Bowil/Linden

Regierungsrat verweigert Wechsel des Verwaltungskreises

Bowil/LindenGemeinden dürfen den Verwaltungskreis nicht wechseln. So lautet der Grundsatzentscheid des Berner Regierungsrats. Das scheinbar trockene Thema sorgt für grosse Emotionen, vor allem in Bowil und Linden.

Der Regierungsrat verweigert den beiden wechselwilligen Gemeinden die Freigabe. Grafik: dc

Der Regierungsrat verweigert den beiden wechselwilligen Gemeinden die Freigabe. Grafik: dc

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Am Donnerstagmorgen empfing Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) zwei Gäste in seinem Büro: Moritz Müller (SVP), Gemeindepräsident von Bowil, und Thomas Baumann, Gemeindepräsident von Linden. Schlechte Nachrichten überbringt man wenn immer möglich persönlich, so die Devise von Neuhaus.

Und schlecht kam der Grundsatzentscheid der Berner Regierung, dass Gemeinden den Verwaltungskreis nicht wechseln dürfen, bei seinen Gästen auch an. «Ich bin schwer enttäuscht über die Mutlosigkeit vom Regierungsrat», sagte Moritz Müller nach dem Treffen. Und: «Der Volkswille wird hier einfach ignoriert.»

Sie fühlen sich nicht wohl

Rückblende: Vor acht Jahren traten im Kanton Bern die zehn neuen Verwaltungskreise in Kraft. In welchem Verwaltungskreis man wohnt, hat direkte Auswirkungen auf den Alltag. Es entscheidet etwa darüber auf welches Grundbuchamt, welches Betreibungsamt oder zu welchem Regierungsstatthalter man gehen muss.

Bowil und Linden sind seit 2010 beide dem Kreis Bern-Mittelland angeschlossen, zusammen mit 78 weiteren Gemeinden. Warm wurden sie in dieser Gesellschaft aber nie. Bei den halbjährlich stattfindenden Regionalkonferenzen fühlten sie sich nicht richtig ernst genommen. Und wieso man plötzlich Stadtberner Kulturinstitutionen mitfinanzieren muss, erschloss sich den beiden Landgemeinden auch nie. Beide wollten sie weg. Bowil in den Verwaltungskreis Emmental, Linden in den Verwal­tungskreis Thun. Aber so einfach geht das nicht.

Dass eine Gemeinde den Verwaltungskreis wieder wechseln kann, wenn es ihr dort nicht mehr passt, ist im neuen Gesetz nicht vorgesehen. In Bowil und Linden sprach sich die Bevölkerung bei Befragungen zwar für einen solchen Wechsel aus. Dennoch kämpfen Bowil und Linden mit ihrem Anliegen seit Jahren gegen Windmühlen.

Im Grossen Rat versuchte es Moritz Müller schon mit einem Vorstoss, erfolglos. Hoffnungen keimten auf, als in einem Evaluationsbericht zur kantonalen Agglomerationsstrategie Anpassungen in der Verwaltungsstruktur als möglich taxiert wurden.

Aber der Berner Regierungsrat zieht mit seinem Grundsatzentscheid einen abrupten Schlussstrich. «Ein Verwaltungskreiswechsel würde einen Rattenschwanz nach sich ziehen», begründet Christoph Neuhaus den Entscheid. Kosten und Nutzen wären dabei völlig unverhältnismässig. Besonders auch, wenn weitere Gemeinden plötzlich Wechselgelüste zeigen würden.

Fusion als Lösung?

Eine Möglichkeit, den Verwaltungskreis zu wechseln, gebe es aber nach wie vor, so Neuhaus: Eine Gemeindefusion über den Verwaltungskreis hinaus. «Bowil könnte zum Beispiel mit Röthenbach fusionieren», schlägt er vor. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.02.2018, 15:36 Uhr

Linden

Thomas Baumann, Gemeindepräsident von Linden, bezeichnet den Entscheid des Regierungsrates als «sehr enttäuschend, wenn auch nicht ganz überraschend mit Blick auf die Debatte im Grossrat». Der Gemeinderat werde die Situation nun analysieren und über das weitere Vorgehen beschliessen. «Aber wir müssen realistisch sein: Allein finanzpolitisch gesehen wird es sehr schwierig, einen Wechsel der Verwaltungregion durchzusetzen.» Auch wenn Baumann das Wort «frustriert» nicht in den Mund nimmt: Gewisse Resignation wird spürbar, wenn er sagt, die Vorarbeiten für das Gesuch, das nun «einfach abgeschmettert» worden sei, hätten enorm viel Zeit in Anspruch genommen. «So verbleiben wir jetzt halt in diesem riesen Konstrukt der Verwaltungsregion Bern-Mittelland, zu der wir kaum Bezug haben», resümiert er. maz

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