her und reinigt dazu in grossen Mengen Proteine. Zudem müssen Viren ausgefiltert werden. CSL Behring verbraucht pro Jahr 770 Millionen Liter Wasser. Würde man damit ein riesiges Glas mit der Grundfläche des Stade de Suisse füllen, so würde die Wassersäule laut Angaben des Konzerns 60 Meter über das Stadiondach hinausragen.

Das Industrieabwasser von CSL Behring enthält Rohalkohol und organische Stoffe. Also keine hochgiftige Chemie, sondern Wiederverwertbares: Nach zweijährigen Planungs- und Bauarbeiten gewinnt die ARA Bern aus dem Abwasser der Biopharmafirma ab sofort Biogas. Das Wasser wird dazu durch eine vier Kilometer lange Druckleitung vom Sitz von CSL Behring im Wankdorf zugeleitet.

Der Verlauf des neuen Abwasserstollens (klicken zum Vergrössern). Illustration: zvg

Becken unter Stadtpark

Am Beginn der Leitung steht ein unterirdisches Auffangbecken. Dieses wurde in den letzten Monaten 6 Meter tief in den Boden des Sempachparks gleich neben dem Sitz von CSL Behring gebaut. Während der Bauarbeiten war der Rasen teilweise gesperrt. Das ist jetzt vorbei. Am Montagabend gab das Unternehmen den Fussballplatz bei einem Spiel der Werksmannschaft mit Kindern an das Quartier zurück.

Das Auffangbecken im Boden des Parks ist nötig, um das bei CSL Behring unregelmässig anfallende Abwasser kontinuierlich in die ARA bei der Neubrück weiterleiten zu können. Für die Wasserleitung konnten bestehende Stollen genutzt werden. Am Ende der Leitung baute die ARA eine separate Aufbereitungsanlage. Dort gewinnt sie aus dem Abwasser Biogas.

Die ARA Bern und CSL Behring betonen, die Biogaserzeugung sei CO2-neutral und ein Beitrag an eine «klimafreundliche Energiezukunft». Die ARA Bern kann ihre Produktion von Biogas erhöhen. Mit dem Biogas können Gebäude geheizt werden, und für spezielle Autos und Busse eignet sich Biogas als Treibstoff. So sind Busse von Bernmobil damit unterwegs. CSL Behring selber kann ungefähr 20 Prozent des Gasverbrauchs mit Biogas decken, das aus dem Abwasser hergestellt wird.

13 Millionen Franken teuer

Die Kosten für das Gesamtprojekt von rund 13 Millionen Franken bezahlt die ARA Region Bern AG. CSL Behring werde sie jedoch über die Abwassergebühren abgelten, sprich refinanzieren, sagte Firmensprecherin Sandra Ruckstuhl. Zudem profitierten die ARA und die angeschlossenen Gemeinden von einer längeren Lebensdauer ihrer biologischen Reinigungsstufe.

Denn bislang separierte CSL Behring den Alkohol und die organischen Stoffe aus der Produktion selber, fuhr diese Stoffe mit Lastwagen zur ARA respektive in die Entsorgung und leitete das restliche Abwasser in die normale Reinigungsanlage. Durch die neue Direktleitung für das ganze Industrieabwasser lassen sich pro Jahr 240 Lastwagenfahrten vermeiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2018, 16:31 Uhr

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