Bern

Bürgerliche bremsen sich aus

BernDie Stadtberner Regierung ist künftig noch linksgrüner als heute. Das RGM-Bündnis holt 4 der 5 Sitze, CVP-Mann Reto Nause hält seinen Sitz. SVP und FDP gehen leer aus, Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) wurde abgewählt.

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Es ist das grosse Waterloo für die Stadtberner Bürgerlichen. Sie sind weg aus der Regierung. Mittepolitiker Reto Nause (CVP) ist künftig der rechteste Vertreter in der Stadtregierung. Alexandre Schmidt (FDP) muss seinen Sessel räumen, die SVP-Liste ging ebenfalls leer aus.

Für FDP-Präsident Philippe Müller war nach der Niederlage seiner Partei klar: «Am Kandi­daten hat es nicht gelegen, Alexandre Schmidt hat hervorragende Arbeit geleistet.» Seine Partei habe «Wahlkampf gemacht wie noch nie», so Müller. Schuld sei einzig der Unwille der SVP, erneut gemeinsam mit der FDP in die Gemeinderatswahlen zu ­steigen. «Es besteht kein Zweifel, dass wir zusammen einen Sitz ­geholt hätten.»

Ob das Scheitern auch personelle Konsequenzen – zum Beispiel ein Rücktritt von ihm als Präsident – haben werde, wollte Müller nicht beantworten. Statt einer konkreten Antwort hielt er bloss noch einmal fest, dass die FDP seiner Ansicht nach den bestmöglichen Wahlkampf bestritten habe.

SVP geht leer aus

«Im Nachhinein ist man immer schlauer», sagte SVP-Präsident Rudolf Friedli. Ja, es stimme: gemeinsam hätten die Bürgerlichen ihren Sitz in der Stadtregierung verteidigt. Aber trotzdem sagt Friedli: «Wir waren bei den letzten drei Wahlen immer nur die Steigbügelhalter der FDP und sind selber leer ausgegangen.» Die FDP habe durch die gemeinsamen Listen immer ihre Sitze gemacht, der SVP blieb der Sprung in die Regierung jeweils verwehrt. «Da ist es doch legitim, dass wir einmal etwas anderes probieren wollen.»

Jetzt sei die Strategie des Alleingangs leider für beide Bürgerlichen nicht aufgegangen. «Doch wenn wir es nicht versucht hätten, wüssten wir noch immer nicht, ob wir es allein geschafft hätten», sagt Friedli. Letztlich spiele es aber gar nicht so eine grosse Rolle, ob jetzt die Regierung nach dem Verhältnis 3:2 oder 4:1 zusammengestellt sei. «Die Regierung entscheidet nicht bürgerlich.»

RGM total

Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. Sprich: Vom Alleingang der beiden Bürgerlichen profitierte letztlich RGM. Das links-grüne Bündnis triumphierte auf der ganzen Linie und stellt künftig vier Köpfe in der Stadtregierung.

«Das ist ein sehr grosser Erfolg für unser Bündnis, eine Bestätigung für unsere Politik», sagte SP-Präsident Stefan Jordi. Vor den Wahlen sagte Jordi allerdings, dass er persönlich ein 4:1 für RGM nicht nur positiv finden würde. «Wir müssen die Bürgerlichen einbinden, auch wenn sie nicht in der Regierung sind.» Das werde sicherlich eine Herausforderung. «Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden.»

Die beiden SP-Vertreter sind innerhalb von RGM auf den letzten beiden Rängen gelandet. Favoritin Ursula Wyss (SP) wurde nur Dritte. Was bedeutet dies nun für den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium? Jordi: «Das müssen wir jetzt analysieren und besprechen.» Für die beiden grünen Kandidierenden habe sicherlich die Atomausstiegsinitiative und auch die Person von Alec von Graffenried überdurchschnittlich mobilisiert.

Stéphanie Penher, Präsidentin des Grünen Bündnisses (GB), zeigte sich sehr zufrieden. «Die Strategie ist aufgegangen, das hervorragende Resultat von Franziska Teuscher ist sehr erfreulich.» Teuscher sei bei der Bevölkerung beliebt, sei ein Garant für links-grüne Politik, sagt Penher. Was das hervorragende Resultat ihrer Gemeinderätin nun für Wahlgang zwei ums Stadtpräsidium heisse, konnte die GB-Präsidentin gestern noch nicht sagen. «Das müssen wir jetzt analysieren», so Penher.

Aus Sicht von Penher ist das 4:1 der logische Ausgang dieser Wahlen. «Bern hat sich in letzter Zeit eher nach links bewegt, während der nationale Trend in die andere Richtung ging.» Ob jetzt ein 3:2 oder ein 4:1 für RGM, das mache im Endeffekt keinen Unterschied. «Die Linke ist so oder so in der Mehrheit.» Spannend werde jetzt, wie die Direktionen verteilt würden, so Penher. Wir erinnern uns: Vor vier Jahren ging man davon aus, dass GB-Gemeinderätin Teuscher das Tiefbauamt übernimmt. Doch dann ging die Direktion an Ursula Wyss (SP). (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.11.2016, 23:42 Uhr

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