Chaotische Diskussion um Weilerzone

Die Abstimmung vom 9.Februar schien nicht sehr umstritten – bis eine vermeintliche Alternative in den Fokus kam. Könnte der Status quo im Oberried mit einer Weilerzone legalisiert werden?

Thomas Binggeli auf seiner Bike-Teststrecke in Oberried.

Thomas Binggeli auf seiner Bike-Teststrecke in Oberried.

(Bild: Andreas Blatter)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Drei Mitarbeiter dürfte die Thömus AG im Oberried eigentlich beschäftigen. Ein Geschäft mit 680 Quadratmetern Verkaufsfläche wäre ihr erlaubt, hier, mitten in der Landwirtschaftszone. Tatsächlich arbeiten im Könizer Weiler aber Dutzende Angestellte auf einer Fläche, die das legale Mass um ein x-Faches übersteigt.

Nach Jahren der Diskussion scheint nun eine Lösung greifbar. Am 9.Februar stimmen die Könizerinnen und Könizer über eine Überbauungsordnung ab, die den Betrieb im Oberried legalisieren würde – allein, die Diskussionen sind in den letzten Wochen kontroverser denn je.

Die meisten Parlamentarier befürworten die Lösung, die die Gemeinde vorlegt. Die Verhandlungen sollten endlich ein Ende finden, sagen sie. Die Vorlage definiere klare Regeln und biete Rechtssicherheit, ohne der Thömus AG unnötig Steine in den Weg zu legen. Festgeschrieben ist zum Beispiel, dass an Spitzentagen maximal 350 Fahrten erlaubt sind, mit Ausnahmen.

Über 3 Hektaren Land

Gegner hat die Vorlage vor allem bei Anwohnern. Sie machen sich Sorgen um die Verkehrssituation und stören sich daran, dass rund 3,2 Hektaren Landwirtschaftsland verloren gingen. Zudem argumentieren die Kritiker, Firmengründer Thomas Binggeli habe seinen Betrieb illegal ausgebaut, und jetzt wolle er obendrauf zur Legalisierung noch einen Bikepark bauen, mit Sprüngen und Steilwandkurven.

Es bestehe ein öffentliches Interesse am Bikepark, entgegnet die Gemeinde. Zudem braucht es den Park für einen planerischen Trick: Um den heutigen Betrieb zu legalisieren, ist eine Bauzone nötig – eine solche mitten in der Landwirtschaftszone zu schaffen, ist nicht möglich. Ausser: Wenn der Betrieb an diesen spezifischen Standort gebunden ist. Damit Thömus diese Bedingung erfüllt, braucht es den Bikepark. Dieser hätte dann einen ähnlichen Status wie etwa ein Golfplatz, und der Rest des Betriebes würde als Ergänzung zum Park gelten.

Verwirrende Kommunikation

Auch die kritischen Anwohner wollen den Betrieb von Thömus legalisieren, allerdings nur den Status quo. Mit einer Weilerzone sei dies möglich, sagen sie. Eine Weilerzone dient grundsätzlich dazu, in bestehenden Bauten mehr Nutzungsmöglichkeiten zuzulassen, damit ein Weiler erhalten bleibt. So wäre zum Beispiel der Einbau eines Kunstateliers oder eines Büros möglich.

Eine Weilerzone sei nie infrage gekommen, hatte Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) Mitte Januar gesagt. Denn damit würde Köniz in der Wasserversorgung anschlusspflichtig. In der Folge deckte «Der Bund» auf, dass diese Begründung falsch ist, einige Politiker regten sich auf, Sedlmayer lieferte eine neue Begründung, der Kanton schwieg, und Sedlmayer korrigierte ihre Aussage gleich noch einmal: Der Kanton habe im November auf Anfrage geschrieben, der heutige Betrieb sei in einer Weilerzone nicht möglich. Nur: Die Begründung liess wieder zu wünschen übrig.

So entstand eine Diskussion um eine Alternative, die wohl gar keine ist. Die Fakten: In einer Weilerzone sind nur «mässig störende» Betriebe zugelassen. Arthur Stierli vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) sagt, «mässig störend» sei nicht näher definiert. In der heutigen Form sei der Betrieb von Thömus aber wohl zu gross, auch, wenn auf die Rampenverkäufe und die Teststrecke verzichtet würde. Die Regel orientiere sich eher an Kleinbetrieben.

Berner Zeitung

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