Bond, Minions und schnelle Autos

Für die Stadtberner Kinos war 2015 ein solides Jahr. Mit 1,18 Millionen Zuschauern ist die Bilanz klar besser als im Jahr zuvor. Der Berner liebster Film war «Spectre».

So sieht die Berner Kino Bilanz aus.

So sieht die Berner Kino Bilanz aus.

(Bild: Graphik BZ)

Ralph Heiniger

Auf James Bond ist Verlass. Seit Jahrzehnten füllt 007 die Berner Kinosäle. Auch sein jüngstes Abenteuer «Spectre» hat Fans und Kinobetreiber nicht enttäuscht. Der Film liegt mit 82 428 verkauften Tickets klar auf der Spitzenposition des letzten Jahres – und er läuft immer noch.

Generell sind die Berner Kinobetreiber mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden. Die 1 177 089 verkauften Tickets entsprechen gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 7 Prozent. Branchenprimus bleibt in der Stadt Bern das Pathé Westside. Das Multiplexkino mit elf Sälen konnte 2015 weit über 50 Prozent aller Kinoeintritte für sich verbuchen und seinen Rekord aus dem Jahre 2012 fast egalisieren.

Die Kitag-Kette konnte ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr leicht ausbauen. Dies, obwohl Kitag das Kino Rex an der Schwanengasse abgestossen hatte und nun noch sieben Kinos in der Innenstadt betreibt. In die Räumlichkeiten des Rex ist das ehemalige Kino Kunstmuseum gezogen.

Unter der Dominanz der Blockbuster haben im letzten Jahr die sogenannten Studiofilme etwas gelitten. Die Jahresbilanz der Quinnie-Gruppe, welche nach wie vor eine Programma­tion des Arthouse-Filmes in den Vordergrund rückt, ist nicht ganz so positiv ausgefallen, sagt Quinnie-Geschäftsführerin Edna Epelbaum. Der Marktanteil ging leicht zurück auf rund 15 Prozent. Auch bei Quinnie lief «Spectre» am besten, danach folgen «Still Alice» mit Julianne Moore und «Samba» mit Omar Sy und Charlotte Gainsbourg.

Zu viel gutes Wetter 2015

Gerade wegen der Vielzahl an grossen Blockbuster-Filmen hätte Jan Halvorsen, Geschäftsführer des Pathé Westside, eigentlich noch mehr erwartet. «Ich denke, wegen des schönen Herbstwetters bis kurz vor Weihnachten liefen die Starts von ‹Spectre› oder ‹Star Wars› weniger gut als erhofft.»

Der Geschäftsgang eines Kinos ist generell sehr wetterabhängig. Im Pathé Westside, wo viele Gäste den Gang ins Kino mit einem Besuch im Bernaqua verbinden würden, sei die Wetterfühligkeit extrem, sagt Halvorsen. Besonders gut läuft das Geschäft bei schlechtem Wetter. «Mit knapp 7000 verkauften Tickets erreichten wir am Karfreitag im letzten Jahr unser bestes Ergebnis überhaupt.» An jenem Tag hat es in Strömen geregnet, und zudem lief der siebte Teil der «Fast and Furious»-Reihe an. Bereits in der ersten Woche sahen im Westside über 15 000 Besucher den Actionfilm, in dem neben Vin Diesel und dem verstorbenen Paul Walker vor allem die schnellen Autos eine Hauptrolle spielten.

Erfolg dank Parkplätzen

Insgesamt lockte «Fast and Furious 7» knapp 37 000 Besucher in die Berner Kinos, gut 30 000 davon wählten den Weg ins Westside. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Wer einen Film mit und über Autos sehen möchte, wählt tendenziell ein Kino, welches er mit seinem Auto erreichen kann und wo er auch bequem einen Parkplatz findet. In der Stadt ist Parken viel teurer als im Westside, und es ist zuweilen schwieriger, einen Parkplatz zu finden. Doch «Fast and Furious» ist kein repräsentatives Beispiel für alle Blockbuster-Filme. So wollten zum Beispiel über 40 000 Zuschauer «Spectre» in einem Stadtkino sehen. Auch «Hunger Games» sahen fast die Hälfte der Zuschauer in der Innenstadt.

Weniger Blockbuster 2016

«Batman v Superman», «Star Trek Beyond» oder «Warcraft». Auch in diesem Jahr stehen grosse Blockbuster auf dem Programm. Allerdings hat keiner davon die Strahlkraft von «Spectre» oder «Star Wars». «Wir sind ­dennoch zuversichtlich, weil im nächsten Jahr sehr viele gute Kinderfilme anlaufen», sagt Halvorsen. So kommen zum Beispiel «Ice Age 5», «Kung Fu Panda 3» oder «Finding Dory», die Fortsetzung von «Finding Nemo», in die Kinos. 2016 werde das Verhältnis zwischen Blockbuster-Filmen und Arthouse-Filmen wieder etwas ausgeglichener, sagt Edna Epelbaum. «Meine persönlichen Cannes-2015-Highlights werden im Frühjahr auch in die Deutschschweiz kommen und hoffentlich viele Besucher anziehen: «Mustang» und «The Son of Saul».» Auch vom französischen Film, der 2015 eher schwächer war, sei wieder mehr zu erwarten.

Alles neu 2017

Ein Jahr später, 2017, werden die Karten in der Berner Kinoszene neu gemischt. Voraussichtlich gegen Ende 2017 wird nämlich Kitag auf dem Gümligenfeld in Muri ein Multiplexkino eröffnen. Die Einsprachen sind zurückgezogen, die Baubewilligung ist erteilt – nach langem Hin und Her steht dem Freizeitzentrum nichts mehr im Weg (wir berichteten). Die Frage stellt sich, welche Auswirkungen das neue Multiplexkino insbesondere auf die Kitag-Kinos in der Innenstadt haben wird. Doch diese Frage lässt die ­Zürcher Kette noch offen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt