Humboldts Reisen am Aarehang

Der Botanische Garten Bern thematisiert an einer Ausstellung das botanische Wirken des grossen Natur­forschers Alexander von Humboldt.

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Der deutsche Gelehrte Alexander von Humboldt (1769–1859) betrieb Studien auf fast allen naturwissenschaftlichen Gebieten. Er war unter anderem Mitbegründer der Geografie als empirischer Wissenschaft und gilt als Vater der Pflanzengeografie. Humboldt war auch Wegbereiter der Ökologie.

«Er hat die Pflanzenvielfalt nicht mehr nur als Sammlung einzelner Arten erfasst, sondern sie in einen geografischen Kontext gestellt», sagt Markus Fischer, Professor und Direktor des Botanischen Gartens.

Reisen um die Welt

Aus Anlass zu Humboldts 250. Geburtstag im nächsten Jahr hat der Botanische Garten (Boga) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik die Ausstellung «Botanik in Bewegung – Humboldts Expeditionen» initiiert. «Seine Schriften erschienen weltweit an mehr als 250 Orten», weiss Literaturprofessor Oliver Lubrich. Humboldt unternahm für die damalige Zeit waghalsige Expeditionen, etwa in die Urwälder Südamerikas.

Seine Reisen sowie schriftliche Dokumente werden im Boga im Freigelände, in den Schauhäusern sowie in der Orangerie den Besucherinnen und Besuchern an 16 Stationen vorgestellt. Dabei wird die Pflanzensammlung des Boga in die Ausstellung miteinbezogen.

Im Garten verteilt wachsen Pflanzen, die Humboldt zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Europa gebracht hat.

Eine Schlüsselstation der Ausstellung, die bis Ende September dauert, ist Humboldts bekanntestes Bild, das «Naturgemälde der Anden». Das Gebirgsprofil ist mit den Namen der Pflanzen beschrieben, die in der jeweiligen Höhe vorkommen. In der Ausstellung wird das Modell auf die Alpen übertragen. So können die Höhen der beiden Gebirge und die Unterschiede in der Vege­tation verglichen werden. Und gleich nebenan kann das Publikum im Garten die Alpenpflanzen real in ihrer ganzen Pracht betrachten.

Wie blau ist der Himmel?

Eine besondere Attraktion auf dem Rundgang ist jene Station, wo die diversen Instrumente präsentiert werden, die Humboldt auf seinen Forschungsreisen im Gepäck hatte. Thermometer, Hygrometer, Sextant, Barometer, Chronometer – und ziemlich exotisch: das Cyanometer.

Mit diesem Instrument mass Alexander Humboldt das Blau des Himmels. Besucherinnen und Besucher können im Botanischen Garten selbst den Himmel über Bern vermessen und auf ­Instagram (#blauüberbern) einbringen. Die Orangerie schliesslich ist Humboldts Aufarbeitung seiner Reisen gewidmet – dies mittels Texten und Grafiken.

Das Institut für Germanistik hat über 1000 Schriften zusammengetragen, die zu Humboldts Lebzeiten auf allen Kontinenten erschienen sind. Hinter Glas liegt auch die Originalausgabe des ­ersten Bandes seines unvollendeten Lebenswerkes «Der Kosmos» auf.

Humboldt wollte seiner Leserschaft die ganze Welt in einem Buch beziehungsweise in meh­reren Bänden präsentieren. So weit kam es aber nicht. Am 6. Mai 1859 starb der Naturforscher. Er hatte eben den fünften Band in Angriff genommen.

Weitere Ausstellungen

Die Ausstellung im Botanischen Garten wird von drei Satellitenausstellungen in der Stadt begleitet. Im Naturhistorischen Museum geht es um Humboldts Tierleben (beispielsweise Humboldt-Affen). Im Generationenhaus beim Bahnhof wird mittels einer Hörstation die Geschichte der Forschergenerationen (von Haller bis Darwin) erzählt.

Und ab dem 5. Juli werden in der Universitätsbibliothek an der Münstergasse Humboldts Erstausgaben präsentiert. Schliesslich findet während des ganzen Sommers ein Rahmenprogramm statt, etwa eine Filmreihe im Kino Rex oder Pflanzenzeichnen mit der Schule für Gestaltung.

Im Botanischen Garten selbst werden verschiedene geführte Rundgänge angeboten.

Infos: www.boga.unibe.ch.
Weitere Infos zur Ausstellung: www.botanik-in-bewegung.ch.
Zudem widmet sich die Publikation «Uni Press» in der aktuellen Mai-Ausgabe ausführlich dem Leben und dem Werk Alexander von Humboldts. www.unibe.ch/aktuell/magazine
(Berner Zeitung)

Erstellt: 31.05.2018, 15:46 Uhr

Die Ausstellung will Alexander von Humboldts Leben aus einer wissenschaftsgeschichtlichen und aktuellen Perspektive beleuchten. (Bild: bpk / Nationalgalerie, SMB / Jürgen Liepe)

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