Bonne nuit, Bonsoir

Der Berner Club Bonsoir in der Aarbergergasse macht per Ende Mai 2018 dicht. Die Clubbetreiber geben die negative Entwicklung im Clubgeschäft als Hauptgrund an.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Der preisgekrönte Club Bonsoir in der Berner Aarbergergasse schliesst. Arci Friede, einer der sechs Betreiber, erklärt warum. «Wegen unseres Umsatzes oder den Besucherzahlen müssen wir nicht schliessen», sagt Friede auf Anfrage. Er ist einer der sechs Co-Inhaber des Club Bonsoirs. Nächstes Jahr im März wird dieser neun Jahre alt, zwei Monate später wird er schliessen, wie die Betreiber heute mitteilten.

Man hätte noch lange so weitermachen können, da laut Friedes Angaben die Fixkosten auf ein Minimum «optimiert» worden seien. Will heissen: Der einzige Inhaber, der noch eine Anstellung beim Club hat, ist Christoph Haller, der für das musikalische Programm sorgt. Alle anderen halten nur noch kleine Mandate im Nachtklub inne und verdienen ihre Brötchen anderswo. Etwa beim Gurtenfestival oder in den Berner Badibeizen.

«Bei null starten»

Dass sie zumachen, soll auch keine Rückschlüsse darauf zulassen, dass sie keine Lust mehr auf Nachtleben und Musik haben. «Wir wollen einfach mal einen Strich ziehen und bei null starten», so Friede weiter. Im Frühling, wenn das Programm bis und mit Mai stehe, habe man Zeit, sich zu überlegen, wie es weitergehen soll. «Das könnte eine Zwischennutzung oder eine Konzertreihe, aber auch einfach eine Bar sein», ist sich Friede sicher.

In der heutigen Zeit sei es nicht praktisch, einen fixen Ort mit laufenden Kosten zu haben. «Es würde mehr rentieren, mit Coop-Einkaufswagen auf dem Vorplatz der Reitschule Bier zu verkaufen», sagt Friede ernst. Und es gebe viele temporäre Orte oder mehr Bars, die für Konkurrenz sorgen.

Frohe Neuigkeiten hat er für die Angestellten: Entlassungen wird es keine geben. Mit den weiteren Lokalen Kung-Fu-Burger oder den Badibeizen hätten sie genügend Spielraum, um eine andere Stelle anzubieten. Eine weitere Möglichkeit wäre auch der Propeller, den zwei Bonsoir-Inhaber betreiben.

Veränderte Ausgehmentalität

Das sagte Arci Friede zum 5. Jubiläum.

Als der Club die grossen Gagen für internationale Acts nicht mehr aufbringen konnte, sei man auch im Kampf um Aufmerksamkeit etwas leiser geworden. «Die jetzigen Ausgänger sind eine Generation, die nicht an einem Ort bleiben, sondern überall gewesen sein wollen», fasst er zusammen.

Ausserdem verändere sich die Ausgehmentalität: Viele hätten ein Fitnessabo und trinken nicht viel Alkohol. So wurde in der Clubleitung augenzwinkernd diskutiert, ob man vielleicht an der Bar einen Proteinshake anbieten solle, wie Bobby Bähler, ein weiterer Inhaber, letzten Dezember gegenüber dieser Zeitung sagte.

Nicht nur habe sich die Jugend geändert, sondern auch sei der Ort ungünstig: Er liegt im Untergeschoss in einem ehemaligen Tresor einer Bank. Somit könne man tagsüber nichts veranstalten und müsse in der Nacht innert weniger Stunden den Umsatz machen.

Bobby Bähler, was ein guter Clubabend ist.

Die Inhaber schrieben bereits vor dem Bonsi Nachtlebengeschichte: Friede und Dave Marshal führten den Wasserwerk-Klub in der Matte. Damals waren allesamt um die 20 Jahre alt, heute gehe es schon auf die 40 zu. «Wir sind nicht mehr so agil», witzelt Friede.

Frustration oder Ärger über diesen Schritt sucht man bei den Antworten vergebens. «Wir haben pünktlich unsere Entscheidung getroffen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst 2018 vielleicht wieder etwas anpacken werden.»

Berner Zeitung

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