Cancellara bekommt eine Brücke

Ittigen

Auf schnellen Reifen trägt der Radprofi Fabian Cancellara den Namen seiner Wohngemeinde in die ganze Welt. Dafür dankte ihm die Gemeinde am Samstag mit einem besonderen Geschenk: mit einer Brücke.

Samstagmorgen im Talgutzentrum Ittigen. Geduldig wartet Ilyas Baig bis er an der Reihe ist. Vor drei Wochen hat sich der 6-Jährige beim Fussballspielen den linken Unterarm gebrochen. Nun sind die ersten Schmerzen und der Schreck zwar vergessen, dafür fängt der klobige Gips langsam ganz schön an zu nerven.

Aber dass Ilyas so brav ansteht hat eigentlich nichts mit dem Gips zu tun. Der kleine Bub aus Ittigen ist mit seinem Vater gekommen, um einen anderen Ittiger zu sehen: den Radprofi Fabian Cancellara. Dieser wiederum kam, um eine Brücke zu enthüllen. Seine Brücke, die Fussgängerbrücke vom RBS-Bahnhof Ittigen hinüber ins Talgutzentrum. Diese wurde zwar nicht extra für ihn gebaut, doch seit Samstag trägt sie nun seinen Namen und sein Porträt.

Stolz auf den Schnellsten

Seit 2002 lebt Fabian Cancellara mit seiner Familie in Ittigen. Im selben Jahr wurde er zum ersten Mal Schweizer Meister im Zeitfahren, und seither ist er auf seinem Aufstieg zu den Grossen im Fahrradolymp nicht mehr zu stoppen. Ganze vier Weltmeistertitel im Zeitfahren konnte er seither erringen – das gelang vor ihm noch niemandem. Wann immer Cancellara das Siegertreppchen besteigt, trägt er auch den Namen Ittigen in die Welt hinaus. Dafür ehrt die Gemeinde nun ihren wohl schnellsten muskelgetriebenen Einwohner mit der Fabian-Cancellara-Brücke. «Wir sind alle sehr stolz auf Fabian», sagt Vizegemeindepräsidentin Brigitte Zürcher an der Einweihungsfeier.

Nicht nur ein Blumenstrauss

Vor etwa 150 Zuschauern enthüllt Fabian Cancellara dann ein überlebensgrosses Porträt seiner selbst im Treppenhaus, welches vom Bahnhof hinauf zur Brücke führt. «Das ist nicht einfach ein Blumenstrauss», freut sich Cancellara nach der Brückeneinweihung. Es sei sehr schön, einen solch grossen Rückhalt in Ittigen zu spüren, so der 30-Jährige. Die soziale Anerkennung, die ihm seine Erfolge einbringen, freut ihn zwar, ist ihm aber nicht zu Kopf gestiegen. «Wie man bei den Leuten ankommt, hat nicht nur mit dem Erfolg zu tun, sondern stark auch damit, was man für eine Person ist.» Sagts und wendet sich wieder seinen Fans zu.

Ein Autogramm auf den Gips

Nun ist es auch für Ilyas Baig so weit. Er streckt schnell seinen linken Arm vor, und Cancellara signiert ihm mit Filz und fröhlichem Lachen seinen Gips. «Lässt du den Gips nun für immer dran?» Ilyas schüttelt resolut seinen Kopf. «Nein.» In drei Wochen kommt er endlich runter. Der Gips mit weltmeisterlicher Unterschrift wird aber sicher noch lange einen Ehrenplatz in der Schatztruhe seiner Kindheit einnehmen.

Berner Zeitung

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