Zukunftstag mit Simonetta Sommaruga

Drei Mädchen aus der Region waren am Donnerstag zu Besuch bei Simonetta Sommaruga. Es ging um Frauen als Chefinnen. 

Gina, Sophie und Annouc (v. l.) während der Sitzung mit Simonetta Sommaruga.

Gina, Sophie und Annouc (v. l.) während der Sitzung mit Simonetta Sommaruga.

(Bild: Beat Mathys)

Weisse Wände, ein heller Holzboden und ein schlichtes Kunstwerk in der Ecke. So sieht ein Sitzungszimmer im Bundeshaus aus. An einem grossen Tisch in der Mitte sitzen Gina, Sophie und Annouc an der Seite von Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Die drei Mädchen hören gebannt zu, machen sich Notizen, während die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements mit ihren Mitarbeiterinnen ihre nächsten Termine bespricht.

Untypische Berufe 

Die drei Mädchen aus dem Kanton Bern machen mit am Zukunftstag. Im ganzen Land begleiten Kinder ihre Väter, Mütter oder andere Bezugspersonen, um einen Einblick in deren Arbeit zu erhalten. Ziel dabei ist es auch, dass Mädchen Berufe entdecken, in denen mehr Männer arbeiten. Umgekehrt werden Jungs ermuntert, an diesem Tag Frauen zu begleiten.

Der Zukunftstag, der jedes Jahr im November stattfindet, bietet den Kindern auch Spezialprojekte. Dabei entdecken die Kinder ganz besondere Arbeitsbereiche – vor allem wenn Bezugspersonen fehlen, die ihnen untypische Berufe zeigen können. Eines dieser Spezialprojekte ist der Besuch im Bundeshaus.

Bei Gipfeli und Wasser unterhalten sich die drei Mädchen mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga über Zukunftsperspektiven, Traumberufe und weibliche Vorbilder in Führungspositionen. Ob sie den Frauen kennten, die Chefinnen seien, fragt die Bundesrätin. Die Mädchen zögern und schauen sich etwas ratlos an. 

Zu wenig Vorbilder 

«Es gibt zu wenig Chefinnen», sagt Simonetta Sommaruga. Frauen seien in Führungsrollen in Politik und Wirtschaft untervertreten. Dementsprechend fehle es an Vorbildern. «Es ist wichtig, dass Mädchen in Kontakttreten mit Frauen in Chefpositionen.»

Wenn die Mädchen im Sitzungszimmer erzählen, was ihnen an ihrem künftigen Beruf wichtig ist, kommt eine Chefposition in ihrer Aufzählung nicht vor. Wichtig ist ihnen, dass sie dereinst viel Kontakt mit Menschen haben. «Ich will einfach nicht den ganzen Tag nur im Büro rumsitzen», ergänzt die 13-jährige Annouc. 

Besprechungen, Pressetermin, Kommissionssitzung. Die Bundesrätin und ihre Besucherinnen haben ein dichtes Programm. So wie es bei Chefinnen üblich ist. Chefin zu sein, das könnte sie sich gut vorstellen, sagt Annouc. Auch Bundesrätin? «Ja, wieso nicht?» Sie interessiere sich für Politik. Besonders gut finde sie, dass sich Simonetta Sommaruga für Menschen einsetze, die im Gefängnis sässen. 

Die 13-jährige Sophie hat noch keine konkreten Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf. Simonetta Sommaruga habe ihr erzählt, sie habe früher einmal Chirurgin werden wollen. «Am Berufswunsch kann sich also immer wieder etwas ändern.»

Druck von der Politik 

Was braucht es neben dem Zukunftstag, damit mehr Frauen Führungspositionen besetzen? Ein Schritt dahin seien Gesetze, sagt Simonetta Sommaruga. «Es braucht den Druck aus der Politik.» Gleichzeitig müssten junge Frauen aber auch von sich aus aktiv werden.

Wäre es denn dafür ein gutes Zeichen, wenn mehr Frauen im Bundesrat sitzen würden? «Ja, das wird hoffentlich bald wieder so sein», sagt Simonetta Sommaruga und verlässt den Pressetermin mit den drei Mädchen im Schlepptau in Richtung Nationalratssaal.

Berner Zeitung

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