Bundeszentrum Ja oder Nein – der Entscheid ist fällig

Bis Ende Monat will der Berner Gemeinderat entscheiden, ob der Kanton oder der Bund im Ziegler ein Asylzentrum führt. Der Entscheid steht noch aus. Am Donnerstag soll die Quartierbevölkerung informiert werden.

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Wie geht es mit dem Zieglerspital weiter? Wenn irgend möglich, soll das Gebäude bereits diesen Winter als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Konkret geht es um das Bettenhochhaus und um das Renferhaus. Die anderen Gebäude auf dem Areal werden noch von den Spitalbetreibern benötigt. Darauf haben sich die involvierten Parteien geeinigt.

Sowohl der Bund als auch der Kanton wollen im Ziegler ein Asylzentrum eröffnen. Der Berner Gemeinderat muss sich nun entscheiden, ob er ein kantonales Durchgangszentrum oder ein temporäres Asylzentrum des Bundes will. Bis Ende Oktober werde dies klar sein, hiess es vor einem Monat. Der Entscheid stehe noch aus, sagt nun die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) auf Anfrage. Sie fände es aber gut, wenn der Grundsatzentscheid möglichst rasch falle, damit das Spital bald für den Asylbereich zwischengenutzt werden könne.

Am Donnerstagabend werden sie und ihre Könizer Amtskollegin Rita Haudenschild (Grüne) der Quartierbevölkerung Red und Antwort stehen. Die Quartierkomissionen und -leiste laden Anwohner und Interessiere zum Infoanlass ins Gymnasium Lerbermatt.

Bundeszentren sind grösser, und es gibt mehr Wechsel

Bundeszentrum oder kantonales Durchgangszentrum – was sind die Unterschiede für die Nachbarschaft? Diese Frage wird an der Infoveranstaltung gestellt werden. Die Auswirkungen auf das Quartier seien ihrer Ansicht nach etwa die gleichen, sagt Franziska Teuscher.

Ein paar Unterschiede zwischen den jeweiligen Zentren wird die Quartierbevölkerung wohl doch bemerken: vor allem was deren Grösse und die damit verbundene Anzahl Asylbewerber betrifft. In einem kantonalen Durchgangszentrum sind 100 bis 200 Personen untergebracht. Ein Bundeszentrum hingegen wird erst ab 300 Personen betrieben. Das Staatssekretariat für Migration sprach beim Ziegler von Platz für 350 Personen. Der Aufenthalt in einem Bundeszentrum ist aber kürzer.

Wenn das beschleunigte Asylverfahren einst umgesetzt wird, reduziert sich die Verfahrensdauer auf 100 bis 140 Arbeitstage. In einem kantonalen Durchgangszentrum bleiben die Asylsuchenden oft länger, dafür gibts weniger Wechsel.

In beiden Zentren gibt es Zugangsregelungen und ein Sicherheitskonzept. Die Asylsuchenden dürfen sich beiderorts frei bewegen, auch ausserhalb des Areals, zum Beispiel in der Nachbarschaft. Im Bundeszentrum geht es jedoch strenger und reglementierter zu und her als in einem kantonalen Durchgangszentrum. Die Bewohner unterliegen einer strikten Hausordnung und dürfen das Zentrum nur tagsüber während der Ausgangszeiten verlassen.

Beiderorts sind die Asylsuchenden wenn möglich in einem Beschäftigungsprogramm. In beiden Zentren sollen die Betreiber mit Freiwilligen aus dem Quartier zusammenarbeiten.

Personen mit abgelehnten Asylgesuchen sollen aus dem Bundeszentrum ausgewiesen werden. Anders im kantonalen Durchgangszentrum. Hier bleiben auch diejenigen, deren Asylgesuch abgelehnt wurde und die ausreisen müssen. Sie beziehen dort die gesetzlich vorgesehene Nothilfe. Kinder, die im Bundeszentrum leben, gehen meist dort zur Schule. Kinder aus Durchgangszentren gehen meist auf die öffentlichen Schulen der jeweiligen Gemeinde.

Zürich: «Keine Auswirkungen auf das Quartier»

2014 startete der Bund in Zürich einen Pilotversuch mit einem Bundeszentrum mit 300 Plätzen. Ursprünglich war ein Testzentrum mit 500 Plätzen geplant. Dagegen reichten Anwohner und Gewerbler Einsprachen ein. Auswirkungen auf die umliegenden Quartiere scheint der Betrieb aber kaum zu haben, wie eine Anfrage bei den Quartierkommissionen ergab. Es werde darauf geschaut, dass alles reibungslos laufe. Unsicherer sei die Gegend nicht geworden. Vielleicht gebe es ab und zu etwas Negatives zu berichten, dafür würden Asylsuchende die Nachbarschaft von Abfällen befreien, so die Quartierkommission. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.10.2015, 07:32 Uhr

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