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Chefdiplomat von Graffenried

Die Agglo-Gemeinden zu Stadtquartieren machen, dafür aber deren demokratische Mitsprache stärken: Mit dieser Vision nahm Alec von Graffenried bei «Bern neu gründen» dem Wort Gemeindefusion den Schrecken.

«Bern neu gründen» möchte die Agglo-Gemeinden (im Bild: Ostermundigen) mit der Stadt zu einem Grossbern verschmelzen.
«Bern neu gründen» möchte die Agglo-Gemeinden (im Bild: Ostermundigen) mit der Stadt zu einem Grossbern verschmelzen.
Andreas Blatter

In kein einziges Fettnäpfchen trat Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) am Dienstagabend, als er vor den wetterbedingt nicht sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern des Vereins «Bern neu gründen» im Alten Tramdepot beim Burgernziel auftrat.

«Bern neu gründen» verfolgt das langfristige Ziel, den Ring der Agglomerationsgemeinden um Bern zu Grossbern zu fusionieren, und von Graffenried, der sich stets zu «Bern neu gründen» bekannt hatte, ist der Hoffnungsträger, der diese Vision in seinem Amt dezidiert verfolgen soll – obschon das «F-Wort» Fusion bei Berns Nachbargemeinden und ihren Politikern viel Skepsis auslöst.

Übernächste Geländekammer

Man war gespannt, ob von Graffenried als Stapi nun moderatere Töne anschlägt. Aber er tat es nicht. «Ich stehe voll hinter dieser Vision, sie ist für mich eine Herzensangelegenheit seit vielen Jahren», hielt er fest. Und er wolle sich auch im Tagesgeschäft des Stadtpräsidenten die Fähigkeit erhalten, gelegentlich «in die übernächste Geländekammer» zu schauen.

Von Graffenried machte klar, dass er die Fusionsidee mit der Geduld und Hartnäckigkeit eines Diplomaten verfolgen will, der in einer Konfliktzone den Friedensprozess vorantreiben muss. Manchmal bringt es schon etwas, die Dinge von einer anderen Seite anzuschauen.

Quartiermitsprache zentral

Üblicherweise werden Fusionsängste damit begründet, dass den Leuten die Nähe zu den po­litischen Gremien und die lokale Identität abhandenkomme. Chefdiplomat von Graffenried zeigte, dass eine Fusion genau diese lokalen Eigenheiten stärken könnte.

Bedingung ist, dass man unter Fusion nicht die Einverleibung der Agglomerationsgemeinden durch die Stadt Bern versteht. Sondern dass die Gemeinden als Quartiere ihren Charakter in das künftige Grossbern einbringen.

Am Beispiel der Stadt Bern illustrierte von Graffenried, dass dazu in zwei Richtungen gearbeitet werden müsse. Einerseits sei die Quartiermitsprache zu stärken, damit lokale Gemeindean­gelegenheiten künftig auf Quartierebene geregelt werden könnten. Auf der anderen Seite müsse die faire politische Vertretung der Quartiere in den politischen Gremien für übergeordnete Entscheide gewährleistet werden.

Fusion? Win-win-Situation

In der Stadt Bern sei das Demokratiedefizit massiv, sagte von Graffenried. Bümpliz etwa, wo ein Drittel der Stadtberner Bevölkerung lebt, wird politisch durch acht Stadträte repräsentiert – bloss ein Zehntel des Stadtparlaments. Mit der Bildung von Wahlkreisen könnte da Abhilfe geschaffen werden

Ein Prozess, wie ihn sich von Graffenried vorstellt, würde also sowohl die lokale Identität stärken als auch die politische Mitsprache verbessern. Und plötzlich sieht eine Fusion aus wie eine Win-win-Situation, die Bolligens Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber (FDP) ziemlich überzeugte. Sie verhehlte nicht, dass ihr die rot-grüne Übermacht in Berns Stadtregierung nicht ganz geheuer sei, dennoch sagte sie von Graffenrieds Vision ihre Unterstützung zu.

jsz

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