Chronologie eines jahrelangen Konflikts

Lucia Probst

November 2000: Der Könizer Kirchgemeinderat spricht sich gegen die Wiederwahl von Pfarrer André Urwyler aus. Es folgt eine spektakuläre Kirchgemeindeversammlung: Die rund 900 Teilnehmenden wählen Urwyler deutlich wieder. Er bleibt im Amt.

Dezember 2000: Als Reaktion auf Urwylers Wiederwahl treten alle Mitglieder der Kreiskommission Köniz zurück.

Mai 2002: Die Kirchgemeinde teilt mit, dank einer Mediation sei der Konflikt zwischen Urwyler und Kirchgemeinderat beendet.

Januar 2007: Der Kirchgemeinderat wählt Pfarrer Urwyler für weitere sechs Jahre ins Amt.

April 2008: Der Kirchgemeinderat beantragt beim Kanton, Pfarrer Urwyler abzuberufen. Dies, weil mehrere Mitarbeiter sich über die Zusammenarbeit mit ihm beschwert hätten. Doch das Gesuch wird später sistiert.

Dezember 2008: Der Kirchgemeinderat entscheidet sich, doch am Abberufungsgesuch festzuhalten.

Januar 2009: André Urwyler wird vom Kanton beurlaubt.

Februar 2009: Über tausend Personen unterschreiben eine Petition. Lanciert hat diese ein Unterstützungskomitee für Urwyler. Es reicht die Unterschriften beim Kanton ein.

April 2009: Der Kirchgemeinderat lässt das Abberufungsgesuch bis Ende September sistieren. Der damalige Synodalrat Gottfried Locher soll helfen, im Konflikt eine Lösung zu finden.

Mai/Juni 2009: Pfarrer Urwyler nimmt nach und nach seine Arbeit wieder auf. Ein speziell entwickeltes Arbeitsteilungsmodell soll Konflikten entgegenwirken.

Juli 2009: Urwyler predigt erstmals wieder.

August 2009: Der Kirchgemeinderat zieht das Abberufungsgesuch zurück.

November 2010: Der Kirchgemeinderat entscheidet, dass er erneut ein Abberufungsgesuch gegen Urwyler einreicht. Ein Unterstützungskomitee von Urwyler übergibt bald darauf Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) rund 500 Unterschriften. Es fordert eine umfassende externe Untersuchung und keine Beurlaubung des Pfarrers. Schliesslich informieren Kirchgemeinderat und Urwyler getrennt an Medienkonferenzen über die Hintergründe des neuen Abberufungsgesuchs.

Dezember 2010: Acht Personen stellen sich als Mitglieder für die über zwei Jahre lang verwaiste Kirchenkreiskommission zur Verfügung. Regierungsrat Christoph Neuhaus erhält erneut Post von Urwyler-Sympathisanten. In einem offenen Brief wehren sie sich gegen die Abberufung.

Januar 2011: 126 Stimmberechtigte wählen an einer ausserordentlichen Kreisversammlung die acht Personen in die Kirchenkreiskommission. In einer Konsultativabstimmung fordert die grosse Mehrheit, dass sich diese für eine Rückkehr Urwylers einsetzen soll. Der Kirchgemeinderat hält aber einstimmig am Abberufungsgesuch fest.

Februar 2011: Der Konflikt zwischen der neuen Kreiskommis-sion und dem Kirchgemeinderat spitzt sich zu. Urwyler bleibt beurlaubt. Die Kommission fühlt sich vom Rat gemobbt. Frühling 2011: Der in Aussicht gestellte Entscheid der kantonalen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) über die Abberufung verzögert sich. Mai 2011: André Urwyler hat das Altstadthaus an der Junkerngasse 1 in Bern gekauft. Dort will er im Fall seiner Abberufung oder nach seiner Pensionierung als freischaffender Pfarrer arbeiten.

Juli 2011: Die JGK teilt mit, dass sie nicht vor Herbst über das Abberufungsgesuch wird entscheiden können.

4. August 2011: André Urwyler bleibt von seinem Amt freigestellt. Das Verwaltungsgericht lehnt eine Beschwerde des Pfarrers gegen diese vorläufige Massnahme ab.

22. August 2011: Die Kirchenkreiskommission Köniz fordert in einem offenen Brief an den Kirchgemeinderat erneut, das Verfahren gegen Urwyler sei mit sofortiger Wirkung einzustellen.

22. September 2011: Die JGK gibt ihren Entscheid im Abberufungsverfahren bekannt: Der Konflikt endet mit einem Vergleich.

Berner Zeitung

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