Christen unter Schutz

Bern

Der von christlichen Abtreibungsgegnern organisierte «Marsch für s Läbe» wird von linksextremen Kreisen bedrängt. Das Polizeiaufgebot wird immens sein.

Unter massivem Polizeischutz: Teilnehmer des «Marsches für s Läbe» vergangenes Jahr in Zürich. Auch in Bern sind Störaktionen angekündigt.

Unter massivem Polizeischutz: Teilnehmer des «Marsches für s Läbe» vergangenes Jahr in Zürich. Auch in Bern sind Störaktionen angekündigt.

(Bild: Keystone)

Eine Kundgebung christlicher Abtreibungsgegner wirft ihren Schatten voraus. Am Samstag soll erstmals in Bern der «Marsch für s Läbe» stattfinden. Aufgerufen zum Anlass haben rund ein Dutzend konservative freikirchliche und katholische Gruppierungen sowie die zwei Parteien EDU und EVP.

Die Polizei hat den Organisatoren zugesichert, dass die Veranstaltung in einem gesicherten Bereich vor dem Bundeshaus durchgeführt werden kann. Einen Marsch, wie ursprünglich geplant, wird es aber nicht geben. Die Polizei hätte dessen Schutz nicht garantieren können.

Der Marsch, der bisher in Zürich stattfand, wurde in der Vergangenheit jeweils durch ein Grossaufgebot der Polizei abgeschirmt, weil linksautonome Kreise Störaktionen durchführten. Über 100 Aktivisten wurden letztes Jahr abgeführt. Auch in Bern wird der Polizeischutz massiv sein. Den Anlass hergeholt hat die Schweizerische Evangelische Allianz. Deren Generalsekretär, EVP-Grossrat Marc Jost, begründete den Ortswechsel mit Berns geografischen Vorteilen.

Doch auch hier fürchtet die Polizei eine Störung der Veranstaltung, an der jeweils zwischen 2000 und 3000 Leute teilnahmen. Bern habe ein noch viel grösseres linksextremes Potenzial als Zürich, warnten Behördenvertreter die Organisatoren im Vorfeld.

Mehrere Attacken im Vorfeld

Tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass es Widerstand geben wird. Vor zwei Wochen verübten Unbekannte einen Farbanschlag auf das EVP-Sekretariat an der Nägeligasse. Dabei ist die Partei gespalten, ob man am Marsch überhaupt teilnehmen soll; so teilte EVP-Präsidentin und Nationalrätin Marianne Streiff mit, dass sie nicht demonstrieren werde. Auch die andere EVP-Nationalrätin, Maja Ingold, will nicht mitmachen.

Eine weitere Attacke gab es nun auf das Büro der Freikirche International Christian Fellowship (ICF) in Bern. Unbekannte haben in der Nacht auf Donnerstag die Fassade verschmiert und Scheiben eingeschlagen. Dabei sei ICF am Marsch gar nicht beteiligt, wie deren Sprecher gegenüber «20 Minuten» sagte.

Unter dem Slogan «Bern stellt sich que(e)r – Fundis stoppen!» mobilisierte in den vergangenen Wochen ein Linksaussenbündnis gegen den Anlass. Dieser Spruch prangt auch auf dem Dach der Reitschule. In Zürich war es in dem Milieu durchaus Gewohnheit, die «Fundamentalisten» zu bewerfen und am Reden zu hindern.

Der Aufruf zum Protest auf dem Reitschule-Dach. Bild: Christian Häderli

In Bern sind derweil eine bunte Demonstration und ziviler Ungehorsam angekündigt. So oder so, am Samstag muss mit Fahrzeug- und Personenkontrollen gerechnet werden, wie die Kapo mitteilt. Beim Bundesplatz werden Strassen gesperrt sein, ab Mittag kommt es zu Verkehrsbehinderungen.

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