Burren und Berlinger sind bereit

Köniz

Der Könizer Wahlkampf 2017 ist definitiv lanciert. Mit der SP und der SVP lüfteten die beiden wählerstärksten Parteien das Geheimnis und präsentierten ihre Kandidierenden fürs Gemeindepräsidium.

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Die SP tat es am Morgen in den Vidmarhallen, wo sie zur Medienkonferenz lud. Die SVP am Abend an ihrer Parteiversammlung im Saalbau in Gasel: Beide Parteien haben am Freitag ihre Kandidierenden für das Könizer ­Gemeindepräsidium präsentiert. Die Sozialdemokraten setzen auf die Juristin Annemarie Berlinger. Die SVP will das Gemeindepräsidium, das sie seit den letzten Wahlen innehat, im Herbst 2017 mit dem Landwirt Christian Burren verteidigen. Er soll den amtierenden Gemeindepräsidenten Ueli Studer beerben.

Studers Erbe antreten möchten viele. Fünf Kandidaturen sind bis jetzt bekannt. Als Erster stieg GLP-Gemeinderat Thomas Brönnimann diesen Herbst ins Rennen. In den letzten Wochen kamen dann die Kandidaturen von Hansueli Pestalozzi (Grüne) und Hans-Peter Kohler (FDP) dazu. Auch eine BDP-Kandidatur dürfte es noch geben. Fast sah es so aus, als ob die Ausmarchung zur reinen Männerangelegenheit würde. Mit Berlinger mischt nun doch noch eine Frau im Rennen um das Spitzenamt mit. Sie wird aber ziemlich sicher die einzige bleiben.

Im Folgenden die beiden neusten Kandidaten im Porträt:

Christian Burren (SVP): «Mein Rucksack ist gut gefüllt»Bild: Christian Pfander

Als er vor bald sieben Jahren Präsident des Parlaments und damit höchster Könizer wurde, zierten drei Igel die Einladung zur traditionellen Feier. Es waren Tiere, die zwar fröhlich lachten, trotzdem liess sich Christian Burren damals mit den Worten zitieren: Ja, er könne durchaus Stacheln zeigen, wenn es denn sein müsse. Im Auge hatte er, passend zur damaligen Situation, allem voran den Parlamentsbetrieb, den er als zu schleppend, zu ausufernd empfand. Er werde die Redezeit gut im Auge behalten und eine Debatte wo nötig abklemmen, kündigte er deshalb an.

Das Parlament hat der mittlerweile 50-jährige Landwirt aus Gasel und aktuelle Präsident der SVP Köniz längst hinter sich gelassen. Wegen der strikten Amtszeitbeschränkung auf drei Legislaturen schied er Ende 2013 aus. Das Interesse an der Politik ist geblieben – oder, wie er es ausdrückt: «Es hat mich gepackt.» Deshalb strebt er nun Höheres an und will bei den Wahlen vom September nächsten Jahres vollberuflicher Gemeindepräsident seiner Heimatgemeinde werden. Gestern Abend hat ihn die Parteiversammlung dafür einstimmig nominiert.

Der Hof würde bleiben

Burren traut sich das Amt auch zu, wie er vor seinen Leuten betonte. Nicht allein seiner langjährigen politischen Erfahrung wegen: Er erinnerte an sein vielfältiges Engagement in den Branchenorganisationen der Milchwirtschaft, besonders an seine Tätigkeit als Präsident der Berner Emmi-Milchproduzenten. In diesem Rahmen habe er 120 Millionen Kilo Milch vermarktet und gleichzeitig ­gelernt, die Interessen von 1000 Bauern unter einen Hut zu bringen. Es sei «eine harte Schule» in einem schwierigen Umfeld gewesen, «mein Rucksack ist gut gefüllt».

In dieser Zeit habe er ein Flair für Zahlen entwickelt, entsprechend gross sei sein Interesse an den Gemeindefinanzen. Als weitere Themen nannte er die Wohn- und Verkehrspolitik, warnte gleichzeitig vor einem allzu forschen Wachstum. Wegen der damit verbundenen finanziellen Risiken.

Auf seinem 38-Hektaren- Betrieb produziert Burren schwergewichtig Milch. Im Fall einer Wahl würde der Hof weiterhin von seiner Familie bewirtschaftet. Neben seiner Frau würde auch der Sohn mehr und mehr Verantwortung im bäuerlichen Alltag übernehmen.

Annemarie Berlinger (SP): «Die erste Frau zu sein, wäre ein gutes Gefühl»Bild: Andreas Blatter

Hart sei sie. Aber auch herzlich. Hart in der Sache, herzlich zu den Leuten und zum Leben, sagt die 44-jährige Könizer SP-Politikerin Annemarie Berlinger von sich. Hart und herzlich, das möchte sie auch als neue Könizer Gemeindepräsidentin sein. Die SP schickt die aus Schliern stammende Berlinger ins Rennen, um das höchste Könizer Exekutivamt bei den Wahlen im nächsten Herbst zurückzuerobern. Das hat die Partei gestern bekannt gegeben. Das Amt sei sicher eine Herausforderung, «aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht», sagt Berlinger zu ihrer Kandidatur. Sie könne gut Prioritäten setzen. «Das habe ich im Beruf und mit meiner fünfköpfigen Familie gelernt.»

Berlinger arbeitet als Juristin im Bereich Kinder und Jugend beim Bundesamt für Sozialversicherungen. Ihr Jusstudium absolvierte sie auf dem zweiten Bildungsweg, als ihre drei Kinder klein waren. Sie gehört seit Jahren zu den aktivsten Könizer SP-Mitgliedern, war Co-Präsidentin der Partei, politisiert seit 2005 im Parlament und ist dort seit 2015 auch Fraktionspräsidentin der SP.

Weniger Frontenpolitik

Schwerpunkte setzen möchte Berlinger, die aktuell auch in der Finanzkommission der Gemeinde politisiert, in der Finanz- und Familienpolitik. Ein längerfristiges Denken und vor allem auch ein viel weniger starkes Blockdenken zwischen Linken und Bürgerlichen wünscht sie sich, um die Finanzen wieder in den Griff zu bekommen. «Da sind wir in Mustern gefangen, doch das bringt uns nicht weiter.»

Die Familienpolitik ist von jeher eines ihrer Steckenpferde, so auch Tagesschulen und Kindertagesstätten. «Wir müssen aufpassen, dass wir dort die Qualität der Betreuung aufrechterhalten können», findet sie. Denn die Nachfrage steige rasant. Wichtig ist Berlinger auch der Blick über die Gemeindegrenze hinaus. «Wir müssen nicht alles selber erfinden.» Und nicht zuletzt schlägt ihr Herz auch für die Kultur.

Berlinger wäre die erste Frau an der Spitze der Gemeinde. Das fände sie ein gutes Gefühl. «Die Erste zu sein, fägt. Aber ich nehme an, man wird auch doppelt so gut hinschauen.» Es sei an der Zeit, dass das Geschlecht für eine solche Kandidatur keine Rolle mehr spiele, findet sie. Und weiss dabei selber nur zu gut, dass dem noch längst nicht so ist.

Berner Zeitung

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