Brocki seit fast 20 Jahren ohne Bewilligung

Bern

Die Bärner Brocki in Bern muss eine nachträgliche Baubewilligung für den Betrieb einer Brockenstube einholen. Dies hat das Verwaltungsgericht nun entschieden. Die Bärner Brocki geschäftet seit 1996 ohne Bewilligung.

Die Bärner Brocki am Pappelweg in Bern geschäftet seit 1996 ohne Bewilligung.

Die Bärner Brocki am Pappelweg in Bern geschäftet seit 1996 ohne Bewilligung.

(Bild: Stefan Anderegg)

Ralph Heiniger

Seit 1996 betreibt die Stiftung Gewa in der Lorraine die Bärner Brocki. In der Brockenstube mit Lager-, Verkaufs- und Werkstattfläche findet man zum Beispiel gebrauchte Möbel, Kleider, Spielwaren, DVDs oder auch Computer. Allerdings: Eine Bewilligung dafür gab es nie.

Weder für die Nutzung der Räumlichkeiten als Brockenstube noch für den Bau diverser Einrichtungen im Aussenbereich wurde jemals eine Bewilligung erteilt. Dies stellte die Einwohnergemeinde Bern fest, als die Gewa ein Gesuch einreichte, um das bestehende Angestelltenbistro als öffentlichen Gastbetrieb zu führen.

Als die Gewa danach im Jahr 2011 um ein nachträgliches Baugesuch ersuchte, gab es mehrere Einsprachen. Ein Beschwerdeführer – ein direkter Anwohner – ist gar der Meinung, dass der Betrieb der Brockenstube zonenwidrig sei. Seither tobt ein komplizierter Rechtsstreit, dessen bisher letzter Akt der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern ist. Dieses entschied jüngst, dass die Gewa tatsächlich ein nachträgliches Baugesuch einreichen muss.

Vor Bundesgericht?

Andreas Mäder arbeitet seit 1998 für die Gewa, heute ist er Mitglied der Geschäftsleitung. Er sagt: «Unser Ziel ist es, die Bärner Brocki weiterzuführen.» Zu Details des laufenden Verfahrens könne er aber zurzeit keine Stellung nehmen.

Die Gewa könnte den Entscheid des Verwaltungsgerichts im Prinzip noch ans Bundesgericht weiterziehen. Der Anwohner, der reklamierte, dass die Bärner Brocki nicht zonenkonform sei, wollte sich am Mittwoch auch nicht äussern.

An der Adresse der Bärner Brocki war bis 1996 eine Firma für Kassensysteme. Sie betrieb eine Werkstatt und verkaufte ihr Produkt auch vor Ort. Deshalb ging man bei der Gewa vielleicht davon aus, dass keine zusätzlichen Bewilligungen notwendig seien.

Für berufliche Integration

Die Gewa ist eine Stiftung für berufliche Integration. Gewa steht für «Gemeinsam wagen». Sie bietet Menschen mit einer Invalidenrente und eingeschränkter Leistungsfähigkeit die Möglichkeit, einer ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeit nachzugehen. «Wir betreiben die Bärner Brocki, um Menschen in psychisch herausfordernden Lebenssituationen die berufliche Integration zu ermöglichen», sagt Andreas Mäder.

Berner Zeitung

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