Grosshöchstetten

Bringt das Stimmvolk die Badi ins Trockene?

GrosshöchstettenDer Gemeinderat will die Badi schliessen. Dagegen regte sich Widerstand: Mit einer Initia­tive wird eine Sanierung gefordert. Die Stimmbürger entscheiden am 4. März.

Die Badi Grosshöchstetten ist sanierungsbedürftig.

Die Badi Grosshöchstetten ist sanierungsbedürftig. Bild: Stefan Anderegg

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Leistet sich die Gemeinde Grosshöchstetten weiterhin ein eigenes Freibad? Wenn es nach dem Gemeinderat geht, nicht. Er hat 2016 beschlossen, die Badi zu schliessen. Sie sei in einem schlechten baulichen Zustand, die Sanierung zu teuer. Dagegen regte sich Widerstand: Ein Initiativkomitee formierte sich und sammelte Unterschriften gegen den gemeinderätlichen Beschluss.

Mit Erfolg: Am 4. März stimmen die Grosshöchstetter über die Badi ab. Wird die Initiative angenommen, muss ein Sanierungskonzept ausgearbeitet werden. Andernfalls setzt der ­Gemeinderat seinen ursprünglichen Plan um: Er baut die Badi zurück und schafft eine Begegnungsstätte mit Spielplatz, Wasserspiel, Beachvolleyballfeld und mehreren Grillstellen.

Jedes Jahr ein Defizit

«Die Aussenanlage hat das Ende ihrer Lebenszeit erreicht», sagt Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP). Die Eröffnung der Saison erfolge jeweils auf «Biegen und Brechen». Gefährlich sei dies zwar noch nicht. «Sonst wäre die Badi längst zu.» Wann aber ein Badebetrieb nicht mehr vertretbar ist, sei schwierig vorherzu­sehen. «Macht die Technik nicht mit, könnte das auch schon diesen Sommer sein.»

«Die Badi hat das Ende ihrer Lebenszeit erreicht.»Christine Hofer
Gemeindepräsidentin Grosshöchstetten

Zu den baulichen Mängeln kommt eine finanzielle Schieflage. Jährlich fällt ein Defizit von 80'000 bis 100'000 Franken an. Dass ein Freibad kostenintensiv ist, weiss der Gemeinderat: «Uns ist bewusst, dass der Betrieb nicht kostendeckend geführt werden kann», sagt Hofer. Auch mehr ­Besucher würden da wohl kaum Abhilfe schaffen.

Ohnehin steigere die massvolle Sanierung die Attraktivität der Badi nicht, sagt Hofer. Gegen die Konkurrenz der Badis in Langnau, Konolfingen und anderen Gemeinden komme man nicht an. «Um das Bad tatsächlich attraktiver zu gestalten, müsste ein deutlich höherer Beitrag investiert werden.»

Kommt hinzu, dass der Gemeinderat den Betrag von 3,5 Millionen Franken als zu tief ­erachtet. Er rechnet mit 4,2 Millionen Franken. «Natürlich würde es günstiger gehen. Doch dann müssen wir Abstriche machen.» Beispielsweise bei den Toiletten und Garderoben.

Ausserdem entstünden höhere Folgekosten. ­Anstatt der Sanierung schlägt der Gemeinderat deshalb die Umnutzung der Badi vor. Mit Kosten von 1,66 Millionen Franken wäre dies günstiger. Und auch die jähr­lichen Ausgaben wären geringer.

Und sparen ist angezeigt, denn in Grosshöchstetten stehen grössere Investitionen an. «Über eine Steuererhöhung müssen wir so oder so sprechen», sagt Hofer. Kommt nun noch die Investition ins Freibad, müsste sich die Gemeinde für die anderen Ausgaben zusätzlich verschulden.

Aussage gegen Aussage

Ueli Jenzer vom Initiativkomitee weiss, dass es um die Finanzen der Gemeinde nicht gut steht: «Um eine Steuererhöhung kommt man wohl nicht herum.» Er kritisiert aber, dass die nötigen Investitionen nun als Argument benutzt würden, um die Badi zu bodigen. Zumal diese von der Bevölkerung noch gar nicht bewilligt seien.

Auch in anderen finanziellen Belangen gehen die Meinungen auseinander: So sind die Initianten überzeugt, dass 3,5 Millionen Franken für die Sanierung genügen. «Wir stützen uns dabei auf vergleichbare Projekte», erklärt Jenzer.

Er weiss aber, dass in diesem Punkt Aussage gegen Aussage steht. «Klarheit schafft jetzt nur ein ausgearbei­tetes Sanierungskonzept mit ei­nem verbindlichen Kostenvoranschlag, wie es bei einer An­nahme der Initiative fällig wird.»

Letztes Wort dem Volk

Vom Vorschlag einer Begegnungsstätte hält Jenzer wenig. «Das Vorhaben ist unrealistisch, nicht nachhaltig und spricht nur einen kleinen Teil der Bevölkerung an.» Das Freibad diente wesentlich breiteren Kreisen, ist Jenzer überzeugt.

Und auch das Argument, dass es genug Bäder in der Umgebung hat, lässt er nicht gelten. «Für Personen ohne Auto sind diese nicht erreichbar.» Für das Initiativkomitee seien zudem nicht nur finanzielle, sondern auch ideelle Aspekte wichtig. «Doch das würdigt der Gemeinderat nicht.»

Für Kritik sorgt schliesslich, dass die Gemeinde die Umnutzung der Badi im Alleingang beschlossen hat: «Die Bevölkerung sollte das letzte Wort haben.» Und dies unabhängig vom Abstimmungsresultat: Werde die Initiative angenommen und damit die Badi gerettet, sei dies schön, sagt Jenzer. «Und wenn nicht: Tant pis.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 07:45 Uhr

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